Der Spielplatz, auf dem das Grauen seinen Anfang nimmt, liegt im Essener Ostviertel. Dort, im Schatten des Rathauses, ist es am hellichten Tag des 3. November zu einer folgenschweren Auseinandersetzung gekommen. Eine Gruppe Jugendlicher soll sich an jenem Montag gegen 13 Uhr mit einem damals 80-Jährigen zunächst einen verbalen Streit geliefert haben. Dann soll der Rentner geschlagen worden sein. Der Mann fiel zu Boden.

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Ende des Jahres erlag der Senior seinen schweren Verletzungen im Krankenhaus. Die Ermittlungen in dem Fall wurden erst kürzlich aufgenommen. Seit Mittwochmorgen (7.1.) werden öffentlich Zeugen für die Tat gesucht, die sich vor mehr als zwei Monaten auf dem Spielplatz zwischen der Frida-Levy-Gesamtschule und der Münsterschule ereignet haben soll.

Polizei Essen ermittelt wegen Körperverletzung mit Todesfolge

Laut dem jetzt veröffentlichten Zeugenaufruf der Polizei hatte nach der Auseinandersetzung ein Zeuge den Notruf gewählt. Ein Rettungswagen habe den damals 80-jährigen Mann mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht. „Einige Wochen später verstarb der Mann an den Folgen der Körperverletzung“, heißt es aus dem Polizeipräsidium. „Erst durch das dann eingeleitete Todesermittlungsverfahren erfuhr die Polizei von der Körperverletzung am 3. November.“ Unter der Leitung der Staatsanwaltschaft ermittelt die Behörde jetzt wegen Körperverletzung mit Todesfolge.

Auf Nachfrage bei der Polizei heißt es von Behördensprecher Hendrik Heyer, dass der Rentner Ende des Jahres mit 81 Jahren in der Klinik gestorben sei. Heyer beteuert, dass die Polizei erst seitdem Kenntnis über den Fall habe. Einsatzkräfte der Polizei seien am 3. November vergangenen Jahres nicht an dem Spielplatz im Einsatz gewesen, als das damals 80-jährige Prügelopfer ins Krankenhaus gebracht wurde. Die Polizei war demnach nicht alarmiert worden.

Polizei: Angehörige haben keine Anzeige gestellt

Woher stammen dann die Informationen über den eskalierten Streit zwischen dem Senior und den Jugendlichen, die in dem jetzt veröffentlichten Zeugenaufruf stehen? „Es gibt erste Anhaltspunkte“, sagt Polizeisprecher Hendrik Heyer. Demnach habe sich der mittlerweile verstorbene Rentner in der Klinik zwischenzeitlich äußern können. Gegenüber Angehörigen und Klinikpersonal habe er von der Auseinandersetzung mit Jugendlichen im Ostviertel berichtet. Eine Anzeige habe aber niemand gestellt.

Den Ermittlern sei es zudem gelungen, den Mann zu sprechen, der damals den Notruf 112 gewählt hatte. So habe das immer noch unvollständige Bild des Geschehens begonnen, sich zusammenzusetzen. Die Polizei hofft nun auf Zeugen, die dabei helfen, es zu vervollständigen.

Warum wurde die Polizei Essen nicht über die Auseinandersetzung informiert?

Wie kann es aber sein, dass die Polizei erst so spät von dem Streit erfahren hat, der mit dem Tod eines 80 Jahre alten Mannes ein so tragisches Ende gefunden hat? Warum wurde die Behörde nicht über den handfesten Streit informiert? „Normalerweise werden wir über so etwas benachrichtigt“, sagt Polizeisprecher Hendrik Heyer, der im Gespräch mit unserer Redaktion kurz nach Veröffentlichung des Zeugenaufrufs aber „niemandem den schwarzen Peter zuspielen“ möchte.

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Bei der Essener Feuerwehr heißt es von deren Sprecher Christian Schmücker, dass sich bei reinen Rettungsdiensteinsätzen die Einsatzkräfte nur um die medizinische Versorgung von Patienten kümmern. Einen Automatismus, dass bei mutmaßlichen Körperverletzungen automatisch die Polizei informiert wird, gebe es ausdrücklich nicht – es sei denn, betroffene Personen würden das auf Nachfrage ausdrücklich wollen. „Wir unterliegen der Schweigepflicht“, sagt Schmücker.

Wir unterliegen der Schweigepflicht.

Notrufmissbrauch / Fehlalarme - so belasten sie die Essener Feuerwehr: Gespräch mit FW-Sprecher Christian Schmücker
Christian Schmücker, Essens Feuerwehrsprecher

Mit einem Blick in das Einsatzprotokoll vom 3. November sagt der Feuerwehrsprecher, dass der verletzte 80-Jährige damals ansprechbar gewesen sei. Den Einsatzkräften habe der Mann auch von der Auseinandersetzung berichtet. Auf die Frage, ob die Polizei darüber informiert werden solle, habe der Senior aber mit „Nein“ geantwortet. Deswegen sei die Polizei auch nicht über den Vorfall in Kenntnis gesetzt worden.

Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass am 20. Dezember in Rüttenscheid ein 23-Jähriger durch eine Gruppe junger Männer schwer verletzt worden ist. In dem Fall hatte die Polizei zunächst nicht wegen schwerer Körperverletzung ermittelt und erst am Dienstag (6. Januar) einen Zeugenaufruf veröffentlicht. Einen Zusammenhang zwischen den beiden Taten sieht die Polizei nicht.

Tod des 80-Jährigen sorgt für Entsetzen

Im Ostviertel sorgt die Nachricht vom Tod des 80-Jährigen unterdessen bei Passanten am Mittwochvormittag für Entsetzen. Gleichzeitig äußern viele der Befragten, dass es häufiger im Viertel vorkomme, dass es Stress und Ärger gebe. Probleme gebe es vor allem mit drogenabhängigen Menschen und Obdachlosen. Im Stadtcheck, einer großen Umfrage unserer Redaktion im Frühjahr letzten Jahres, landete das Ostviertel in puncto gefühlte Sicherheit mit einer 4,5 auf dem letzten Platz aller 50 Essener Stadtteile.

Zeugen der Auseinandersetzung am 3. November gegen 13 Uhr werden gebeten, sich bei der Polizei unter 0201/829-0 oder per E-Mail an hinweise.essen@polizei.nrw.de zu melden.