
Sturmtief „Elli“ bringt in den kommenden Tagen Kälte, Schnee und Glatteis: Kommunen und Verkehrsbetriebe bereiten sich auf Probleme vor. Verbände warnen vor der Gefahr besonders für Obdachlose.
Deutschland steht mit Sturmtief „Elli“ eine turbulente Wetterlage bevor. Besonders ungemütlich soll es von der kommenden Nacht an im Norden werden. Verbreitet wird dann kräftiger Schneefall erwartet. Laut der Warnung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sind vor allem Norddeutschland zwischen Bremen und Hamburg, Ostdeutschland und der Harz betroffen.
Im Süden und Westen Deutschlands soll der Schnee – bei ebenfalls stürmischem, aber aus südwestlichen Richtungen wehendem Wind – bis Freitagmorgen rasch in Regen übergehen. Örtlich besteht dann Glatteisgefahr.
Behörden und Meteorologen raten: Wer nicht unbedingt unterwegs sein muss, sollte zu Hause bleiben und das Auto stehen lassen. An einigen Orten fällt der Schulunterricht aus.
DWD spricht von „extremer Lage“
Im Norden und Osten sagt der DWD zunächst eine größtenteils trockene Nacht auf den Freitag voraus. In Richtung Nordosten hingegen kann es zu kräftigen Niederschlägen kommen. „Das wird schon eine extreme Lage“, sagte ein Meteorologe des DWD in Potsdam. In einem Streifen von der Nordsee bis in den Osten hinein können verbreitet um die zehn oder regional bis zu 20 Zentimeter Neuschnee fallen.
ARD-Wetterexperte Danijel Stanic warnte bei tagesschau24 vor stürmischen Böen mit Schnee vor allem am Freitag von Nordwesten bis in den Nordosten. Das könne zu Schneeverwehungen und Schneebruch führen und größere Behinderungen auf den Verkehrswegen nach sich ziehen.
Behinderungen bei Bus, Bahn und Schifffahrt
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder sieht Autobahnen und die Deutsche Bahn gut gerüstet. Mit Blick auf die kommenden Tage sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): „Alle verfügbaren Kräfte sind auf den Straßen, Bahnhöfen und Schienen unterwegs, damit die Verkehrswege sicher befahrbar bleiben.“
Ein Sprecher der Autobahn AG teilte mit: Bundesweit seien 6.300 Straßenwärter im Einsatz, die Salzlager seien aufgefüllt. Brandenburgs Verkehrsminister Detlef Tabbert riet dennoch, nicht unbedingt notwendige Fahrten zu verschieben oder deutlich mehr Zeit einzuplanen.
Bahn ermöglicht es, Reisen zu verschieben
Die Deutsche Bahn kündigte witterungsbedingt Verspätungen und Zugausfälle im Fernverkehr an. „Alle Fahrgäste, die bis einschließlich 7. Januar 2026 ein Ticket für eine Reise vom 8. bis zum 10. Januar 2026 gekauft haben und diese aufgrund der Winterwitterung verschieben möchten, können ihr Ticket zu einem späteren Zeitpunkt nutzen“, teilte der Konzern mit.
Ebenso betroffen ist auch die Nordsee-Schifffahrt: Einige Fähren von und zu den Ostfriesischen Inseln werden am Freitag voraussichtlich nicht fahren.
Für die Ostseeküste warnt das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie für Freitagabend zudem vor einer Sturmflut. In der Kieler Bucht und in der Lübecker Bucht würden erhöhte Wasserstände bis 1,20 Meter über Normalnull erwartet.
Notaufnahmen bereiten sich vor – mehr Knochenbrüche
Fußgänger sollten ebenfalls vorsichtig sein. In Potsdam beispielsweise sagte der Leitende Oberarzt der Zentralen Notaufnahme im Klinikum Ernst von Bergmann, Bernhard Fleischer: „Die derzeitigen Witterungsbedingungen stellen eine besondere Herausforderung dar und bergen ein erhöhtes Risiko für Stürze und Unfälle.“
Die Notaufnahme sei auf ein erhöhtes Patientenaufkommen vorbereitet. Bereits in den vergangenen Tagen führte Glatteis etwa in Cottbus zu einer erhöhten Zahl von Verletzten – vor allem Patienten mit Knochenbrüchen, die aufgrund des Wetters gestürzt sind.
Akute Gefahr für Obdachlose
Angesichts des eisigen Winterwetters warnt der Paritätische Gesamtverband vor dem Kältetod von Obdachlosen. Die aktuelle Kältewelle stelle für obdachlose Menschen eine akute Lebensgefahr dar, sagte Hauptgeschäftsführer Joachim Rock dem RND. Kommunen und Länder müssten umgehend Notunterkünfte niedrigschwellig zur Verfügung stellen.
Ähnlich äußerte sich die VdK-Präsidentin Verena Bentele. Niemand dürfe der Kälte schutzlos ausgeliefert bleiben, sagte sie dem RND. „Gerade Menschen ohne festen Wohnsitz oder mit prekären Lebensverhältnissen brauchen unmittelbar Zugang zu sicheren, warmen Unterkünften“, forderte Bentele.
Mit Informationen von Dietrich Karl Mäurer, ARD Hauptstadtstudio.