Am Mittwoch hat Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) das Ende von Tempo 30 auf dem Mittleren Ring angekündigt. Für einen kurzen Clip auf Instagram hat er sich an die Donnersbergerbrücke gestellt, um zu erklären, dass die Luft so sauber geworden sei, dass das strenge Tempolimit entlang der Landshuter Allee nicht mehr gebraucht werde, um den EU-Grenzwert für Stickstoffdioxid (NO₂) einzuhalten. In der Tat ist der Grenzwert, der im Jahresmittel bei 40 Mikrogramm NO₂ pro Kubikmeter Luft liegt, schon zwei Jahre in Folge unterschritten worden.

NO₂ ist ein Reizgas, das die Atemwege schädigen und die Augen reizen kann. Früher hätte sich Reiter deshalb womöglich eine Atemschutzmaske an diesem Straßenabschnitt, wo täglich bis zu 130 000 Fahrzeuge vorbeidonnern, aufgesetzt. Noch im Jahr 2005 verzeichnete das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) an der Landshuter Allee einen Jahresdurchschnitt von  92 Mikrogramm NO₂. Ende des Jahres 2015 kam das Landesamt noch auf einen Wert von 84 Mikrogramm NO₂.

Was die Luftqualität angeht, zählte die Landshuter Allee lange Zeit zu den schmutzigsten Straßen Deutschlands, unter anderem in engem Wettbewerb mit dem Neckartor in Stuttgart und der Kruppstraße in Essen. Für das Jahr 2024 vermeldete das Umweltbundesamt dann erstmals, dass sämtliche 500 offizielle Messstationen in Deutschland den Grenzwert einhielten, also auch die Landshuter Allee, die für 2024 auf einen Wert von 39 kam, für 2025 dann auf einen Wert von 38.

Dass die Luft, zumindest im Vergleich zu den Vorjahren, immer sauberer wurde, liegt unter anderem daran, dass die Dieselfahrzeuge, von denen die NO₂-Belastung hauptsächlich ausgeht, mit den Jahren immer strengere Abgasvorgaben einzuhalten hatten. Seit 2006 galt die Abgasnorm Euro 4, im Jahr 2009 folgte Euro 5, seit 2015 gilt die Norm Euro 6, die seither immer strenger geworden ist.

Dazu kamen verschiedene Maßnahmen der Stadt zur Luftreinhaltung. So gilt schon seit Februar 2008 auf dem Mittleren Ring ein Durchfahrverbot für Lastwagen über 3,5 Tonnen, unabhängig von der Antriebsart. Die am 1. Oktober 2012 eingeführte Umweltzone hat die Stadt zum 1. Februar 2023 auf den Mittleren Ring ausgeweitet und dort ein Fahrverbot für Diesel der Schadstoffklasse Euro 4 verhängt. Eine weitere Ausweitung des Fahrverbots auf Euro-5-Diesel verhinderte der Stadtrat mit der Einführung von Tempo 30 entlang der Landshuter Allee, das seit Juni 2024 gilt.

Auch das Wetter spielt eine Rolle

Auch an den anderen LfU-Messstationen ist der NO₂-Jahreswert mit der Zeit stark gesunken, im vergangenen Jahr – anders als an der Landshuter Allee – aber wieder leicht gestiegen. Am Stachus lag der Wert 2005 noch bei 76 Mikrogramm, 2015 noch bei 64. Hier gab es im vergangenen Jahr allerdings wieder eine kleine Steigerung von 24 Mikrogramm 2024 auf 25 im Jahr 2025. Die Lothstraße verbesserte sich seit 2005 von 44 auf 17 in 2024 und 18 in 2025. In Johanneskirchen maß das LfU vor zwei Jahrzehnten einen Wert von 30 Mikrogramm, 2024 waren es 13, 2025 waren es 14. In Allach stieg der Wert von 14 im Jahr 2024 sogar auf 17. Leichte Schwankungen nach oben lassen sich auch mit dem Wetter erklären, da kältere Luft vereinfacht gesagt eher am Boden bleibt, verharren auch die Schadstoffe dort. 2025 war München mit einer Durchschnittstemperatur von 10,7 Grad (Quelle: Wetterkontor) etwas kühler als 2024 mit durchschnittlich 11,5 Grad.

Die Jahresmittelwerte der 51 städtischen Messstationen stehen noch nicht final fest, da die Stadt mit sogenannten Passivsammlern misst. In diesen reichern sich die Schadstoffe an, die Auswertung erfolgt dann im Labor. Aller Voraussicht nach wird der Grenzwert aber an allen eingehalten. An 30 Standorten wird sogar der von 2030 an geltende EU-Grenzwert von 20 Mikrogramm NO₂ unterschritten. Ob die Luft schon heute oder in vier Jahren als „sauber“ gelten kann, darüber bestehen unterschiedliche Ansichten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt in ihren Luftqualitätsrichtlinien einen Grenzwert von zehn Mikrogramm. Davon ist die Luft in München derzeit aber noch weit entfernt.