Aufgrund einer Lappalie, einer Schiedsrichter-Entscheidung nach einem harten Zweikampf zwischen zwei Spielern von Türkiyemspor und dem Polizei SV, brach auf der Tribüne plötzlich Streit aus. Der Konflikt wurde mit Schubsereien und Handgemengen ausgetragen. Die Unruhe schwappte auf Spielfeld über, wo sich Angehörige beider Teams plötzlich ebenfalls lautstark die Meinung geigten. Die Sicherheitskräfte brauchten einige Momente, bis sie die Rudelbildungen entschieden angingen.
Doch erst danach geriet das Sportliche so richtig in den Hintergrund. Die Mannschaften gingen in die Kabinen, dort wurde sich weitergezofft. Das größte Problem war: Als die Teams längere Zeit im Kabinentrakt ausharrten, fehlte ein Plan. Zwar griff das Stopp-Konzept, das besagt, dass sich jede streitende Partei erst mal in einem ruhigen Rückzugsraum abkühlen soll. Doch einen klaren Regelablauf, wie es weitergeht, gab es nicht. So versank die Endrunde kurzzeitig in Anarchie. Und so war es auch möglich, dass die Vereine sich gegenseitig hochschaukelten und plötzlich selbstständig neue Regeln forderten, nach dem Motto, „Wir machen nur weiter mit, wenn xy ausgeschlossen wird“. Das ist nicht angemessen und hätte verhindert werden können, hätten sich Turnierleitung und Mannschaftsvertreter früher zur Besprechung getroffen.
Komplizierte Ausgangslage
Dass es nach Ende der Krisensitzung mit fast allen (nur Wickrathhahn zog sich zurück) Teams weiterging, hatte zumindest einen faden Beigeschmack. Mit über einer Stunde war das Turnier viel zu lange unterbrochen, die Luft war jedenfalls raus. Und dass die beiden Streithähne Türkiyemspor und Polizei SV ohne Sanktionen weiterspielen durften, stieß bei einigen Zuschauern nicht auf Gegenliebe. Sie hätten sich einen konsequenten Ausschluss beider Vereine gewünscht. So wurde es ein angespannter Abend mit einer hohen Körperlichkeit und Hitzigkeit auf dem Platz sowie aufgebrachten Fans mit einer sehr kurzen Zündschnur. Die Wohlfühlatmosphäre eines Sportfestes war jedenfalls weg, schade für dieses traditionsreiche Turnier.
Womöglich wäre ein Ausschluss der Teams eine naheliegende Lösung gewesen, die aber doch überstürzt gewesen wäre. Sie hätte die Lage wohl weiter eskaliert und hätte zunehmend frustrierte Anhänger auf den Tribünen und Spieler auf dem Platz hervorgebracht. Außerdem sieht das Regelwerk einen Ad-Hoc-Ausschluss nicht vor. Die Turnierorganisatoren wählten den Weg der Deeskalation und wollten Türkiyemspor und Polizei SV nicht für das Verhalten einiger undisziplinierter Zuschauer bestrafen. Dabei hätte man die Spieler aber schon vorher von der Tribüne weghalten müssen. Denn auch einige Akteure im Trikot ließen sich auf Scharmützel mit den Fans und gegnerischen Spielern ein. Zum Glück blieben Faustschläge und Verletzungen wohl aus. Doch sollte so mancher mal etwas mehr auf seine Impulskontrolle achten, denn sämtliche körperliche Entgleisungen haben im Fußball nichts zu suchen.
Verfahren gegen beide Teams eingeleitet
Der Kreisfußballausschuss hat mittlerweile ein Verfahren vor dem Kreissportgericht gegen Türkiyemspor und Polizei SV eingeleitet, wie Fußballkreis-Vorsitzender Tim Stettner bestätigt. Es geht dabei um das Fehlverhalten der Zuschauer, womöglich auch einiger Spieler. Die Vereine werden nun angehört. „Wenn bei der Ermittlung herauskommt, dass sich einzelne Spieler oder Personen falsch verhalten haben, könnte es weitere Verfahren geben“, sagt Stettner. Etwa eine Geldstrafe könnte jetzt auf die Vereine zukommen.
Doch auch das Regelwerk beim Turnier müsste eventuell nachgeschärft werden, um bei einem Tumult reagieren zu können und womöglich eine präventive Wirkung zu erzielen. Denn der Samstag zeigte eine gewisse Ratlosigkeit im Umgang mit den Unruhen.
Die Probleme kennt man freilich auch anderswo. In Velbert flogen im vergangenen Jahr nach einem Hallenstadtmeisterschaftsduell zwischen dem SSVg und dem SC Velbert direkt auf dem Platz die Fäuste – sicher noch mal eine ganz andere Eskalationsstufe als am Samstag in der Jahnhalle, so viel steht fest. Doch die Turnierleiter zeigten damals klare Kante und schlossen beide Vereine vom Turnier aus. In diesem Jahr wurde das Velberter Sicherheitskonzept nachgeschärft. Es wurden empfindliche Strafen bei Fehlverhalten in Aussicht gestellt, eine umfassende Video-Überwachung aufgebaut und der Eintritt noch mal erhöht – die Abschreckung zeigte Wirkung und es blieb beim Turnier ruhig, wie Turnier-Organisator Fares Platte bestätigt, der auch betont: „Das war von den Vereinen so gewollt, wir haben sie mit in die Planungen einbezogen.“
Klarere Regeln müssen her
Sicher wären harte Kollektivstrafen, wie etwa einzelnen Vereine bei der nächsten Gladbacher Stadtmeisterschaft auszuschließen, überzogen. Dafür ist beileibe auch zu wenig passiert. Doch die Turnierorganisation sollte klare Grenzen ziehen und transparente Regeln für Geschehnisse dieser Art aufzeigen. Die Zuschauer müssen merken: Wenn ich mich daneben benehme, schade ich meinem Verein. Am Samstag klappte das nicht. Denn auch wenn hinterher noch gekickt wurde: Es war kein schöner Abend in familiärer Atmosphäre mehr und viele langjährige Hallenstadtmeisterschafts-Besucher äußerten: „So etwas habe ich noch nie erlebt.“
Positiv: Der Stadtsportbund (SSB) will an einer Lösung arbeiten, er teilte in einer ersten Stellungnahme mit: „Der Stadtsportbund Mönchengladbach als Veranstalter toleriert ein solches unsportliches Verhalten nicht – weder auf dem Spielfeld noch auf den Zuschauerrängen. Sehr zeitnah wird sich der SSB daher mit Vertretern des Fußballkreises und der Leitung des eingesetzten Sicherheitsdienstes zusammensetzen, um die Vorkommnisse von Samstag aufzuarbeiten.“ Das Risiko von Unruhen solle zukünftig minimiert werden. „Ziel des Stadtsportbundes sind Hallenfußball-Stadtmeisterschaften im Sinne sportlichen Fair Plays, die bei aller Rivalität Aktiven und Zuschauern vor allem Spaß machen“, so der SSB.
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