Seit Herbst vergangenen Jahres wird im Kulturzentrum in Hagenbach gemeinsam gesungen. Dazukommen kann jeder, der Lust hat am Singen von Volksliedern und an Gemeinschaft.

Freitagmittag, am Hagenbacher Kulturzentrum dringen leise Volks- und Weihnachtslieder nach draußen. Drinnen trifft man eine Schar munterer Sängerinnen und Sänger, die ihre Stimmen zu den Akkordeonklängen von Petra Trenkle erklingen lassen, während Werner Ockuly beim „kleinen Trommler“ konzentriert die große Trommel schlägt. Die Altersspanne ist breit und reicht heute von drei bis 93 Jahre. Petras dreijähriger Enkel Leon teilt Omas Musikleidenschaft und versucht bereits mitzusingen. Und die 93-jährige Anneliese Schmitt war es, die Petra von einem früheren Singkreis kannte und diese immer wieder zu einer Neuauflage animierte. „Weil dieses Zusammenkommen und das Singen einfach alles gut macht“, wie sie sagt.

Wie einige der Besucher lebt Anneliese Schmitt im benachbarten „Betreuten Wohnen“, einer recht belebten Ecke, direkt bei der Schule, den drei Kindergärten und dem Kulturzentrum. „Doch wenn man nicht rausgeht, bleibt man in seiner schönen Wohnung einsam“, bestätigt Mitbewohnerin Renate Heubel. Für die verwitwete Monika aus Scheibenhardt sind einsam und allein zweierlei. „Alleine kann ich sein, aber einsam hat diesen traurigen Beigeschmack. Da helfen mir Aktivitäten, ich kümmere mich um andere Menschen und komme hierher zum Singen.“

Durchschnittlich 30 Leute bei den Treffen

Marianne Meyerer kommt zum Singen, weil sie gerne neue Menschen kennenlernt, und oft ergeben sich nette Gespräche. Petra Trenkle ergänzt, dass sich Menschen in Gemeinschaft wohlfühlen, auch wenn es gerade mal zwei Stunden sind. „Das Singen verbindet und „(fast) jeder kann singen“. Man kann neue Kontakte knüpfen, wobei Frauen hierzu eher bereit zu sein scheinen. „Männern fällt dies schwerer, sie sind nicht so leicht aus ihren Höhlen zu locken“, sagen die Frauen lachend.

Der neue Singkreis hat sich seit Herbst bereits vergrößert, durchschnittlich kommen inzwischen 30 Leute aus allen Altersgruppen. Erstmals sind Beate und Veit aus Kandel hier, die gemeinsames Singen bereits vom Naturfreundehaus kennen. „Wir mögen dieses verbindende Element Musik“, sagen sie strahlend. Und wegen Petra sind auch Sänger aus Neuburg gekommen. „Petra kann nicht nur Akkordeon spielen und singen. Sie zeigt Zuwendung, hat aufmunternde Worte, und sie versteht es auch mit älteren Menschen“, sagen die Neuburger. Petra bekräftigt das gerne. „Ältere Menschen mag ich, sie sind so authentisch, sie zeigen dankbare Freude und sie haben einen ähnlichen Musikgeschmack.“ Dafür hat sie extra ein dickes Liederbuch in großer Schrift mit beliebten Schlagern und Volksmusik gestaltet.

Von der Volkshochschule organisiert

Diese Musik passte auch gut zu ihrem Instrument, damals, als sie zusammen mit ihrem Vater Akkordeonspielen gelernt hat. Denn schon als Teenager hat Petra Volksmusik und Schlager vielen Rock- und Popsongs vorgezogen. Recht passend erklingt zum Abschied dann aus allen Kehlen „Muss I denn zum Städele hinaus“. Dass es im Hagenbacher Kulturzentrum mit einem barrierefreien Raum so gut geklappt hat, liegt übrigens am Engagement von Verbandsbürgermeisterin Iris Fleisch. Das regelmäßige Singen wird nun von der Volkshochschule organisiert.

Termine

Fröhliches Singen mit deutschen Volksliedern, kostenlos und ohne Anmeldung; die nächsten Termine: freitags, 13. und 20. Februar, 6. und 13. März, jeweils von 15.30 bis 17 Uhr im Clairvaux-Saal des Kulturzentrums Hagenbach, Am Stadtrand 2a.

Die beiden Instrumentalisten: Petra Trenkle und Werner Ockuly. Die beiden Instrumentalisten: Petra Trenkle und Werner Ockuly.Foto: Monika Bögelspacher