Das harsche Winterwetter macht den Menschen in Europa weiter zu schaffen. Am Dienstag war beispielsweise in den Niederlanden der Zugverkehr durch das Wetter und eine technische Störung fast völlig lahmgelegt. Am Amsterdamer Großflughafen Schiphol mussten rund 350 Flüge bereits annulliert werden.
Auch in weiten Teilen Deutschlands müssen Autofahrer und Fußgänger in den kommenden Tagen mit glatten Straßen rechnen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes besteht fast im gesamten Land Glättegefahr, an der Nordseeküste sowie im Harz kann es auch zu Schneeverwehungen kommen.

Amsterdam: Eine KLM-Maschine wird am Flughafen Schiphol enteist.
© Koen Van Weel/ANP/dpa | Koen Van Weel
In der Südosthälfte gibt es den Experten zufolge bereits am Mittwoch gebietsweise strengen Frost zwischen minus 10 und minus 15 Grad. Auf dem Brocken im Harz und auf den Nordseeinseln sind Sturmböen möglich. In der Nacht zum Donnerstag sei im Norden gebietsweise auch Glatteis durch gefrierenden Regen „nicht ganz ausgeschlossen“.
Wetter in Deutschland: Bomben-Zyklon sorgt für Probleme
Das nächste Problem für weite Teile Deutschlands: In den nächsten Stunden wird sich über dem Atlantik ein sogenannter Bomben-Zyklon entwickeln. Dabei handelt es sich um ein meteorologisches Phänomen, bei dem der Luftdruck innerhalb kurzer Zeit stark fällt und das System extremen Wind, Schnee und Kälte erzeugt.
Ab Donnerstag rechnen Wetter-Experten mit starken Schneefällen. Zudem werde der Wind an Intensität gewinnen. Es könnten schwere Sturmböen entstehen, die eine Geschwindigkeit von 100 bis 120 km/h – dann spricht man von einem Orkan – mit sich bringen.

Deutschland: Glättegefahr, Eisregen und Schnee
Wie Wetter.com schreibt, werde der Freitag richtig problematisch. Das Zentrum des Tiefs befinde sich dann über Deutschland. Es komme regional zu „Extremwetter durch Eisregen, Schneeglätte und Schneeverwehungen“.
Im Norden und Nordosten bleibe es frostig. Hier schneit es länger kräftig. Dazu sorge der Wind für Schneeverwehungen. Chaos sei hier vorprogrammiert. Man solle – wenn nicht unbedingt notwendig – zu Hause bleiben.
Wetterdienst warnt vor Glätte: Schnee und Frost bleiben
Winterwetter: Schneefälle auch in Schweden, Dänemark, Großbritannien und Frankreich
Der Blick geht zurück auf die europäische Großwetterlage. Neue Schneefälle und bis zu minus 40 Grad im Norden des Landes gibt es in Schweden. In Dänemark forderte der Rettungsdienst Falck die Menschen in Nordjütland in Erwartung eines Schneesturms auf, am Mittwoch zu Hause zu bleiben. Wer sich doch herauswagt, sollte eine Schaufel dabeihaben, um das Auto freigraben zu können.
Auch Frankreich hat weiterhin mit Schnee und Eis zu kämpfen. In vielen Departements fuhren keine Schulbusse, nachdem es teils kräftige Schneefälle gegeben hatte. Auch der Zugverkehr war in manchen Regionen gestört.

Hier ist im französischen Nantes ein Fahrradfahrer zu sehen.
© AFP | Loic Venance
Am Flughafen in Nantes im Westen des Landes wurde der Flugverkehr eingestellt, während es an den Pariser Flughäfen weiterhin Ausfälle gab. Auf den Straßen und Autobahnen rund um Paris, wo sich am Montagnachmittag der Verkehr noch auf rund 1.000 Kilometern Länge gestaut hatte, entspannte sich die Lage zwar. Dennoch wurden nach einer ersten Bilanz fünf Tote bei wetterbedingten Unfällen gemeldet.
In Großbritannien ist es weiterhin kalt und es schneit. In Schottland bleiben Hunderte Schulen geschlossen, in Glasgow fuhren die U-Bahnen am Morgen nicht, weil die Stromschienen vereist waren. In vielen Teilen des Vereinigten Königreichs gelten weiterhin Schnee- und Eiswarnungen, der Wetterdienst warnt vor heftigen Schneefällen für diese Woche, vor allem im Süden.
Klirrende Kälte: Zehntausende Einwohner Prags ohne Heizung und heißes Wasser
Polarluft sorgt in der Schweiz im Flachland für Temperaturen von teils minus 14 Grad. La Brévine im Kanton Neuenburg auf gut 1.000 Metern Höhe, traditionell der kälteste Ort der Schweiz, meldete in der Nacht zu Montag minus 30,3 Grad. Das ist aber nicht sehr ungewöhnlich. In dem abgeschlossenen Tal bildet sich bei klarem Himmel und wenig Wind oft ein Kaltluftsee, was zu einer großen Auskühlung des Bodens führt. Noch kälter war es am Morgen auf der Alp Hintergräppelen in Toggenburg im Kanton St. Gallen. Dort wurden minus 37,1 Grad gemessen.

Auch in Tschechien herrscht weiter klirrende Kälte. Im Böhmerwald nahe der Grenze zu Bayern wurden am Morgen Temperaturen um minus 25 Grad gemessen. Nirgendwo im Land sollte das Quecksilber in den nächsten Tagen über den Gefrierpunkt steigen, wie aus der Vorhersage des staatlichen Wetterdienstes hervorging. In Prag waren Zehntausende Einwohner wegen einer defekten Fernwärme-Leitung vorübergehend ohne Heizung und warmes Wasser.
Freuen können sich die Wintersportler: Aufgrund der Schneefälle herrschen auf vielen Pisten in den Mittelgebirgen Tschechiens ideale Bedingungen zum Skifahren. In Polen lag die niedrigste Temperatur in der Nacht derweil bei minus 20,1 Grad.

chneebedeckte Autos parken in einer Straße in Budapest.
© Zoltan Balogh/MTI/AP/dpa | Zoltan Balogh
In Ungarn sorgten ausgiebige Schneefälle für Verkehrsbehinderungen. Im Großraum Budapest, in der nordöstlichen Region Borsod und in den südlichen Bezirken Baranya und Zala fielen Dutzende lokale Busse aus. Einige Züge zum Budapester Westbahnhof beendeten ihre Fahrt wegen eingefrorener Weichen bereits in einem Vorstadtbahnhof.
Auch den Balkan hat der Winter fest im Griff. Im rumänischen Kreis Alba blieben am Dienstag fast 8.000 Haushalte den vierten Tag in Folge ohne Strom. In der ostbosnischen Stadt Gorazde brach die Wasserversorgung zusammen, nachdem der Fluss Drina über seine Ufer getreten war und die Pumpen des örtlichen Wasserwerks überflutet hatte. In Kroatien und in Slowenien sprachen die Behörden Warnungen wegen zu erwartender heftiger Schneefälle aus.

Spanien: Schlecht isolierte Wohnungen
In Spanien, das im Sommer regelmäßig mit Hitzerekorden Schlagzeilen macht, bibbern die Menschen nun in vielen Regionen bei Minusgraden in ihren oft nicht so gut wärmeisolierten Wohnungen. In Madrid und auch in höheren Lagen der Ferieninsel Mallorca gab es Frost und es lag Schnee. Manche Straßen in den Pyrenäen und in anderen Gebirgsregionen des Landes waren nur mit Schneeketten zu befahren.
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In Bulgarien ist es dagegen weiterhin frühlingshaft mild, im Südosten werden Temperaturen bis zu 19 Grad erwartet. Das ist sehr ungewöhnlich für diese Jahreszeit. In manchen Regionen machen starke Winde den Menschen zu schaffen. Meteorologen erwarten einen Schneeeinbruch mit eisiger Kälte am Donnerstag.
dpa/dw