Ein verschneites Ortseingangsschild.

AUDIO: Nachrichten 14:00 Uhr – 08.01.2026 (4 Min)

Stand: 08.01.2026 14:10 Uhr

Ein Schneesturm steuert auf Deutschland zu. NDR Meteorologe Sebastian Wache warnt vor Tief „Elli“, blizzard-ähnlichen Wetter-Verhältnissen und massiven Verkehrsproblemen am Freitag.

Das Winterwetter hat Schleswig-Holstein weiter im Griff. Morgen soll sich die Situation verschärfen, erklärt NDR Wetterexperte Sebastian Wache. Denn in den Morgenstunden wird das Schneesturmtief „Elli“ Schleswig-Holstein erreichen und starken anhaltenden Schneefall mit sich bringen, prognostiziert der Meteorologe.

Nach aktuellem Stand tritt das Sturmtief mit seiner Schneefront zwischen 6 und 8 Uhr über die Elbe nach Schleswig-Holstein hinein, so Wache. Im Laufe des Tages wird das Tief demnach allerdings durch zum Teil stürmischen Ost-Wind mit bis zu 100 Stundenkilometern eingebremst. Am Dienstag schätzte Wache zunächst, das Tief erreiche bereits in der Nacht zu Freitag Schleswig-Holstein.

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Winterwetter macht Freude – und Probleme (2 Min)

Bis zu 15 Zentimeter Neuschnee und blizzard-ähnliche Verhältnisse am Freitag

„Ich gehe davon aus, dass wir blizzard-ähnliche Verhältnisse haben werden, also wirklich kräftiger Flockenwirbel auch mit starken Sichteinschränkungen“, erklärt der Meteorologe. Der Schneefall dürfte sich aktuellen Prognosen zufolge vor allem auf eine Linie von Eiderstedt (Kreis Nordfriesland) über Neumünster bis nach Lübeck konzentrieren, schätzt Wache.

Südwestlich dieser Front sei – wenn das Tief zum Erliegen kommt – mit anhaltendem Schnee zu rechnen. Laut Wache sind vereinzelt bis zu 15 Zentimeter Neuschnee möglich. Zunächst hatte der Experte bis zu 30 Zentimeter Neuschnee prognostiziert.

Hunde und ihre Besitzer bahnen sich in Leer ihren Weg auf dem verschneiten Bürgersteig.

Bereits seit dem Morgen fällt in einigen Teilen des Nordens Neuschnee. An vielen Schulen fällt der Unterricht aus. Im Nah- und Fernverkehr gibt es Einschränkungen.

Stumflutwarnung an der Ostseeküste

Für die Ostseeküste warnt das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) zudem vor einer Sturmflut. Ab Freitagabend werden demnach in der Kieler Bucht und in der Lübecker Bucht erhöhte Wasserstände bis 1,20 Meter über Normalhöhennull erwartet.

In Richtung der Flensburger Förde ist mit starkem Wind und Sturmböen aus östlicher Richtung zu rechnen, erklärt Wache. An der Schlei (Rendsburg-Eckernförde, Schleswig-Flensburg) und in der Flensburger Förde können daher die Pegelstände steigen. In der Nacht zu Sonnabend ist dort Hochwasser möglich.

Am Donnerstag (8.1.) spricht Sebastian Wache von bis zu 1,30 Meter über dem mittleren Wasserstand. Bei Pegelständen von über 1,50 Meter über dem mittleren Wasserstand spricht man von einer Sturmflut.

Sebastian Wache: Schneeverwehungen möglich

Im Laufe des Freitagabends rechnet Sebastian Wache von der „WetterWelt“ damit, dass das Wettertief allmählich weiter in Richtung Südosten zieht. Aufgrund der Kombination aus viel Wind und starkem Schneefall warnt Wache vor Schneeverwehungen – vor allem im Kreis Nordfriesland. Denn dort liege bereits sehr viel Schnee.

Wache rechnet damit, dass der Schwerpunkt des Tiefdruckgebiets in den Kreisen Steinburg, Stormarn und dem Herzogtum Lauenburg liegen wird. „Je weiter wir nach Norden und Osten schauen, desto trockener bleibt es dort auch. Also da wird wohl kein neuer Schnee hinzukommen“, so Wache.

Nahverkehr: Freitag auf Fahrten mit ÖPNV verzichten

Der Nahverkehr in Schleswig-Holstein rechnet damit, am Freitag teilweise den Betrieb einstellen zu müssen – ohne Ersatzverkehr. Eisenbahnverkehrs- und Infrastrukturunternehmen hätten Fahrpläne angepasst und konzentrierten sich auf die Sicherung des Betriebs, heißt es von NAH.SH. Deshalb rät der Nahverkehrsverbund, wenn möglich ab Freitagfrüh auf Fahrten mit dem ÖPNV zu verzichten. NAH.SH-Geschäftsführer Dr. Arne Beck kündigte an, dass es trotz intensiver Vorbereitungen zu Ausfällen kommen könne. Die Lage könne sich jedoch kurzfristig ändern und glimpflicher ablaufen. Schon heute kommt es zu Ausfällen.

Viele wartende Reisende am Bahnhof in Neumünster.

Die Strecke Hamburg-Neumünster zum Beispiel war stundenlang gesperrt – Hunderte Reisende saßen fest. Auch andernorts stockte es.

Auch Schifffahrt könnte betroffen sein

Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ostsee warnt bereits jetzt Schiffs- und Bootsführer vor möglicher Eisbildung entlang der deutschen Ostseeküste. Von Flensburg bis zur deutsch-polnischen Grenze müsse unter anderem auf geschützten Gewässern, aber auch anderswo damit gerechnet werden.

Einschränkungen im Straßenverkehr

Die tiefstehende Sonne scheint auf eine von Schnee bedeckte Wiese.

Einige Straßen, vor allem in ländlichen Gebieten, sind noch nicht geräumt.

In den Gebieten, in denen bereits jetzt viel Schnee liegt, wird der Neuschnee zusätzliche Gefahren mit sich bringen, erklärt Sebastian Wache. Vor allem in ländlichen Gebieten im Kreis Nordfriesland seien noch immer zahlreiche Straßen nicht vollständig geräumt. Kommt dann noch der Neuschnee am Freitag hinzu, müssen sich Verkehrsteilnehmer auf massive Einschränkungen einstellen.

Meteorologe: Auf dem Land Vorräte zuhause haben

Gerade auf dem Land rät der Meteorologe deshalb dazu, Vorräte für zwei bis drei Tage zuhause zu haben: „Es kann gut sein, dass die Menschen dort erstmal nicht von ihrem Hof kommen.“ Gleichzeitig ruft er dazu auf, Nachbarn und ältere Menschen zu unterstützen und zu entlasten. Eine vergleichbare Situation in Schleswig-Holstein habe es lange nicht mehr gegeben, so Wache weiter.

Räumfahrzeug zwischen Eckernförde und Kappeln im Winter 1978/79.

Meterhohe Schneeverwehungen haben zum Jahreswechsel 1978/79 Landstraßen und Zufahrten begraben. Nur mühsam kamen die Räumfahrzeuge voran, wie etwa zwischen Eckernförde und Kappeln.

Der Meteorologe zieht in seiner Prognose Parallelen zur Schneekatastrophe zum Jahreswechsel 1978/79. Am Freitag könne man mit ähnlichen Wetterkarten wie damals rechnen. Am Sonnabend soll jedoch ein Hoch nach Schleswig-Holstein kommen. So langanhaltend wie während der Katastrophe 1978/79 soll es daher nicht werden. Damals habe es über einen längeren Zeitraum kühle Luftmassen und viel Ostwind gegeben. Das soll laut Wache am Wochenende anders werden, sodass spätestens am Sonnabend das Gröbste vorbei sein wird.

Ein verschneites Ortseingangsschild.

Morgen früh erreicht Schleswig-Holstein ein markantes Wettertief. Der Schneesturm kann blizzard-ähnliche Verhältnisse auslösen.

Blick auf ein Polizeiauto aus Schleswig-Holstein.

Im Abschleppwagen war nicht genug Platz für die 10- und 12-jährigen Schülerinnen. Der Streifenwagen wurde für sie dann zum Taxi.

Das THW befreit das Hallendach der Theodor Heuß Schule in Pinneberg von Schnee.

Die Stadt Pinneberg hat bereits am Mittwoch alle städtischen Sporthallen gesperrt. Ein Dach muss am Donnerstag vom Schnee befreit werden.

Eine Person betritt eine zugefrorene Eisfläche.

Das Mädchen war mit seinem Hund auf die Eisfläche geraten. Anwohner hörten Schreie und zogen das Kind aus dem Wasser.

Schnee fällt auf eine Bushaltestelle in Leer

Im Busverkehr sowie bei den Fähren der Föhr-Amrum-Linie sei mit Verspätungen und Teilausfällen zu rechnen.

Nach anhaltendem Schneefall ist am 18.02.1979 in Hannover die Teilnahme am Straßenverkehr kein Vergnügen. Die Straßen sind glatt, die Autos teils eingeschneit.

Winter extrem: Ein plötzlicher Temperaturabfall stürzt den Norden ab Ende Dezember 1978 ins Chaos. Im Februar 1979 schneit es erneut.

Eine Frau befreit einen Gehweg vor ihrem Wohnhaus vom Schnee.

Bei Schnee und Eis müssen Anlieger tagsüber die Gehwege vor ihrem Grundstück räumen. Die wichtigsten Regeln im Überblick.