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Man kann von Briten halten, was man will, aber wenn sie was können, dann Pub. Und genau das könnte noch mehr in Gefahr geraten, auch für Touris.
London – Wenn selbst der Telegraph, eine der ältesten und renommiertesten Zeitungen Europas, titelt: „Save the Pubs“, dann ist der Aufschrei deutlich zu hören – und zu lesen. Denn die Labour-Partei will einen harten Cut bei der Promillegrenze einführen, der auch Touristen auf die Füße fallen könnte, aber zuallererst die Pubs vor große Herausforderungen stellt.
König Charles besucht die Guinnes Open Gate Brewery in London. © IMAGO/Spotlight Royal
Mit Großbritannien verbinden die Menschen sehr viel, vor allem aber auch die Kneipen- und Pub-Kultur. Ein „Pint“, „Guiness“ oder „Pale Ale“ mit den „Mates“ in einem „Pub“, hat so gut wie jeder schon mal getrunken. Selbst in Deutschland sind Irish Pubs oder Kneipen, dem britischen Stil nachempfunden, sehr beliebt.
Drastische Senkung der Promillegrenze geplant: Ein einziges Pub-Getränk könnte zum Problem werden
Die britische Labour-Regierung plant drastische Verschärfungen der Promillegrenze für Autofahrer – eine Maßnahme, die nach Ansicht von Kritikern das Aus für zahlreiche Pubs bedeuten könnte, die sogar bei Unwetter tagelang Menschen beherbergten. Die neuen Pläne sehen vor, die Alkoholgrenze in England und Wales an die bereits seit 2014 geltenden schottischen Standards anzugleichen. Eine Diskussion, die auch in Deutschland hohe Wellen schlagen würde.
Labours neue Verkehrssicherheitsstrategie, die am Mittwoch (7. Januar) vorgestellt wurde, beinhaltet Pläne zur Senkung der Promillegrenze von derzeit 80 Milligramm Alkohol pro 100 Milliliter Blut auf 50 Milligramm – entsprechend einer Reduzierung von 35 auf 22 Mikrogramm pro 100 Milliliter Atemluft, schreibt The Telegraph. Diese Änderung würde bedeuten, dass bereits ein einziges alkoholisches Getränk Autofahrer über die erlaubte Grenze bringen könnte.
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Die British Beer and Pub Association (BBPA) warnte vor den schädlichen Auswirkungen dieser Maßnahme auf ländliche Pubs in Gebieten ohne öffentliche Verkehrsmittel oder zuverlässige Taxidienste. Ein Sprecher der BBPA erklärte gegenüber The Telegraph: „Der Pub-Sektor steht weiterhin vor enormen Herausforderungen, daher werden alle zusätzlichen politischen Maßnahmen, die den Handel weiter beeinträchtigen, für Gastwirte von großer Sorge sein, insbesondere für jene in ländlichen Gebieten.“
Heftige Kritik von Reform in UK: „Todesurteil“, „Keine Verbindung, wie das Leben funktioniert“
UK-Chef Nigel Farage bezeichnete die Pläne als „Todesurteil für Landgasthäuser in ganz Großbritannien“. Er kritisierte, darüber berichtet Express.co.uk, scharf: „Labour hat keine Verbindung dazu, wie das echte Leben funktioniert.“ Farage warnte vor den verheerenden Auswirkungen auf ländliche Gemeinden, die bereits unter dem Pub-Sterben leiden, so auch bei Nottinghamshire Live zu lesen.
Jonathan Neame, Geschäftsführer der ältesten britischen Brauerei Shepherd Neame (gegründet 1698), äußerte sich ebenfalls besorgt: „Wenn Gemeinden ihre Pubs verlieren, werden sie dadurch schwächer. Ich hoffe, die Regierung kommt zur Vernunft und macht eine Kehrtwende. Die Branche wird sich bei diesem Thema nicht geschlagen geben.“
2025 schloss ein Pub pro Tag, in den letzten fünf Jahren waren es 2000: Gastwirte fordern Entlastung
Die geplante Promillegrenze-Senkung kommt zu einer Zeit, in der die Pub-Branche bereits unter enormem Druck steht. Nach Erhöhungen der Gewerbesteuer, des Mindestlohns und der Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung kämpfen viele Pubs ums Überleben. Im Jahr 2025 schloss durchschnittlich ein Pub pro Tag, und in den vergangenen fünf Jahren mussten fast 2000 Pubs für immer ihre Türen schließen. Gastwirte fordern von der Regierung Entlastungsmaßnahmen, darunter eine Reduzierung der Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung für Gastronomiebetriebe, Gewerbesteuer-Erleichterungen und eine Senkung der Mehrwertsteuer.
Zweifelhafte Wirksamkeit der schottischen Erfahrung: Studien zeigen keinen Effekt
Die Wirksamkeit der niedrigeren Promillegrenze wird kontrovers diskutiert. Schottland führte 2014 die strengeren Regeln ein, doch die Ergebnisse sind gemischt. Nach einem anfänglichen Rückgang stiegen die Verkehrstoten in Schottland in den vergangenen vier Jahren wieder an und waren 2024 um 24 Prozent höher, so Zahlen der schottischen Polizeiaufsicht.
Christopher Snowdon vom Institute of Economic Affairs kommentierte laut LBC: „Nachdem die Grenze in Schottland 2014 gesenkt wurde, gab es keine Reduzierung der Verkehrsunfälle.“ Drei akademische Studien zur schottischen Erfahrung fanden „keine Auswirkungen auf Verkehrsunfall- oder Todesraten“. Trotz dieser gemischten Bilanz plant die Labour-Regierung, die Maßnahme voranzutreiben, um die jährlich etwa 300 alkoholbedingten Verkehrstoten zu reduzieren. (Quellen: The Telegraph, Express, Nottinghamshire Live, LBC, The Spectator) (ank)
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