US-Präsident Donald Trump erwartet, dass die USA Venezuela über Jahre hinweg führen und die riesigen Ölreserven des Landes fördern werden. „Nur die Zeit wird es zeigen“, sagte Trump in einem an diesem Donnerstag veröffentlichten Interview der Tageszeitung „New York Times“. Die venezolanische Regierung unter der geschäftsführenden Präsidentin Delcy Rodríguez sei bereit, alles zu geben, was die US-Regierung für notwendig halte, sagte Trump weiter. Die USA kämen mit der Regierung der Übergangspräsidentin derzeit „sehr gut aus“. Vertreter der Trump-Administration hatten verkündet, die Entscheidungen der Übergangsregierung in Caracas würden fortan von den USA „diktiert“.

Auf die Frage, ob die Aufsicht über das südamerikanische Land drei Monate, sechs Monate, ein Jahr oder noch länger dauern werde, antwortete Trump: „Ich würde sagen, viel länger.“ Man werde Venezuela „sehr profitabel wiederaufbauen“, erklärte der Präsident. „Wir werden Öl verwenden, und wir werden Öl nehmen. Wir senken die Ölpreise und wir werden Venezuela Geld geben, das sie dringend brauchen“, so Trump. Dabei räumte er laut „New York Times“ ein, dass die Wiederbelebung der venezolanischen Ölindustrie Jahre dauern könnte. Das Ölgeschäft ist für Venezuelas Regierung die wichtigste Einnahme- und Devisenquelle. Zuletzt war China der größte Abnehmer venezolanischen Erdöls.

USA lockern Sanktionen gegen Venezuela

Trump hatte am Dienstag einen milliardenschweren Plan vorgestellt, bis zu 50 Millionen Barrel venezolanisches Öl zu raffinieren und zu verkaufen. Venezuela konnte das Öl zuvor wegen der bestehenden US-Sanktionen nicht exportieren. Am Mittwoch kündigte die US-Regierung eine Lockerung von Sanktionen gegen Venezuela an. Ziel sei es, den Transport und den Verkauf venezolanischen Öls auf dem Weltmarkt zu ermöglichen. 

Öl: Das eigentliche Interesse der USA an Venezuela

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Zuvor hatte Trump sich bereits in seinem Onlinedienst Truth Social geäußert: „Ich wurde soeben informiert, dass Venezuela mit dem Geld, das sie durch unseren neuen Öl-Deal bekommen, NUR amerikanische Produkte kaufen wird.“ Venezuela verpflichte sich, die Vereinigte Staaten zu seinem wichtigsten Geschäftspartner zu machen, behauptete Trump. Dies sei eine „sehr gute Sache“ für die Menschen in Venezuela und in den Vereinigten Staaten.

Mit den Öleinnahmen sollen Trump zufolge unter anderem US-Agrarprodukte, Medikamente, medizinische Geräte sowie Ausrüstung zur Verbesserung des venezolanischen Stromnetzes und der Energieanlagen gekauft werden. Die Regierung in Caracas reagierte zunächst nicht auf diese Äußerungen.

Rund 100 Menschen bei dem US-Angriff getötet

Die USA hatten in der Nacht zum Samstag Ziele in Venezuela angegriffen, Staatschef Nicolás Maduro und seine Frau wegen angeblicher Drogengeschäfte gefangen genommen und außer Landes gebracht. Bei der Militäraktion wurden nach venezolanischen Angaben rund 100 Menschen getötet. Etwa ebenso viele seien bei dem Angriff verletzt worden, sagte Venezuelas Innenminister Diosdado Cabello. Die Opferzahl könne weiter steigen. Unter den Getöteten seien auch Zivilisten.

Soldaten tragen Sarg bei Beerdigung nach US-Operation gegen VenezuelaBeisetzung von Soldaten in Caracas, die beim Angriff der USA auf Venezuela getötet wurdenBild: Maxwell Briceno/REUTERS

Kuba bestätigte den Tod von 32 seiner in Venezuela eingesetzten Sicherheitskräfte, die unter anderem als Leibwächter für die Sicherheit Maduros verantwortlich waren. Die US-Regierung nannte öffentlich keine Opferzahlen. In US-Medien war zuvor unter Berufung auf informierte Beamte von insgesamt schätzungsweise 75 Toten die Rede gewesen.

pgr/se (dpa, afp, rtr)