Renovierung in London: Einem einst gesichtslosen Apartment in London haben Dimorestudio ein kinoreifes Interieur verpasst.

Eaton Square ist eine jener Londoner Adressen, die jeder kennt; seine weißen Stuckfassaden sind mit Geschichte (und Geschichten) gesättigt. Der Politiker Neville Cham­berlain lebte in den 1920er- und 1930er-Jahren in Haus ­Nummer 37, bevor er Premierminister wurde; der Kom­ponist Andrew Lloyd Webber wohnte hier in jüngerer Zeit – und James Bond ist der berühmteste fiktive Be­wohner. Durch die georgianischen Türen dieses eleganten garden square in Belgravia sind schon so manche Reiche, Berühmte und Mächtige geschritten.

Ein italienisches Makeover von Dimorestudio

An einem blassgrauen Londoner Morgen herrscht auf dem Platz eine Stille, wie man sie eigentlich nur aus der Covid-Ära kennt: wenige Autos, kaum Menschen, nur eine ältere Dame, die aus einem Portikus tritt und in einen leise schnurrenden Rolls-Royce steigt. In einem Apart­ment im ersten Stock sitzen Britt Moran und Emiliano Salci vom italienischen Designbüro Dimore­studio auf einem auberginefarbenen Samtsofa. Um sie herum chinesisches Porzellan, Murano-Leuchten, golden schimmernde Kissen, opulente Vorhänge und riesige Vasen voller Blumen. Es fühlt sich an, als wäre man von James Bonds Swinging London in die Salons von Federico Fellini geraten, mit einem Umweg über die Ming-Dynastie und das Italien der Zwischenkriegszeit. Nichts hier wirkt britisch, mit Ausnahme der Gesimse und einer Fromental-Tapete. „Die Wohnung war very real estate“, sagt Moran. „Eine schlichte Box mit sehr traditionellen Architektur­elementen.“ Da das Duo sein Design nach eigenen An­ga­ben „nie speziell auf ein bestimmtes Land abstimmt“, stütz­ten sie sich auf ihr handverlesenes Team von Hand­­werkern in Italien, um das Apartment nach ihren Vor­stellungen zu transformieren. Fast zehn Jahre dauerte die Renovierung – teils war das der Pandemie geschuldet, teils den strengen Planungsvorschriften seitens des Gros­venor Estate, dem der Eaton Square größtenteils gehört.

Britt Moran und Emiliano Salci

Gegensätze ziehen sich an: Die klassische Eleganz von Britt Moran gepaart mit dem ausgefallenen Stil von Emiliano Salci kreiert einen ausbalancierten Kontrast, der sich auch in ihren Projekten widerspiegelt.

Miguel Flores-ViannaTravertinplatte mit antikem chinesischen Porzellan

Ein Detail seiner Travertinplatte mit antikem chinesischen Porzellan.

Miguel Flores-ViannaLoungeEcke des Esszimmers Paravent und Schrank von Dimoremilano

Neben viel italienischem Vintage-Design setzten Moran und Salci einige Stücke ihrer eigenen Marke Dimore­milano ein, unter anderem den durchbrochenen Paravent und den Schrank in der Lounge-Ecke des Esszimmers.

Miguel Flores-ViannaKleiner Funke mit großer Wirkung

Begonnen hatte das Projekt allerdings weder in Italien noch in England. Der Bauherr war vielmehr im Internet auf Di­mo­restudio gestoßen. „Die Zusam­menarbeit hat sich eher zufällig ergeben“, erinnert sich Moran, „weil sie sich für eine Leuchte interessierten, die sie online gesehen hatten. Aus diesem kleinen Funken entwickelte sich dann schnell das komplette Projekt.“ Heute geben viele außergewöhnliche Stücke der 400 Quadratmeter großen Fläche Charakter, nicht zuletzt spek­takuläre Vintage-Leuchten: Auffälliges Herzstück ist eine vielfarbige, fast monströse Lüster-Landschaft von Venini im Ess­zimmer; florale Glas-Kaskaden von Barovier & Toso lockern den Eingangsbereich auf; es gibt einen Satz von fünf Leuchten von Pietro Chiesa zu entdecken oder eine Fontana-Arte-Kreation aus rosafarbenem und verspiegeltem Glas aus dem Jahr 1955. „Viele Stücke sind selten und wertvoll und wurden mit Bedacht so über die Wohnung verteilt, dass im Interior immer wieder raffinierte, kuratierte Momente der Schönheit aufblitzen“, sagt Moran.