In der deutschen Stadt Münster wurde eines der historischen Wohnhäuser modernisiert und erweitert. Das Anwesen an der Weißenburgstraße wurde zu einem Objekt, in dem Tageslicht, Kontinuität der Form und passive Lösungen eine wichtige Rolle spielen. Das klare Projekt wurde mit einer sparsamen Bautechnik realisiert, die auf natürlicher Belüftung und Wärmespeicherung basiert. Die Form des Daches, das das dominierende Element dieses Projekts ist, strukturiert den Baukörper und organisiert sein Inneres. Das neue Leben des alten Hauses in Münster wurde durch das Büro Andreas Schüring Architekten BDA ermöglicht.
Die Geschichte der Kaserne in Münster
Das Gebäude befindet sich auf dem Gelände einer ehemaligen Kaserne aus dem frühen 20. Jahrhundert, die in den letzten Jahren in eine kleine Wohnsiedlung mit begrenztem Fahrzeugverkehr umgewandelt wurde. Von den ursprünglichen Gebäuden sind nur ausgewählte Häuser und das Kommandanturgebäude erhalten geblieben, die eine klare räumliche Anordnung bilden. Das Haus aus dem Jahr 1913, das an der Weißenburgstraße 24 steht, dient heute als Orientierungspunkt innerhalb der Siedlung.
Neues Leben für ein altes Haus
Die Form des historischen Gebäudes weicht von der typischen militärischen Ästhetik ab. Der Backsteinkorpus wurde mit viel Liebe zum Detail und zu den Proportionen gestaltet, was ihm Leichtigkeit und dekorativen Ausdruck verleiht. Genau diese Besonderheit wurde zur Grundlage für die Architekten und gab die Richtung für ihre Entwürfe vor. Anstatt die bestehende Form zu neutralisieren, wurde ein Dialog mit ihrer Geometrie und ihrem Rhythmus aufgenommen und sie als aktives Element der neuen Komposition des Hauses behandelt.

Der Anbau wurde als fließende Erweiterung des bestehenden Backsteingebäudes entworfen. Daraus entsteht ein neuer Teil, der allmählich in einen hellen Aufsatz im Bereich des Mansardendachs übergeht. Die Neigung des Daches wird reduziert und der historische Gesims verwandelt sich in eine Überdachung. Das Ganze bildet eine einheitliche Formsequenz, in der die alte Struktur ihre Lesbarkeit behält und der neue Teil ihre räumliche Logik weiterentwickelt.
Innenraumgestaltung und Tageslicht
Das Innere des 125 Meter hohen Gebäudes ist einer vertikalen Kommunikationsachse untergeordnet. Das zentral gelegene Treppenhaus verbindet alle Stockwerke und lässt Tageslicht bis in die unterste Etage. Dies wird durch die leichte Stahlkonstruktion der Treppe ermöglicht. Im Dachgeschoss wurde anstelle einer massiven Decke eine offene Lösung verwendet, die die Beleuchtung der unteren Stockwerke verbessert und eine bessere natürliche Luftzirkulation im gesamten Gebäude ermöglicht.
Schutz des Hauses vor Überhitzung
Auf der Gartenseite öffnet sich das Gebäude durch eine große Glasfläche und bietet den Bewohnern direkten Kontakt zur Natur. Gleichzeitig haben die Architekten hier Tricks angewendet, um eine übermäßige Erwärmung der Innenräume zu verhindern. Tiefe Dachüberstände, ein ausgeprägter Gesims und massive Wandabschnitte auf der Südseite sorgen im Sommer für einen wirksamen Schutz ohne zusätzliche Beschattungssysteme.

Neues Leben für ein altes Haus – Technologien
Das Projekt basiert auf low-tech-Prinzipien, die natürliche physikalische Phänomene nutzen. Das offene Treppenhaus und der zentrale Luftraum erzeugen einen Kamineffekt, der eine effektive Belüftung aller Stockwerke ermöglicht. Ohne das steuerbare Dachfenster wäre dieser gesamte Prozess nicht so effektiv. Die Stabilität der Bedingungen im Inneren des Hauses wird durch massive Ziegelwände gewährleistet, die mit einer Luftwärmepumpe und einer mit erneuerbarer Energie betriebenen Fußbodenheizung zusammenarbeiten.
Konstruktion, Materialien und Details
Bei der Umsetzung des Projekts wurde die bestehende Konstruktion des Anbaus weitgehend genutzt und aus Brandschutzgründen durch eine dünne Betonplatte ergänzt. Das Mansardendach wurde hingegen als leichte Hybridkonstruktion aus Stahl und Holz errichtet. Balkengewölbe entlasten die historischen Mauern, und im Inneren des Hauses wurden sichtbare Oberflächen aus Weißtanne belassen. Die Ziegelsteine aus den abgerissenen Wänden wurden recycelt und mit Kalkputz veredelt, was die Dampfdurchlässigkeit und die optische Einheitlichkeit des gesamten Objekts verbesserte.
Entwurf und Materialien: Andreas Schüring ArchitektenBDA
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