In Großbritannien häufen sich Medienberichte über eine Krankheitswelle. Neben saisonalen Infektionen wie der alljährlich wiederkehrenden Grippe rückt zunehmend das Adenovirus in den Fokus. Was steckt hinter dem Erreger – und wie ist die Lage in Deutschland?
Was ist das Adenovirus?
Adenoviren sind eine Gruppe von Krankheitserregern, die verschiedene Erkrankungen auslösen können. Sie gehören zu den DNA-Viren. Im Gegensatz zu vielen anderen Erregern haben Adenoviren keine Fetthülle. Sie sind dadurch robuster gegenüber Umwelteinflüssen wie Putzmitteln und überleben länger. Ihre Form mit stachelartigen Fortsätzen ist charakteristisch für alle rund siebzig bekannten Erreger. Adenoviren treten weltweit auf. Anders als die klassische Grippe gelten sie nicht als saisonal; Infektionen treten ganzjährig auf.
Ist das Adenovirus neu?
Nein, das Adenovirus ist keine neue Erkrankung. Adenoviren wurden schon in den 1950er-Jahren entdeckt.
Wieso geht es in den Medien plötzlich so oft um das Adenovirus?
Großbritannien kämpft mit einer anhaltenden Krankheitswelle. Die ist laut aktuellen Daten der britischen Gesundheitsbehörde überwiegend geprägt von Influenza- und RSV-Infektionen. Britische Medien wie die BBC berichteten Mitte Dezember von der höchsten Anzahl an Grippe-Patienten, die zu dieser Jahreszeit jemals im Krankenhaus lagen.
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Das Adenovirus hat dort aktuell nur einen kleinen Anteil am Infektionsgeschehen. Dennoch sind viele Menschen in Großbritannien besorgt, weil das Virus als hochansteckend gilt und das ohnehin stark beanspruchte Gesundheitssystem zusätzlich belasten könnte.
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Wie wird das Adenovirus übertragen?
Adenoviren verbreiten sich durch Schmier- und Tröpfcheninfektionen. Häufig erfolgt die Ansteckung über Händeschütteln oder gemeinsam genutzte Gegenstände. Zudem können die Viren auf Oberflächen wie Tischen oder Türklinken haften und dort über einen gewissen Zeitraum infektiös bleiben. Auch herkömmlichen Putz- und Desinfektionsmitteln halten Adenoviren oft stand. Daher gelten sie nach Angben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung als hoch ansteckend und widerstandsfähig.
Welche Symptome löst das Adenovirus aus?
Bei gesunden Erwachsenen kann die Erkrankung auch symptomlos verlaufen. Typische Beschwerden bei einer Adenovirus-Erkrankung sind:
- Bindehautentzündung: einseitig oder beidseitig; Rötungen, Schwellungen und Fremdkörpergefühl im Auge
- Grippeähnliche Symptome: Husten, Schnupfen, Halsschmerzen, Fieber
- Magen-Darm-Beschwerden: Krämpfe, Durchfall, Erbrechen
- In seltenen Fällen: Infektionen in Leber, Gehirn oder den Harnwegen
Eine Bindehautentzündung zählt zu den typischen Symptomen des Adenovirus.
| © picture alliance / dpa Themendienst
Wie wird eine Infektion mit dem Adenovirus behandelt?
Es gibt keine Medikamente oder Impfungen speziell gegen Adenoviren. In der Regel werden daher bei gesunden Erwachsenen vor allem die Symptome behandelt, um so den Krankheitsverlauf erträglicher zu machen. Je nach Beschwerdebild können dann beispielsweise fieber- und schmerzsenkende Mittel oder Augentropfen helfen. Menschen mit Vorerkrankungen sollten allerdings Rücksprache mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin halten, da hier die Empfehlungen abweichen können.
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Wie lange dauert eine Infektion mit dem Adenovirus?
Eine Infektion mit dem Adenovirus dauert oft länger als eine klassische Erkältung. Die AOK beziffert die Dauer einer Erkältung oder Grippe mit sieben bis zehn Tagen. Eine Infektion mit dem Adenovirus soll bis zu zwei Wochen dauern. Symptome der Bindehautentzündung können nach Angaben der AOK auch bis zu vier Wochen anhalten.
Wie lange sind Infizierte mit dem Adenovirus ansteckend?
Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung beträgt die Inkubationszeit – also der Zeitraum zwischen Ansteckung und Ausbruch der ersten Symptome – in der Regel fünf bis zwölf Tage. Ansteckend sind Erkrankte mit Beginn der ersten Krankheitszeichen und in der Regel mindestens zwei Wochen lang.
Ist eine Infektion mit dem Adenovirus meldepflichtig?
Eine Meldepflicht bei einer Infektion besteht für Einzelpersonen laut Robert-Koch-Institut nur, wenn Adenoviren durch einen Abstrich aus dem Auge nachgewiesen werden.
Wie kann ich mich und andere vor dem Adenovirus schützen?
Fünf Tipps, die beim Schutz vor Adenoviren helfen:
- Waschen Sie sich regelmäßig und gründlich die Hände.
- Achten Sie insbesondere in Gemeinschaftseinrichtungen wie auf der Arbeit auf Hygiene.
- Vermeiden Sie Kontakt, wenn Sie oder jemand anders erkrankt sind.
- Reinigen Sie regelmäßig gemeinschaftlich genutzte Oberflächen wie Tische oder Türklinken mit antiviralem Desinfektionsmittel.
- Waschen Sie Handtücher bei mindestens 60 Grad.
Ist das Adenovirus gefährlich?
Für gesunde Erwachsene ist das Adenovirus nicht gefährlicher als andere Atemwegs- oder Bindehautinfektionen. Bestimmte Risikogruppen sollten aber besonders vorsichtig sein: Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, bestehenden Herz- oder Lungenerkrankungen, Kinder und ältere Menschen. Bei ihnen ist das Risiko für einen schweren Verlauf erhöht.
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Wie viele Leute sind in Deutschland aktuell mit dem Adenovirus infiziert?
Da es keine allgemeine Meldepflicht für eine Adenovirus-Infektion gibt, lässt sich das genaue Infektionsgeschehen nur annähernd beschreiben. Das Robert-Koch-Institut wertet in ihrem ARE-Bericht wochenweise die Anzahl eingesandter Proben aus. Der aktuell letzte Wochenbericht stammt aus der Woche vom 8. bis 14. Dezember 2025 (KW 50). In dieser Woche entfielen nur vier Prozent der positiven Proben auf das Adenovirus. Zum Vergleich: Die Grippeviren Influenza A und Influenza B machten zusammen 34 Prozent der positiven Testergebnisse aus.
