Schlupfloch, Russland-Sanktionen
08.01.2026 – 03:54:12

Die EU verschärft ihre Russland-Sanktionen mit einem Importverbot für Diesel und Kerosin aus Drittländern, die russisches Rohöl verarbeiten. Dies zwingt Raffinerien in Indien und der Türkei zur Umstellung.





Die Europäische Union zieht die Schraube bei den Russland-Sanktionen an. Ab dem 21. Januar 2026 gilt ein striktes Importverbot für Diesel und Kerosin, die aus russischem Rohöl in Drittländern hergestellt wurden. Damit wird eine umstrittene Hintertür geschlossen, durch die weiterhin Milliardenwerte an russischer Energie nach Europa flossen.

Ende der „Raffinerie-Hintertür“

Die Maßnahme ist Teil des 19. Sanktionspakets der EU und zielt direkt auf die sogenannte „Raffinerie-Lücke“. Seit dem direkten Importverbot für russisches Rohöl Ende 2022 konnten Raffinerien in Ländern wie Indien und Türkei billiges russisches Öl kaufen, es verarbeiten und die Endprodukte legal als „nicht-russisch“ in die EU exportieren. Diese Praxis ist nun vorbei.

Die neuen „Herkunftsgarantie“-Regeln verlangen von Importeuren lückenlose Nachweise, dass die gelieferten Kraftstoffmoleküle nicht aus russischem Ausgangsmaterial stammen. Die EU-Kommission lehnt die bisherige „Mass-Balance“-Buchführung explizit ab. Dabei wurde russisches und nicht-russisches Öl vermischt und nur ein Teil des Outputs als sanktionskonform deklariert.

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Laut dem Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) müssen Raffinerien, die den europäischen Markt weiter beliefern wollen, ihre Lager und Verarbeitungsprozesse physisch trennen. Kann eine Raffinerie die Herkunft nicht nachweisen, droht ein Komplettausschluss ihrer Produkte aus der EU.

Indien und Türkei unter Druck

Die neuen Vorschriften werden den globalen Ölhandel umkrempeln. Besonders betroffen sind Indien und die Türkei, die sich zu zentralen Drehscheiben für russisches Öl entwickelt hatten.

Große indische Raffineriekonzerne wie Reliance Industries und Nayara Energy haben bereits reagiert. Sie trennen ihre Lieferketten oder suchen alternative Rohölquellen für Europa-Exporte. Erste Handelsdaten zeigen einen deutlichen Rückgang der Diesel-Lieferungen von der indischen Jamnagar-Raffinerie nach Rotterdam.

Auch die Türkei steht vor großen Herausforderungen. Einige ihrer Raffinerien beziehen bis zu 50 Prozent ihres Rohstoffs aus Russland. Der Nachweis, dass Europa-Exporte ausschließlich aus nicht-russischem Input stammen, stellt eine logistische Mammutaufgabe dar. Beobachter warnen vor vorübergehenden Lieferengpässen im Mittelmeerraum.

Wird der Diesel knapp und teuer?

Die entscheidende Frage lautet: Drohen Engpässe und Preisausschläge? Die EU ist der weltgrößte Diesel-Importeur. Das Abschneiden der „gewaschenen“ russischen Lieferungen könnte den Markt verknappen.

Aktuelle Analysen deuten jedoch auf Entwarnung hin. Der Markt habe die Störung bereits eingepreist, berichtet Forbes. Die europäischen Lagerbestände seien ausreichend und Importeure hätten im letzten Quartal ihre Bezugsquellen diversifiziert. Die Lieferungen aus Saudi-Arabien, den USA und Kuwait wurden deutlich erhöht.

Ausnahmen gelten für Partnerländer mit gleichwertigen Sanktionsregimen wie die USA, Großbritannien, Kanada und Norwegen. Importe aus diesen Ländern benötigen nicht den gleichen detaillierten Herkunftsnachweis, was den transatlantischen Handel erleichtert.

Reifeprüfung für den Westen

Die neuen Regeln markieren eine neue Phase der westlichen Sanktionspolitik. Statt pauschaler Verbote setzt die EU nun auf komplexe, extraterritoriale Durchsetzung. Indem sie den Verarbeitungsprozess ins Visier nimmt und nicht nur die Rohöl-Herkunft, zwingt sie Raffinerien in Drittländern zu einer klaren Wahl: Billiges russisches Rohmaterial oder Zugang zum lukrativen europäischen Markt.

Experten erwarten, dass dies die Öleinnahmen des Kreml weiter schmälern wird. Der Preisabschlag für die russische Urals-Sorte hat sich bereits ausgeweitet. Gleichzeitig steigen die Compliance-Kosten für den globalen Schiffsverkehr. Die Schattenflotte alter Tanker, die russisches Öl transportiert, bleibt ein Problem. Doch das neue Importverbot senkt den wirtschaftlichen Anreiz für seriöse Raffinerien, mit diesen Schiffen zu handeln – wenn sie in Europa verkaufen wollen.

Der nächste Schritt: Erdgas

Mit der Schließung der Öl-Schlupflöcher richtet sich der Fokus der EU-Energiestrategie nun auf Erdgas. Das Ziel ist die vollständige Abkopplung von russischen fossilen Brennstoffen.

Laut einer Forbes-Analyse ist die EU auf Kurs, die Importe von russischem Flüssigerdgas (LNG) bis Ende 2026 auslaufen zu lassen. Ein komplettes Verbot von Pipeline-Gas ist für 2027 anvisiert. In den kommenden Monaten wird die diplomatische Zusammenarbeit mit alternativen Gaslieferanten wie Katar und den USA intensiviert, um die nächste Phase der europäischen Energieunabhängigkeit vorzubereiten.

Für den globalen Energiemarkt steht zunächst der 21. Januar im Kalender. An diesem Tag endet der Graumarkt für russisches Öl in Europa.

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