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Ukrainische Drohnen töteten im Dezember mehr Soldaten als Putin rekrutierte. Syrsky wertet dies als Zäsur. Kann die Ukraine Russland bald besiegen?

Kyjiw – Erstmals haben die ukrainischen Drohnenstreitkräfte innerhalb eines Monats mehr russische Soldaten getötet oder schwer verwundet, als der Kreml rekrutieren konnte. Heißt es zumindest aus Kiew. Armeekommandeur General Oleksandr Syrsky wertet den Dezember 2025 als Zäsur im Ukraine-Krieg. Ihm zufolge haben die Truppen von Präsident Wladimir Putin erstmals mehr Verluste erlitten, als Moskau im selben Zeitraum Rekruten mobilisieren konnte. Ermöglicht wurde dies durch einen massiven Einsatz unbemannter Systeme, die mittlerweile das Rückgrat der ukrainischen Verteidigungsstrategie bilden. Ist damit ein Wendepunkt in Sicht?

Russlands Präsident Wladimir Putin sieht sich mit einer neuen Realität konfrontiert, da ukrainische Drohnen im Dezember 2025 erstmals mehr seiner Soldaten töteten oder verwundeten, als der Kreml rekrutieren konnte.Russlands Präsident Wladimir Putin sieht sich mit einer neuen Realität konfrontiert, da ukrainische Drohnen im Dezember 2025 erstmals mehr seiner Soldaten töteten oder verwundeten, als der Kreml rekrutieren konnte. © IMAGO/Kremlin Pool

„Der vergangene Dezember war der erste Monat, in dem die Unmanned Systems Forces (USF) der Streitkräfte der Ukraine etwa so viele Soldaten der Besatzungsarmee neutralisiert haben, wie Russland innerhalb eines Monats einberufen hat“, so der ukrainische Armeekommandeur am Dienstag (6. Januar). Insgesamt habe Russland mehr als 33.000 Soldaten verloren. „Diese Zahl umfasst nur bestätigte Videoaufnahmen. Die tatsächlichen Verluste der Besatzer sind höher“, fügte der General hinzu.

Brovdi überzeugt von Sieg durch Drohnen: Gleichgewicht zwischen Verlusten und Rekrutierung

Major Robert Brovdi, Kommandeur der ukrainischen Unmanned System Forces (USF), bestätigte die Rekordzahl russischer Opfer in einem am Montag (5. Dezember) veröffentlichten Einsatzbericht. Exakt 33.019 russische Soldaten seien im Dezember von FPV-Kamikaze-Drohnen oder von Bomberdrohnen abgeworfener Munition getroffen worden, verglichen mit 26.170 im November.

Die Drohnenoperationen im Dezember gehörten laut Brodi zu den intensivsten des gesamten Krieges. Mehr als 339.000 einzelne Flugmissionen seien von USF-Flugdrohnen durchgeführt worden, dazu kämen 2100 Missionen von Bodendrohnen. Damit habe sich die Erfolgsquote der USF-Streitkräfte seit November nahezu verdoppelt – ein Anstieg um 42 Prozent. Für Januar erwarte er einen weiteren Zuwachs.

Schatten aus Stahl an der Front: Panzer gestern, heute und morgenEin US-Kampfpanzer M1 Abrams fährt während eines Trainingstages bei der Übung Africa Lion 2012 einen Feldweg hinunter. (Archivbild)Fotostrecke ansehenViertel bis Hälfte der Verluste im Ukraine-Krieg durch Drohnenangriffe: Aufklärungsdrohnen leiten Artillerie

Brovdi vertritt die Überzeugung, dass die Ukraine Russland besiegen könne, wenn ihre Drohnenstreitkräfte russische Soldaten schneller töten oder verwunden, als der Kreml sie rekrutieren kann. „Das ist wichtig! Die Drohnen der ukrainischen Verteidigungskräfte haben zum ersten Mal aus eigener Kraft ein Gleichgewicht zwischen Guthaben und Soll erreicht: Es sind genau 33-35.000 Infanteristen, die die monatliche Truppe des Besatzungslandes ausmachen“, erklärte er laut der Kyiv Post gegenüber ukrainischen Soldaten. Im gleichen Atemzug habe er die Einheiten der USF aufgefordert, den Januar für die russischen Streitkräfte „noch höllischer“ zu gestalten.

Aussagen von Syrsky und Brovdi zu den Rekrutierungs- und Ersatzzahlen Russlands stimmen mit unabhängigen und öffentlich zugänglichen Schätzungen der Gesamtzahl der Männer überein, die jeden Monat in die Reihen der russischen Armee eintreten, liegen jedoch unter einigen Angaben des Kremls. Das gilt auch für die Verluste. Moskau hat wiederholt angedeutet, dass ukrainische und internationale Schätzungen übertrieben seien. Eine am 19. Dezember von der unabhängigen Gruppe Mediazona veröffentlichte Analyse, ergab jedoch, dass die bestätigten Berichte über getötete russische Soldaten im Jahr 2025 gegenüber 2024 um 40 % gestiegen sind. Sie belaufen sich demnach auf 156.000 im Einsatz oder im Krankenhaus Verstorbene.

Drohnenmangel wird zum Problem: Piloten teils 80 Prozent untätig wegen fehlender Fluggeräte

Die meisten Schätzungen der ukrainischen Armee gehen davon aus, dass zwischen einem Viertel und der Hälfte der russischen Personalverluste und Ausrüstungsverluste direkt durch Drohnenangriffe verursacht werden, wobei ein erheblicher zusätzlicher Prozentsatz der Verluste mithilfe von Aufklärungsdrohnen verursacht wird, die eingesetzt werden, um Artillerie-, Luft- oder Raketenangriffe auf russische Streitkräfte zu veranlassen.

Ihren Nachteil bei traditioneller Feuerkraft kann die Ukraine damit zum Teil durch unbemannte Systeme ausgleichen. Allerdings mehren sich inzwischen Warnungen vor Drohnenmangel. „Es gibt Pilotengruppen, die 80 Prozent der Zeit untätig sind, weil sie nicht genügend Drohnen haben“, erklärte Dimko Zhluktenko vom 413. Separaten Bataillon für unbemannte Systeme gegenüber The National Interest. Verteidigungsminister Denys Shmyhal kündigte an, dass die ukrainischen Streitkräfte bis Ende 2025 voraussichtlich 3 Millionen FPV-Drohnen erhalten werden. (Quellen: Kyiv Post, Mediazona, The National Interest, USF) (tpn)