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TOPSHOT - Oil tanker Marinera, foremrly known as Bella 1 photographerd at sea in the Singapore Strait on March 18, 2025. The United States military on January 7, 2026, announced the seizure of a Russian-flagged oil tanker in the North Atlantic for sanctions violations, bringing an end to a multi-week pursuit by American forces. The seizure of the ship, which evaded being boarded near Venezuela, was a joint operation between the Department of Homeland Security and US military personnel, the US European Command, which is responsible for the region, said in a post on X. (Photo by Hakon Rimmereid / AFP)Öltanker Marinera im März 2025. © Hakon Rimmereid/AFP

Der Öltanker Marinera wurde zwischen Schottland und Island geentert. Russland hatte zuvor ein U-Boot entsandt und die USA gewarnt.

Mit Stolz hat die britische Regierung auf ihren Beitrag zur Aufbringung des Öltankers „Marinera“ im Nordatlantik hingewiesen. Bei der unblutigen Aktion von US-Spezialkräften waren auch Soldaten der Royal Navy sowie der Royal Air Force im Einsatz, wie der Verteidigungsminister im Unterhaus mitteilte. Dies stehe „in voller Übereinstimmung mit dem Völkerrecht“, betonte John Healey. „Wir verstärken unsere Reaktion auf zwielichtige Schiffe.“ Schon ist im Londoner Verteidigungsministerium von der Möglichkeit die Rede, das Königreich werde zukünftig auch allein vorgehen.

Der leere Tanker wurde am Mittwochnachmittag auf halbem Weg zwischen Schottland und Island geentert. Beteiligt daran waren auf britischer Seite das Versorgungsschiff RFA Tideforce sowie zwei Aufklärungsflugzeuge. Um die Jahreswende hatte das US-Militär die Briten um Hilfe gebeten, Healey und Premier Keir Starmer gaben grünes Licht. So konnten die amerikanischen Einheiten von britischen Flugplätzen aus agieren, darunter dem Fliegerhorst John O’Groats nahe der nordschottischen Kleinstadt Wick.

Ansage an Russland

Die Amerikaner und ihr treuester europäischer Verbündeter arbeiten seit vielen Jahrzehnten eng zusammen. Die Streitkräfte trainieren miteinander, die Geheimdienste tauschen permanent Erkenntnisse aus. Der aufgebrachte Tanker hat seit 2020 sechsmal den Namen und fünfmal die Flagge gewechselt. Zuletzt transportierte „Bella 1“ unter der Flagge Guyanas iranisches Öl nach Südamerika, was gegen US-Sanktionen verstößt. Offenbar wollte die Crew in Venezuela neue Ladung aufnehmen. Die gewaltige US-Armada in der Karibik führte zu einem Sinneswandel, jedenfalls verschwand das Schiff von dort und nahm Kurs auf Nordeuropa, wohl den russischen Arktis-Hafen Murmansk.

Russland fügte die „Marinera“ dem nationalen Schiffsregister hinzu, warnte die USA und entsandte zuletzt sogar ein U-Boot. Dass sich Trump kühl darüber hinwegsetzte, bestätigt seine neuerdings gezeigte Skepsis gegenüber dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Die Aktion im Nordatlantik – einen zweiten Tanker brachten die Amerikaner in der Karibik unter ihre Kontrolle – machte den Weg frei für ein Telefonat mit US-Präsident Donald Trump. Das Duo gratulierte sich zum Erfolg des Einsatzes. Der Downing Street zufolge legte Starmer Trump zudem die britische Position bezüglich Grönland dar. Das Königreich gehörte zu Wochenbeginn mit Deutschland und Frankreich zu den Unterzeichnern einer Erklärung, wonach das Schicksal der Arktis-Insel „ausschließlich eine Sache für Dänemark und Grönland“ sei.

Einen Beitrag zur Diskussion über eine mögliche US-Invasion lieferte am Donnerstag Peter Mandelson. Den Labour-Strategen hatte Starmer im vergangenen Herbst als britischen Botschafter in Washington gefeuert. Natürlich werde Trump nicht einmarschieren. „Das braucht er gar nicht. Er ist schon da“, schreibt der 72-Jährige im Magazin „Spectator“. In Wirklichkeit gehe es um die gemeinsame Absicherung der Nato-Verbündeten gegen die Bedrohung der Sicherheit in der Arktis durch Russland und China. Das viel zitierte „regelbasierte System“ der Weltpolitik habe schon längst vor Trump der Vergangenheit angehört.