Vor 80 Jahren sprengten deutsche Truppen selbstzerstörerisch noch kurz vor dem Kriegsende im April 1945 die beiden Brücken über den Lech. Im Norden flussabwärts war es die im Jahr 1901 in Stahl erbaute Gersthofer Brücke und im Süden die Augsburger Autobahnbrücke. Zeitzeugen erinnern sich, dass damals bis weit hinein in die Gersthofer Dorfmitte die Detonationen der Sprengkörper zu hören waren.

Zehn Jahre später, nach einer bereits im Sommer 1945 errichteten provisorischen Holznotbrücke, feierte am vorletzten Tag des Jahres 1955 die Marktgemeinde Gersthofen den denkwürdigen Tag der Einweihung einer neuen Lechbrücke. „Zu dieser bedeutsamen Stunde für Gersthofen versammelte sich am westlichen Lechufer unter einem blankgefegten blauen Himmel und sturmartigen Böen eine große freudvolle und dankbar gestimmte Menschenschar“, beschrieb vor 70 Jahren der Chronist die Szenerie.

Damit vor allem die Landwirte den Lech zwischen Augsburg und Gersthofen queren können, wurde 1954 ein provisorischer Übergang aus Holz errichtet.

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Damit vor allem die Landwirte den Lech zwischen Augsburg und Gersthofen queren können, wurde 1954 ein provisorischer Übergang aus Holz errichtet.
Foto: Karl-Heinz Wagner (Repro)

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Damit vor allem die Landwirte den Lech zwischen Augsburg und Gersthofen queren können, wurde 1954 ein provisorischer Übergang aus Holz errichtet.
Foto: Karl-Heinz Wagner (Repro)

Die Liste der Ehrengäste war wegen der Bedeutsamkeit des Brückenschlages eine sehr umfangreiche. Neben Gersthofens Pfarrer Robert Dörflinger, der das Bauwerk segnete, Direktor Paul Heisel von der Lech-Chemie, Augsburgs Stadtbaurat Walther Schmidt, Bezirkstagspräsident Landrat Albert Kaifer, Gersthofens Bürgermeister Georg Wendler und Stadtrechtsrat MdL Hugo Fink wurde Direktor Dr. Siebert von den Lech-Elektrizitätswerken besonders herzlich begrüßt. Es war schließlich die LEW, die wegen der Ausnützung der Wasserkräfte des Lechs auch Dreiviertel der Kosten des Brückenbaus zu übernehmen hatte.

Augsburgs Oberbürgermeister Dr. Klaus Müller war „Gastgeber“, weil die Unterhaltpflicht der auf Augsburger Gemeindeflur liegenden Lechbrücke ab der Eingemeindung des früheren Dorfs Lechhausen im Jahr 1913 auf die Stadt Augsburg überging. Vorher wurde an dieser Stelle der historischen Grenze zwischen Schwaben und Oberbayern bis zum Jahr 1899 ein Lechbrücken-Zoll erhoben. „Der Brückenschlag kurz vor dem Abschluss des alten Jahres 1955 soll auch ein Symbol sein für den Übergang ins neue Jahr, das auch für die fernere Zukunft Verständnisbereitschaft und gutes Einvernehmen bringen möge. Diese neue Brücke soll auch der Förderung von Handel und Wandel zwischen Gersthofen und Augsburg dienen und auch die guten Beziehungen zwischen den beiden Kommunen noch weiter ausbauen“, so der Augsburger Oberbürgermeister in seiner Festrede.

Die im Jahr 1954 notwendig gewordene Brückensperrung hatte besonders den Gersthofer Landwirten und damit auch der Gemeinde große Sorgen bereitet. Zudem kam, dass eine am 15. September 1954 im Flussbett errichtete Furt bereits knapp zwei Wochen später am 27. September 1954 durch ein Hochwasser wieder vernichtet wurde. Für das neue sehr wichtige Bauwerk leistete auch Gersthofen einen Zuschuss. Dankesworte sprach neben dem Bürgermeister auch Marktgemeinderat Markus Deffner als Landwirt im Namen seiner Gersthofer Berufskollegen. Deffner erinnerte daran, dass die Schwierigkeiten der letzten Zeit, um über dem Lech zu den Feldern und Wiesen zu kommen, für viele Gersthofer Bauern zu einer Existenzfrage wurde. Imposant, wenn auch nicht gerade geruchsfrei, war dann der Zug der Ackerwagen und Fuhrwerke, die geschmückt mit dem Naturprodukt, nach dem die östlich des Lechs liegenden Felder lechzen, bei der Jungfernfahrt die Brücke befuhren.

1955 wurde die neu gebaute Lechbrücke in Gersthofen eingeweiht. Als erstes gab es zur Feier des Tages über die Brücke einen Zug von Ackerwagen und Fuhrwerken.

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1955 wurde die neu gebaute Lechbrücke in Gersthofen eingeweiht. Als erstes gab es zur Feier des Tages über die Brücke einen Zug von Ackerwagen und Fuhrwerken.
Foto: Karl-Heinz Wagner (Repro)

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1955 wurde die neu gebaute Lechbrücke in Gersthofen eingeweiht. Als erstes gab es zur Feier des Tages über die Brücke einen Zug von Ackerwagen und Fuhrwerken.
Foto: Karl-Heinz Wagner (Repro)

Der „formschöne“ Brückenneubau mit genau 101 Meter Länge, ruhend auf zwei Pfeilern mit elf Meter unter dem Flussbett fest verankert, wurde von den Firmen Dyckerhoff & Widmann und Kunz & Co. hergestellt. In nur knapp fünf Monaten war das Bauwerk mit sechs Metern Fahrbahnbreite fertig. „Die neue Brücke trägt den Stempel der Entwicklung der aktuellen Brückentechnik, die zur Ausführung in Spannbeton führte“, erklärte der Augsburger Stadtbaurat Walther Schmidt. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 335 000 Mark. Verbaut wurden 600 Kubikmeter Beton und 50 Tonnen Stahl.

Im Jahr 1990 musste schon wieder eine neue Brücke eingeweiht werden

Nach genau 35 Jahren hieß es einmal mehr ab dem 21. Dezember 1990: „Verkehr rollt über neue Lechbrücke“. Anlass war, dass der zwischenzeitlich nur eingeschränkt nutzbar alten Brücke mit Baujahr 1955 eine immer mehr zunehmende schlechte Bausubstanz bescheinigt wurde. Kurzum, die Brücke hatte ausgedient. Sie war altersschwach und auch für den Schwerlastverkehr nicht mehr ausreichend. Selbst die Omnibusse der Gersthofer Stadtwerke brauchten eine Ausnahmegenehmigung, um die Brücke zu passieren. Ein zwingender Neubau war auch erforderlich, um mit einem kombinierten Geh- und Radweg mehr Sicherheit für Fußgänger und Fahrradfahrer auf dem Weg in die Vereinsanlagen oder ins Naherholungsgebiet der Gersthofer über dem Lech herzustellen. Nach 14-monatiger Bauzeit war die nur von einem Mittelpfeiler getragene, 15 Meter breite und 4,5 Millionen Mark teure Brücke fertig. Für zeitliche Verzögerungen der Fertigstellung sorgten neben fehlenden Fachkräften im Bauberuf auch ein Hochwasser, das einen Bagger mitriss.

Einweihung der nach dem zweiten Weltkrieg neu erbauten Lechbrücke zwischen Augsburg und Gersthofen im Jahr 1955: Der Augsburger Oberbürgermeister Klaus Müller schnitt symbolisch das Band durch.

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Einweihung der nach dem zweiten Weltkrieg neu erbauten Lechbrücke zwischen Augsburg und Gersthofen im Jahr 1955: Der Augsburger Oberbürgermeister Klaus Müller schnitt symbolisch das Band durch.
Foto: Karl-Heinz Wagner (Repro)

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Einweihung der nach dem zweiten Weltkrieg neu erbauten Lechbrücke zwischen Augsburg und Gersthofen im Jahr 1955: Der Augsburger Oberbürgermeister Klaus Müller schnitt symbolisch das Band durch.
Foto: Karl-Heinz Wagner (Repro)

Es war eine Überraschung, diese kam aus heiterem Himmel und schlug ein wie ein Blitz. Das Problem, auch über den Lechkanal noch eine weitere neue Brücke bauen zu müssen, kam völlig unerwartet. Nach nur 16 Jahren wurde im Jahr 1991 ein Neubau erforderlich. Bei dem im Jahr 1975 erstellten Bauwerk sprach man wegen den erheblichen technischen Mängeln auch von „Pfusch am Bau“. Zu dieser kurzen Lebensdauer führten erhebliche Schäden im Beton und an der Bewehrung, die dann zu einem Neubau in Höhe von 1,7 Millionen Mark führten. Die sich bietende günstige Gelegenheit des damals leeren Kanalbettes war vorteilhaft für diese Baumaßnahme in Rekordzeit. Es drängte aber auch die Zeit, da die LEW früh möglichst wieder den Kanal mit Lechwasser füllen wollte. Nach nur drei Monaten Bauzeit war dann auch ab dem 22. Oktober 1991 die neue Lechkanalbrücke mit beidseitig verbreiteten Rad- und Fußwegen befahrbar.

Bronzeplastik zwischen den beiden Lechübergängen in Gersthofen

Zwischen den beiden nachbarlichen Brücken über den Lech und Kanal hat seit Juni 1991 eine zweieinhalb Meter hohe blickfangende Bronzeplastik ihren Platz gefunden. Der Heidelberger Künstler Jürgen Goertz charakterisierte in seinem Kunstwerk die beiden Wasserwege im Kontrast zueinander. Ein großes L symbolisiert dabei den Lech in ursprünglicher Wildheit des Flusses. Das kleinere L im Innern des großen L steht für die künstliche, kalkulierte Nutzbarkeit des Kanals. „Das Porträt des uralten Flussmannes „Lech“ auf dem L baut eine Brücke zwischen Alt und Neu, zwischen Natur und Technik“, erläuterte der Künstler sein Werk. Für den krönenden Abschluss des Lechbrückenneubaues hatte das Staatliche Straßenbauamt für die „Kunst am Bau“ einen Wettbewerb ausgeschrieben. Jürgen Goertz gewann mit seinem „Flussgott“ oder auch „Uralten Flussmann“ den Wettbewerb für die künstlerische Ausgestaltung rund um die beiden Brücken. Übrigens, eine Zweitfassung des Lech-Porträts war später auch bei einer Ausstellung des Künstlers Jürgen Goertz in New York zu sehen.

  • Karl-Heinz Wagner

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  • 86368 Gersthofen

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  • Lechbrücke

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