Der neue Präsident des europäischen Entsorgungsverbands FEAD, Herwart Wilms, fordert faire und offene Marktbedingungen zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit privater Entsorgungsunternehmen in Europa. Mit Blick auf zunehmende Wettbewerbsverzerrungen warnte der Geschäftsführer der Remondis Service International vor einer schleichenden Schwächung der Branche und sieht insbesondere politischen Handlungsbedarf auf EU-Ebene.
Wilms hat sein Amt als FEAD-Präsident zum Jahresbeginn angetreten, nachdem er bereits Ende 2024 in diese Funktion gewählt worden war. Er folgt auf Claudia Mensi, die den Verband in den vergangenen drei Jahren geführt hat.
In seinen ersten Stellungnahmen als Präsident betonte Wilms, dass private Entsorgungsunternehmen einen zentralen Beitrag zu Innovation, industrieller Leistungsfähigkeit und langfristigen Investitionen leisten. „Private Entsorgungsunternehmen stehen für Innovation, industrielle Exzellenz und langfristige Investitionen. Doch diese Stärken sind zunehmend gefährdet“, warnt Wilms. Als Gründe nannte er unter anderem Wettbewerbsverzerrungen zwischen öffentlichen und privaten Akteuren innerhalb Europas sowie den wachsenden Druck durch Anbieter aus Drittstaaten, die unter anderen Umwelt- und Sozialstandards tätig seien.
Aus Sicht von Wilms müsse die Europäische Union deutlich stärker auf gleiche Wettbewerbsbedingungen setzen, um die Rolle privater Unternehmen in der Kreislaufwirtschaft zu sichern. „Wenn Europa seine Ziele in der Kreislaufwirtschaft ernst meint, müssen wir gleiche Wettbewerbsbedingungen schaffen, die Nachhaltigkeit belohnen und sicherstellen, dass innerhalb der EU erzeugte Recyclingmaterialien Vorrang erhalten“, sagte der FEAD-Präsident. Eine stärkere Nachfrage nach in der EU hergestellten Rezyklaten sei entscheidend, um Investitionen anzustoßen, die Branche zu stabilisieren und zugleich die Rohstoffunabhängigkeit Europas zu stärken.
Wilms sieht FEAD dabei als zentrale Plattform zur Bündelung der Interessen privater Entsorger. „FEAD ist einzigartig in Europa“, sagte er. Der Verband repräsentiere den gesamten privaten Entsorgungssektor, decke alle Behandlungsaktivitäten und alle Stoffströme ab und verfolge ein gemeinsames Ziel: „Europa zu einer stärker kreislauforientierten Nutzung von Ressourcen zu bewegen.“ FEAD vertritt mittlerweile 21 nationale Entsorgerverbände und mehr als 3.000 private Entsorgungsunternehmen. Zuletzt war der rumänische Entsorgerverband ARSMD dem europäischen Dachverband beigetreten.
Vor seinem Amtsantritt hatte Wilms nach Angaben des Verbands über ein Jahr hinweg Gespräche mit nationalen FEAD-Mitgliedsverbänden geführt, um deren Herausforderungen aufzunehmen und sich auf die Interessenvertretung auf EU-Ebene vorzubereiten. Ziel sei es, eine stärkere und geschlossenere Stimme für den privaten Entsorgungssektor in Europa zu formen.