1. Startseite
  2. Politik

DruckenTeilen

Massive US-Logistikflüge nach Europa wecken Erinnerungen an frühere Militärschläge. Analysten spekulieren über ein mögliches Ziel.

Washington, D. C. – Nach dem überraschenden US-Angriff auf Venezuela sind alle Augen auf die nächsten Schritte der USA gerichtet. US-Präsident Donald Trump deutete zuletzt weitere militärische Ambitionen der USA an. In den Blick gerieten Kolumbien, Kuba und Grönland. OSINT-Analysten stellten nun ungewöhnlich intensive Bewegungen von US-Flugzeugen in Europa fest und stellten Vermutungen für ein mögliches Ziel an. Dabei berufen sich die „Open Source Intelligence“-Spezialisten (OSINT) auf die Informationen aus offenen Quellen.

Flugzeuge der US-Air Force, darunter das Aufklärungsflugzeug USN P-8 Poseidon, auf einem US-Luftwaffenstützpunkt in Japan (Archivbild). Flugzeuge der US Air Force, darunter das Aufklärungsflugzeug USN P-8 Poseidon, auf einem US-Luftwaffenstützpunkt in Japan (Archivbild). © IMAGO/U.S. Air Force / ZUMA Press Wire

Wie Daten von Flightradar zeigen, seien mehrere schwere strategische US-Transportflugzeuge des Typs C-17A Globemaster III sowie KC-135 Luftbetankungsflugzeuge auf transatlantischen Flügen von den USA zu verschiedenen Luftwaffenstützpunkten in Europa aufgebrochen, berichtet etwa der OSINT-Kanal Visioner auf der Plattform X. Das Fachportal UK Defence Journal bestätigt die Aktivität und sieht in dem Verlegungsmuster mögliche Anhaltspunkte für das Ziel der Mission.

US-Luftwaffenaktivität nach Europa: Ähnliche Aktivitäten im Vorfeld der US-Angriffe auf den Iran

Verlegt wurden die Flugzeuge demnach auf den Stützpunkt RAF Fairford im Vereinigten Königreich. Laut Angaben der US Air Force ist dies der einzige europäische Flugplatz, der für schwere Bomber der US-Luftwaffe ausgelegt ist. Er gilt laut UK Defence Journal daher als „wichtige strategische Luftbrücke der USA nach Europa“. Die jüngsten Bewegungen geben demnach einen möglichen Hinweis auf die Hintergründe: „Ähnliche Zunahmen der C-17-Aktivitäten auf dem Stützpunkt wurden im Vorfeld der US-Angriffe auf iranische Atomanlagen im Juni 2025 beobachtet.“, so das UK Defence Journal.

Auch Visioner stellt einen möglichen Zusammenhang zum Iran her. „Dieses Mal fällt neben dem Ausmaß der Bewegung besonders ins Gewicht, dass die Flüge von der Basis des Special Operations Aviation Regiment ausgingen – was die Frage aufwirft: Nähert sich die Zeit von Ali Chamenei dem Ende?“, fragt der OSINT-Kanal mit Blick auf den Obersten Führer im Iran. Bemerkenswert sei eben, „dass eines der C-17A-Flugzeuge von Fort Campbell im Bundesstaat Kentucky startete, wo das 160th Special Operations Aviation Regiment (SOAR) – die sogenannten ‚Night Stalkers‘ – stationiert ist“. Diese Einheit sei unmittelbar nach der gescheiterten US-Rettungsoperation im Iran im Jahr 1980 aufgestellt worden.

C-17-Schwerlastflugzeuge: US-Militär bereitet Einsatz gegen Venezuela logistisch vor

Die Spezialeinheit SOAR sei „auf Missionen der Delta Force spezialisiert und hat höchstwahrscheinlich an der Operation teilgenommen, die zur Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro führte“, so die Vermutung des Analysten weiter. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig verifizieren, Details zur US-Operation in Venezuela sind weitgehend unbekannt. Nur so viel: Laut US-General John Caine waren an der Militäraktion 150 Flugzeuge ‍und Helikopter beteiligt, sowie Soldaten, Spezialkräfte und Geheimdienstagenten.

Die New York Times hatte zuletzt Flugverfolgungsdaten ausgewertet und konnte bestätigen, dass C-17-Schwerlastflugzeuge – die üblicherweise für den Transport von Truppen und militärischer Ausrüstung genutzt werden – vor den US-Angriffen auf Venezuela innerhalb von nur einer Woche mindestens 16 Flüge nach Puerto Rico durchführten. Zudem waren zuvor unter anderem 15.000 Soldaten sowie eine vollständige Flugzeugträger-Schlagtruppe, darunter die USS Gerald R. Ford, in die Karibik verlegt worden.

USA greifen Venezuela an: Bilder zeigen Zerstörung und Maduro in GefangenschaftDas Feuer im Fuerte Tiuna, Venezuelas größtem Militärkomplex, ist nach einer Reihe von Explosionen in Caracas am 3. Januar 2026 aus der Ferne zu sehen.Fotostrecke ansehenNato-Übung oder Bella 1? Theorien über die Bewegungen der US-Luftwaffe

Eine andere Erklärung für die US-Luftwaffenaktivitäten in Europa brachte der Analyst von Defence Geek ins Gespräch. „Die nächtlichen US-Luftbewegungen nach Großbritannien, die für einiges Aufsehen gesorgt haben, könnten Vorbereitungen zur Sicherstellung des flüchtigen Tankers BELLA 1 / MARINERA sein“, so die Analyse vom Sonntag (4. Januar). Damit bezog sich der Experte auf einen flüchtenden Öl-Tanker auf dem Weg vom Iran nach Venezuela. Die USA hatten das Schiff Ende vergangenen Jahres rund zwei Wochen lang verfolgt und erklärt, es sei nach internationalem Recht staatenlos.

Kurz darauf benannte sich der Tanker einem Bericht der New York Times zufolge plötzlich in „Marinera“ um und hat laut Datenbank nun das russische Sotschi als seinen Heimathafen gelistet. Die Crew malte eine russische Flagge an die Bordwand. Nach internationalem Recht stehen Schiffe, die die Flagge eines Landes führen, unter dem Schutz dieses Staates. Die Aufklärungsflugzeuge USN P-8 „scheinen das Schiff im Blick zu behalten, während Ausrüstung der 160th SOAR eintrifft“, erklärte Defence Geek zu den Entwicklungen im Atlantik.

Die einfachste Erklärung wäre indes, dass die Flugbewegungen eine Vorbereitung auf oder Teil einer Nato-Übung sind. „Steadfast Dart“ etwa ist nach Angaben der Verteidigungsallianz vom 2. Januar 2026 bis 18. März über der Ostsee angesetzt. „Ich weiß, dass einige vermuten, es könnte sich um Bewegungen im Rahmen einer bevorstehenden Übung handeln, aber das ergibt im Kontext trotzdem nicht wirklich Sinn“, kommentierte der Analyst von Defence Geek das in einem Update. (Quellen: X, Verfassungsschutz, Nato, New York Times) (bme)