Nach dem Brandanschlag auf das „Café Omonia“ in Frankfurt-Bockenheim im August 2025 hat die Staatsanwaltschaft gegen einen 15 Jahre alten Niederländer Anklage wegen versuchten Mordes in fünf Fällen erhoben. Dem Jugendlichen wird vorgeworfen, eine selbst gebaute Spreng- und Brandvorrichtung in das Lokal geworfen zu haben, in dem sich vier Gäste und der Betreiber aufhielten. Nur dank des beherzten Eingreifens des Wirts, heißt es in einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft, hätten alle Personen das brennende Café unverletzt verlassen können. Der Mann habe den Fluchtweg für sich selbst und die Gäste frei gehalten.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft handelt es sich bei der Tat um ein schweres Gewaltverbrechen, das professionell vorbereitet und im Auftrag Dritter ausgeführt worden sein soll. Der Jugendliche wurde noch am selben Tag in der Nähe des Tatorts festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Ihm wird versuchter Mord in Tateinheit mit Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion und besonders schwerer Brandstiftung vorgeworfen. Die Mordmerkmale Heimtücke, Habgier und der Einsatz gemeingefährlicher Mittel seien erfüllt, heißt es in der Anklageschrift.
Polizei prüft Zusammenhänge mit ähnlichen Taten
Das Landgericht Frankfurt wird nun über die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen den Fünfzehnjährigen entscheiden. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergaben, dass der Jugendliche in den Niederlanden für die Tat angeworben und für seine Ausführung bezahlt worden sein soll. Er sei gezielt nach Hessen gebracht und unmittelbar vor der Tat angeleitet worden. Nach Einschätzung der Ermittler handelt es sich um ein Beispiel aus dem Phänomenbereich „Crime as a Service“, genauer „Violence as a Service“ – eine Form organisierter Kriminalität, bei der Auftraggeber junge Täter für Gewaltdelikte anheuern und entlohnen.
Die Explosion im August war nicht die einzige Tat dieser Art im Rhein-Main-Gebiet. In den Wochen zuvor und danach wurden an mehreren Lokalen und Wohnhäusern in Frankfurt, Offenbach und Taunusstein Brandsätze oder Sprengvorrichtungen gezündet. Auch dort prüft die Polizei Zusammenhänge mit der organisierten Kriminalität. Am 17. Juli war eine Pizzeria in Offenbach Ziel eines Anschlags, Ende Juli und Anfang August traf es zweimal binnen weniger Tage dasselbe Wohnhaus in Taunusstein. In beiden Fällen wurden ebenfalls niederländische Tatverdächtige festgenommen.
Die Ermittler halten es für möglich, dass die Serie im Kontext internationaler Drogen- und Schutzgelderpressungen steht. Nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden rekrutieren kriminelle Netzwerke insbesondere in den Niederlanden jugendliche Kurier- oder „Boten“-Täter, die gegen vergleichsweise geringe Bezahlung gefährliche Aufträge übernehmen. Dieses Muster ist seit Jahren aus den Strukturen der sogenannten Mocro-Mafia bekannt, die ihren Einfluss zunehmend auch auf deutsche Städte ausdehnt.