Wollen Sie eine ehemalige Kirche kaufen? Kaufpreis: 300.000 Euro, Fläche: 514 Quadratmeter (Grundstücksfläche 1.306 Quadratmeter), Verfügbarkeit: ab sofort. So jedenfalls ist das ehemalige Gotteshaus für die US-Soldaten im Karlsruher Neubaugebiet „Knielingen 2.0“ auf dem Immobilienportal www.immobilienscout24.de aufgelistet.

Schadstoffe, wohin man blickt

An sich keine schlechte Idee – wäre da nicht ein kleiner Haken: Das Gebäude, das bereits seit 2012 leersteht und Wind, Wetter und Vandalismus ausgesetzt ist, ist „stark sanierungsbedürftig“, wie das Inserat der Eigentümerin Volkswohnung angibt. Eingeworfene Fenster und abgeplatzter Putz sind dabei aber noch das kleinste Problem.

Schön ist anders - die Garnisonskirche ist aktuell dem Verfall überlassen.

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Schön ist anders – die Garnisonskirche ist aktuell dem Verfall überlassen.
Foto: Corina Bohner

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Schön ist anders – die Garnisonskirche ist aktuell dem Verfall überlassen.
Foto: Corina Bohner

Die 1952 in der damaligen Rheinlandkaserne errichtete Kirche ist von oben bis unten mit Schadstoffen belastet: „Asbest in den Faserzementplatten, Dämmung aus Künstlicher Mineralfaser (KMF), polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) zwischen Bodenplatte und Estrich, Belastung in der Holzverschalung mit polychlorierten Biphenylen (PCB) und Chlor sowie Bleibelastungen im Konstruktionsholz“, so die Volkswohnung in ihrem Inserat. Geschätzte Sanierungskosten: 2,5 Millionen Euro.

Die Garnisonskirche in Karlsruhe-Knielingen am 12. Dezember 2025.

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Die Garnisonskirche in Karlsruhe-Knielingen am 12. Dezember 2025.
Foto: Corina Bohner

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Die Garnisonskirche in Karlsruhe-Knielingen am 12. Dezember 2025.
Foto: Corina Bohner

Der letzte Interessent sprang ab

Das schreckt ab: Seit 2012 steht die Garnisonskirche leer – genauso lange wird schon nach einer Nach- oder Neunutzungsmöglichkeit gesucht. Interessenten gab es über die Jahre reichlich, ergeben hat sich nichts. Hoffnung kam dann im November 2024 in Gestalt einer regionalen Grundstücksgesellschaft auf.

Bisher fand sich kein Käufer für das Gebäude.

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Bisher fand sich kein Käufer für das Gebäude.
Foto: Corina Bohner

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Bisher fand sich kein Käufer für das Gebäude.
Foto: Corina Bohner

Sie gab an, das Gelände an der Egon-Eiermann-Allee 6 kaufen und in „einen musikalischen und multikulturellen Ort der Zusammenkunft“ verwandeln zu wollen. Realisiert wurde der Proberaum bis heute nicht – der Käufer sprang ab, die Garnisonskirche wurde erneut zum Verkauf angeboten.

Denkmalamt muss Abriss genehmigen

Diesem Teufelskreis will die Fraktion der FDP/FW im Karlsruher Gemeinderat nun ein Ende setzen. In einem Antrag an den Gemeinderat im Dezember 2025 fordert sie die Volkswohnung dazu auf, beim Denkmalamt einen Antrag auf Abriss der Militärkirche zu stellen. Denn: Das Gebäude ist denkmalgeschützt.

Ein Abriss der Kirche muss vorher genehmigt werden.

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Ein Abriss der Kirche muss vorher genehmigt werden.
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Ein Abriss der Kirche muss vorher genehmigt werden.
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„Die Denkmalerhaltung und Sanierungsverpflichtung ist zwingend vorgeschrieben, deshalb ist ein Abriss nicht gestattet“, schreibt so auch die Volkswohnung in ihrem Immobilien-Inserat. Die FDP/FW-Fraktion will das Kapitel Garnisonskirche dennoch endlich beendet sehen.

Nachnutzung oder Wohnraum?

„Das Gebäude unterliegt einer zunehmenden Verwitterung und Verwahrlosung. Im momentanen Zustand stellt der Bau keinen Mehrwert für die Bürgerinnen und Bürger dar und kann nicht genutzt werden“, so das Urteil der Fraktionsmitglieder.

Die Garnisonskirche ist 74 Jahre alt.

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Die Garnisonskirche ist 74 Jahre alt.
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Die Garnisonskirche ist 74 Jahre alt.
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Statt einer „zu kostspieligen und aufwendigen“ Sanierung möchte die Fraktion daher jetzt den Blick in die Zukunft des Areals richten – etwa durch eine „sinnvolle Nachfolgenutzung der Fläche beziehungsweise zur Entstehung von dringend benötigtem Wohnraum für die Bevölkerung“. Bis der Gemeinderat allerdings über den Antrag abstimmt, steht die Garnisonskirche nach wie vor zum Verkauf – und verfällt weiter.

  • Melissa Betsch

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