Auf eine zusätzliche Abgabe für Urlauber hat Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt Kiel bisher verzichtet. Doch das, was in Mecklenburg-Vorpommern längst gängig ist, soll nun auch an der westlichen Ostsee eingeführt werden. Ab Oktober 2026 soll es in Kiel eine zusätzliche Abgabe für Urlauber geben, bestätigt Stadtsprecherin Kerstin Graupner dem Nordkurier. Für die Einführung einer neuen Bettensteuer hat sich das Stadtgremium aufgrund eines massiven Haushaltsdefizits entschieden, wie der NDR berichtete.

Kritik von Wirtschaftsbeirat und der IHK

Die Steuer fällt bei Übernachtungen in Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen an und bedeutet einen Aufschlag von fünf Prozent. Eine Person würde demzufolge in Kiel bei 150 Euro Zimmerpreis künftig 7,50 Euro pro Nacht extra zahlen. Eine ähnliche Steuer gibt es bereits in anderen Städten, wie Stralsund.

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Die Bettensteuer ähnelt einer Kurabgabe, wie sie in fast allen Orten an der Ostsee und anderen Tourismusregionen üblich ist. Die Einnahmen dienen in der Regel dazu, touristische Infrastruktur wie Strände, Wanderwege, Kulturangebote und öffentliche Einrichtungen zu finanzieren.

So viel kostet die Kurtaxe in anderen Urlaubsorten

Die Kurabgaben an der Ostsee werden je nach Gemeinde und Saison erhoben. Die Beträge gelten pro Person und Übernachtung und unterscheiden sich je nach Ort und Zeitraum. Auf der Insel Rügen liegt die Kurabgabe in den bekannten Badeorten in der Regel zwischen 1,50 und 3,50 Euro. Die konkreten Sätze legt jede Gemeinde fest.

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So müssen im Ostseebad Binz Gäste das ganze Jahr über 3,40 Euro pro Tag zahlen. Dabei werden der An- und der Abreisetag als je ein Aufenthaltstag berechnet. Im Ostseebad Sellin ist es für Erwachsene in der Hauptsaison mit 3,37 Euro ähnlich teuer – in der Nebensaison zahlen Urlauber 2,54 Euro.

Das bekannte Ostseebad Binz auf der Insel Rügen gilt als „beliebteste Kleinstadt für Tourismus“ in Deutschland. Das zeigt eine Studie der Zeitschrift „Kommunal“.Bild vergrößern

Das bekannte Ostseebad Binz auf der Insel Rügen gilt als „beliebteste Kleinstadt für Tourismus“ in Deutschland. Das zeigt eine Studie der Zeitschrift „Kommunal“. (Foto: Screenshot: Youtube/Ostseebad-binzDe)

Günstiger ist es vergleichsweise in dem Erholungsort Sassnitz im Nordosten der Insel Rügen. Dort beträgt die Kurabgabe in der Hauptsaison 1,50 Euro. In der Vor- und Nachsaison liegen die Kosten bei 1 Euro. Hier gelten An- und Abreisetag als ein Tag.

Jahreskurabgabe auch möglich

Auf der Insel Usedom gibt es für die gesamte Insel eine Abgabe (UsedomCard). So kostet es etwa für Urlauber in der Gemeinde Ostseebad Heringsdorf in der Vorsaison von Januar bis Ende März 2,70 Euro, in der Hauptsaison von April bis Ende Oktober 3,30 Euro und in der Nachsaison von November bis Ende Dezember 2,90 Euro. Der An- und Abreisetag werden als ein Aufenthaltstag berechnet. Ortsteile von Heringsdorf sind die bekannten Kaiserbäder Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin.

In der Gemeinde Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein zahlen Urlauber in der Nebensaison von Januar bis Ende April sowie Anfang Oktober bis Ende Dezember 2 Euro. In der Hauptsaison vom 1. Mai bis 30. September werden 3,50 Euro erhoben.

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Wer in Rostock Urlaub macht, zahlt derzeit als Übernachtungsgast 3,70 Euro je Tag. Für Kinder bis 15 Jahre werden 1,45 Euro erhoben und Tagesgäste ab 15 Jahren müssen 2,25 Euro an Kurtaxe zahlen. Das gilt auch für das Ostseebad Warnemünde, das zu Rostock gehört.

An den Strand in Warnemünde zieht es im Sommer regelmäßig viele Urlauber und Tagesgäste.Bild vergrößern

An den Strand in Warnemünde zieht es im Sommer regelmäßig viele Urlauber und Tagesgäste. (Foto: Jens Büttner/dpa)

Die Hansestadt Greifswald hatte sich im vergangenen Jahr von einer Bettensteuer über fünf Prozent verabschiedet und kassiert nun pauschal 3 Euro pro Person und Übernachtung. Für einen längeren Aufenthalt, von etwa 30 Tagen und mehr, gibt es in vielen Orten oft eine Jahreskurabgabe, die dann im Verhältnis günstiger ist.