Im Jahr 2022 war erstmals über den Neubau der Fußgängerbrücke in Höhe des Kaarster Sees beraten worden. Die Kosten wurden damals auf 300.000 Euro geschätzt. Im jüngsten Finanzausschuss sollte die Politik nun beschließen, in den Haushalt 2026 Planungskosten in Höhe von 50.000 Euro einzustellen. Zwar lehnten die Ausschussmitglieder den Vorschlag nicht direkt ab, sondern verschoben ihn in den zuständigen Fachausschuss. Der Tenor aber war deutlich: Einen Neubau kann sich die Stadt aufgrund der aktuellen finanziellen Situation nicht leisten.
Die Brücke hatte bei einer Prüfung des Kreises so schlecht abgeschnitten (Zustandsnote 3,3), dass ein Neubau unumgänglich ist. Bemängelt wurde von den Kreis-Brückenprüfern „Schädigungen der Längsträger und Betonabplatzungen sowie Abplatzungen mit stark korrodierter Bewehrung“. Laut Gutachten ist die Verkehrssicherheit der Brücke nicht mehr gegeben. Durch die Schäden sei eine Instandsetzung unwirtschaftlich. Ein barrierefreier Neubau ist einige Meter östlich der Bestandsbrücke geplant. Zwar wurde im Jahr 2022 Mittel in Höhe von 300.000 Euro in das Investitionsprogramm übernommen, aus personellen Gründen und die Verschiebung von Prioritäten sei das Projekt verwaltungsseitig aber nicht weiter verfolgt worden – bis jetzt. In der aktuellen Vorlage beträgt die Kostenschätzung nun 420.000 Euro, die Planung soll in den Jahren 2026 bis 2027 erfolgen, der Neubau 2028 und 2029 umgesetzt werden.
„Wir sind erschrocken über die Höhe der Kosten und würden vorschlagen, das in den Bau- und Planungsausschuss zu verweisen. Dort soll dann beraten werden, ob die Maßnahme überhaupt notwendig ist“, erklärte Dominik Broda (Bündnis 90/Die Grünen). „Wir haben in Kaarst offenbar ziemlich teure Brücken“, ergänzte Dirk Salewski (FDP) und sprach damit indirekt die Erneuerung der Stadtparkbrücke an, die rund 240.000 Euro kostete. Der Technische Beigeordnete Harald Droste erklärte, dass die Brücke „relativ gut frequentiert“ sei und nicht versetzt werden soll. „Dann würde die Gefahr bestehen, direkt vom Kaarster See aus über die Brücke zu fahren“, erklärte er. Christof Rausch (AfD) habe dort noch nie jemanden gesehen. „Dafür so viel Geld auszugeben, ist haushalterisch einfach Wahnsinn“, so Rausch. „Über die Notwendigkeit können wir uns gerne noch einmal unterhalten“, schloss Droste das Thema vorerst bis zum nächsten Bau- und Planungsausschuss.