Aufmerksam beobachtet werden die Talente auch von der älteren Tanzgeneration. „Obenrum kann ich vielleicht noch ein bisschen rumzappeln, aber am Boden ist bei mir heute Schluss“, sagt lachend Frank Bolldorf aus dem Süden Sachsen-Anhalts. Der 54-Jährige war schon zu DDR-Zeiten im Breakdance aktiv. „Das war unser Leben, wenn du unterwegs eine Crew getroffen hast, warst du sofort bereit dann loszuhuppen – egal wo, egal auf was für einem Boden, wir haben unseren Traum gelebt.“ Breakdance als Teil der Hip-Hop-Bewegung faszinierte bereits die ostdeutsche Jugend in den 1980er-Jahren.
Die Tradition ist ein Kulturerbe, findet daher Joerg Schnurre vom Newkid-Verein in Dessau. „Überall haben wir gespürt, dass der Wunsch groß ist, die eigene Geschichte sichtbar zu machen.“ Dass es Hip-Hop auch schon vor 1989 in der DDR gegeben habe, sei vielen gar nicht bekannt, so Schnurre. Zwei Jahre haben die Initiatoren in Dessau gearbeitet, Mitstreiter über die Landesgrenzen hinaus gesucht und gefunden. Nun ist der Antrag zur Anerkennung von Hip-Hop in Ostdeutschland als immaterielles Kulturerbe gestellt. Diesen Sprung auf die Liste hat der Heidelberger Hip-Hop im Westen schon geschafft.
Hip-Hop in DDR anders als im Westen
Das sei aber nicht vergleichbar, so Schnurre: „In Heidelberg ist es stärker auf das Musikalische ausgeprägt und im Breakdance ging es eher um das Freestylen. In der DDR dagegen war alles sehr stark choreografisch angehaucht. Also mehr so in einer Gemeinschaft tanzen.“ Das gelte es ebenfalls zu bewahren. Der Titel als Kulturerbe wäre zum einen gut fürs Image, für die Identitätssuche, so Schnurre. Aber nicht nur: „Es ist dann leichter an Fördermittel heranzukommen und damit könnten wir viele Jugend-Projekte im Land finanzieren.“