Manche Leinwandgrößen verabschieden sich nicht mit einem Knall, sondern mit einem Flüstern – und wählen für ihren letzten Auftritt ausgerechnet ein Werk, das heute eher als Randnotiz der Filmgeschichte gilt.
Nicht jede Hollywood-Legende verabschiedet sich mit einem Meisterwerk. Manche Karrieren enden leise oder gar enttäuschend – wie bei Sean Connery, der nach Jahrzehnten als Leinwandikone 2003 mit „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ seinen letzten Auftritt hatte, einem Film, der mehr durch seine Probleme bekannt wurde als durch künstlerische Qualität.
Ganz ähnlich verhält es sich bei Gene Hackman. Der 1930 geborene Schauspieler war ein Gigant seiner Zunft, ein Darsteller, der zwischen knorriger Autorität und fein dosierter Verletzlichkeit oszillieren konnte. Schon in den 1970ern stieg er mit William Friedkins Polizeithriller „French Connection – Brennpunkt Brooklyn“ zum Weltstar auf – eine Rolle, die ihm den Oscar als Bester Hauptdarsteller einbrachte.
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Ob als kompromissloser Cop, als gebrochener Ehemann oder als unberechenbarer Schurke: Hackman brachte stets eine körperliche Präsenz und eine psychologische Tiefe auf die Leinwand, die seinesgleichen suchte. In Filmen wie „Mississippi Burning“ (1988), „Erbarmungslos“ (1992) oder „Die Firma“ (1993) zeigte er eine Spannbreite, die ihn zu einem der prägendsten Schauspieler seiner Ära machte.
Hackmans letzter Film war ausgerechnet diese zahnlose Komödie
Umso tragischer, dass seine letzte Rolle nicht in einem großen Klassiker, sondern in einer leichten Komödie zu finden ist: „Willkommen in Mooseport“ aus dem Jahr 2004. In der eher unscheinbaren Kleinstadt-Farce verkörpert Hackman den ehemaligen US-Präsidenten Monroe Cole, der nach seiner Amtszeit in die Idylle einer Provinzgemeinde zieht.
Willkommen in Mooseport
Statt friedlicher Ruhe findet er dort allerdings einen unerwarteten Gegner: den Klempner Handy Harrison, gespielt von Serienstar Ray Romano („Alle lieben Raymond“). Der gutmütige Handwerker tritt nämlich ebenfalls bei der Bürgermeisterwahl an – und so entwickelt sich aus der zunächst harmlosen Nachbarschaftsstory ein absurd überzeichneter Wahlkampf, der Humor und Satire verbindet, ohne je wirklich zünden zu wollen.
Weder die Kritik noch das Publikum ließen sich von dieser Konstellation überzeugen. Mit einem Einspiel von knapp 15 Millionen Dollar in Nordamerika blieb der Film weit hinter den Erwartungen zurück und konnte auch international kaum Erfolge verbuchen. Kritiker*innen bemängelten das harmlose Drehbuch, die vorhersehbare Handlung und den weitgehend zahnlosen Humor. Da verwundert es kaum, dass der Titel hierzulande nur schwer auf DVD oder im Stream zu finden ist.
Dass Gene Hackman trotz all seiner Routine und seines ungebrochenen Charismas gegen die Belanglosigkeit des Stoffes nicht ankam, war vielen Beobachter*innen besonders schmerzlich bewusst. Schließlich war hier ein Mann am Werk, der über Jahrzehnte hinweg unvergessliche Figuren geprägt hatte – und nun mit einem lauen Lächeln verabschiedet wurde.
Hackman selbst nahm es gelassen
Doch Gene Hackman selbst schien den Flop gelassen genommen zu haben. Bereits kurz nach „Willkommen in Mooseport“ zog er sich komplett aus dem Schauspielgeschäft zurück und erklärte, er habe kein Bedürfnis mehr, vor die Kamera zu treten (via People). Stattdessen widmete er sich dem Schreiben von Romanen, lebte zurückgezogen in New Mexico und genoss das Leben fernab von Hollywoods Rampenlicht.
Für Interviews oder öffentliche Auftritte stand er nur selten zur Verfügung – und wenn doch, dann stets mit einer Gelassenheit, die vermuten ließ, dass er mit seiner Entscheidung im Reinen war. Am 18. Februar 2025 verstarb Hackman, nur wenige Wochen vor seinem 95. Geburtstag.
„Willkommen in Mooseport“ war zwar ein eher unglücklicher Schlusspunkt seiner Karriere – doch die Größe von Gene Hackman misst sich nicht an diesem einen Film. Dass Hackman über Rückschläge hinwegsehen konnte, war nicht neu. Seine Karriere war geprägt von Höhenflügen, aber auch von Enttäuschungen. Legendär ist etwa die Episode, dass er aus einem der größten Meisterwerke der Filmgeschichte gefeuert wurde, bevor die Produktion überhaupt richtig begann. Mehr dazu erfahrt ihr in diesem FILMSTARTS-Artikel:
Dies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits zuvor auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.
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