In den vergangenen Tagen mussten in den Niederlanden bereits etwa 600 Flüge gestrichen werden. So ging es auch am Mittwoch weiter: Nun wurden 700 Flüge abgesagt. Mehr als 1.000 Menschen hätten die Nacht im Flughafen verbringen müssen, wie der Flughafen Schiphol auf seiner Website mitteilte. Im Airport wurden Feldbetten für die Gestrandeten aufgestellt. Dutzende Passagiere warten bereits seit Tagen auf Weiterreise.

„Unser Winterdienst arbeitet ununterbrochen, um möglichst viele Flüge möglich zu machen“, hieß es. Eine Pause vom Winterwetter mit heftigen Windböen war noch nicht in Sicht: „Bisher wurden mehr als 700 Flüge gestrichen, und wir gehen davon aus, dass die Zahl noch steigen wird“, so der Flughafen.

Enteisungsmittel knapp

Schon am Dienstag warnte die Fluggesellschaft KLM, dass die Flüssigkeit, mit der Flugzeuge enteist werden, knapp werde. Der Lieferant aus Deutschland könne wegen des Wintereinbruchs das Mittel des Schweizer Herstellers Clariant nicht liefern. Mitarbeiter der Airline würden nun den Entfroster persönlich abholen.

„Wir arbeiten rund um die Uhr, um unsere Kunden und Partner zu unterstützen“, erklärte ein Sprecher von Clariant. „Wir stimmen unsere Maßnahmen auf die betrieblichen Prioritäten unserer Kunden ab, um Störungen im Flugverkehr während des strengen Winterwetters zu minimieren.“

Feldbetten für Passagiere am Flughafen Schipol

IMAGO/Michel van Bergen

In Schiphol wurden Feldbetten für die Gestrandeten aufgestellt

Auch der Bahnverkehr in den Niederlanden ist durch den Schnee teilweise lahmgelegt. Die Bahngesellschaft NS empfahl Reisenden, nicht dringend notwendige Reisen zu verschieben. Chaos herrschte auch auf den Straßen. In der Früh gab es über 700 Kilometer Stau quer durchs Land.

Frankreich versinkt im Schnee

Ähnlich war die Lage in Frankreich. Bei wetterbedingten Verkehrsunfällen kamen in den vergangenen Tagen fünf Menschen ums Leben. Die Temperaturen erreichten hier zuletzt Tiefstwerte von bis zu minus 22 Grad im ostfranzösischen Mouthe.

Am Mittwoch herrschte in 38 von 101 Departements die zweithöchste Warnstufe. Nach Angaben des Wetterdienstes fielen im Norden und Westen des Landes zwischen drei und sieben Zentimeter Schnee, in den nordfranzösischen Ardennen waren es bis zu 15 Zentimeter. Am Dienstag waren im westfranzösischen Departement Charente-Maritime an einzelnen Orten bis zu 30 Zentimeter Schnee gefallen – für diese Region außergewöhnlich viel.

Stauchaos auch in Paris

Die Folgen spürte man auch weiterhin im Verkehr. Auf den Pariser Flughäfen Roissy-Charles de Gaulle (CDG) und Orly fielen erneut etwa 140 Flüge aus.

In Paris fuhren am Vormittag keine Busse. Bei Straßenbahnen, der Metro und den RER-Zügen gab es Störungen. In mehreren Gegenden fielen zudem die Schulbusse aus, und im Großraum Paris, im Westen und im Südwesten Frankreichs wurde ein Fahrverbot für Lastwagen verhängt.

Schnee in Frankreich: Flug- und Zugsausfälle

Starker Schneefall hat den Straßen- und Flugverkehr in Frankreich schwer beeinträchtigt. Auf den Pariser Flughäfen Roissy-Charles de Gaulle (CDG) und Orly fielen erneut Dutzende Flüge aus. Bei Zügen, Straßenbahnen und der Metro gab es Störungen.

Im Berufsverkehr bildeten sich insgesamt 600 Kilometer Stau im Großraum Paris, landesweit belief sich der Stau zusammengerechnet auf 1.650 Kilometer, wie die Zeitung „Le Parisien“ und der Sender BFMTV berichteten.

Snowboarder in Paris auf dem Hügel vor der Sacre-Coeur-Basilika

APA/AFP/Anne-Christine Poujoulat

Kein alltäglicher Anblick: Wintersport auf dem Montmartre

Die Nahverkehrsgesellschaft RATP rief dazu auf, wenn möglich im Homeoffice zu bleiben. Auch Verkehrsminister Philippe Tabarot appellierte an die Menschen im Großraum Paris, ihre Fahrten zu verschieben. Wer keine dringenden Wege erledigen musste, konnte sich über die seltenen Schneemengen in Paris freuen. So ⁠nutzten manche die Gelegenheit, auf den Hängen des Montmartre und entlang der Champs de Mars am Fuße des Eiffelturms Ski zu fahren.

Eurostar-Züge gestrichen

Auch in Belgien gab es Beeinträchtigungen im Flug- und Bahnverkehr. Im Flughafen Brüssel-Zaventem wurden nach Angaben der Betreiberfirma Brussels Airport am Mittwoch 40 Flüge gestrichen. Alle Züge in Richtung Niederlande fuhren nur bis zur Grenze.

Unter einer dicken Schneedecke versanken auch der Norden und Nordosten Großbritanniens. In Schottland blieben den dritten Tag in Folge Hunderte Schulen geschlossen. Auch mehrere Eurostar-Züge zwischen dem Londoner Bahnhof St. Pancras und Amsterdam, Rotterdam sowie Paris wurden gestrichen.

Risiko für Obdachlose

In Schweden sorgte heftiger Schneefall vor allem in Göteborg für Verkehrsprobleme: In der zweitgrößten Stadt Schwedens fuhren keine Straßenbahnen. In Dänemark wurden in Jütland im Norden des Landes bis zu 15 Zentimeter Schnee erwartet. Die Polizei rief die Menschen zur Vorsicht auf.

In Tschechien sank mancherorts die Temperatur in den zweistelligen Minusbereich. In Brno wurde ein obdachloser Mann tot aufgefunden, der wahrscheinlich an Unterkühlung gestorben war. Auch im Osten der Slowakei waren zahlreiche Straßen blockiert. In Kosice, der zweitgrößten Stadt des Landes, konnten die öffentlichen Verkehrsmittel mehrere Haltestellen in hügeligen Stadtteilen nicht anfahren. Auch die Müllabfuhr konnte Teile der Großstadt nicht erreichen.

Im Schnee feststeckende Fahrzeuge in Sebourg in Nordfrankreich

APA/AFP/Francois Presti

In Nordfrankreich blieben viele Autos aufgrund des Schneeaufkommens stecken

Reisende saßen über Nacht im Zug fest

In Ungarn fielen zahlreiche lokale Züge im Großraum Budapest und in einigen anderen Regionen aus. Ungeräumte Straßen führten fast im ganzen Land zu Verkehrsbehinderungen. Im Flughafen Budapest kam es vor allem wegen Verzögerungen bei der Enteisung der Flugzeuge zu zahlreichen Verspätungen.

Starke Schneefälle und orkanartige Stürme unterbrachen in Kroatien die Verkehrsverbindungen zwischen dem Binnenland und der dalmatinischen Küste. Dutzende Reisende saßen in der Nacht auf Mittwoch im Schnellzug von Zagreb nach Split fest, weil die Lokomotive im Bahnhof Knin im gebirgigen dalmatinischen Hinterland nicht mehr weiterfahren konnte. Zugleich sperrten die Behörden die Autobahn, die die Hauptstadt Zagreb und die Adria-Metropole Split verbindet.

Sturmtief „Elli“ im Anflug

Das Winterwetter hat auch Deutschland weiterhin im Griff. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) bestand bei Temperaturen bis zu minus 15 Grad weiterhin Glättegefahr, teilweise könne es auch zu Schneeverwehungen kommen. Es gab im Lauf der vergangenen Tage zahlreiche Autounfälle infolge der Glätte. In Hamburg hob die Verkehrsbehörde angesichts der heftigsten Schneefälle seit 15 Jahren das Verbot von Streusalz auf Gehwegen zeitweise auf.

Straße durch zugefrorenen Wald im Taunus bei Frankfurt am Main

AP/Michael Probst

Deutschland erwartet weiteren Neuschnee, so wie hier im Taunus

Ab Donnerstag dürfte es im Fernverkehr verstärkt zu Verspätungen und Zugsausfällen kommen. Die Deutsche Bahn hob daher die Zugsbindung für Reisende auf.

Entwarnung war vorerst nicht in Sicht. Der Deutsche Wetterdienst warnte am Mittwoch vor einem neuen Sturmtief, das in der Nacht auf Freitag auf direktem Weg nach Mitteleuropa zieht und Schnee und Glatteis mit sich bringt. „Sturmtief Elli übernimmt die Regie in einem echten Wetterkrimi“, hieß es. Regional könnte „Elli“ für bis zu zwanzig Zentimeter Neuschnee sorgen.