„Andreas Helmer ist seit ewigen Zeiten in unserer Gemeinde aktiv. Zum Beispiel als Finanzkirchmeister. Als ich hier Pfarrer wurde, war er schon da“, sagte Jörg Wolke zur Begrüßung der Gäste im Gottesdienst in der Erlöserkirche der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Höhenberg-Vingst.
Langjähriges Engagement wird sichtbar: Andreas Helmer, ehemals Finanzkirchmeister, übernimmt als frisch ordinierter Prädikant Verantwortung in der Verkündigung.
Superintendent Torsten Krall war gekommen, um Andreas Helmer als Prädikant zu ordinieren. Krall zitierte den Konfirmationsspruch des Prädikanten: „Wie Wasser, das man aus der Tiefe schöpft, sind Worte eines klugen Menschen.“ „Ich wäre auch gern klug“, setzte der Superintendent fort, der auch gern Worte finden würde wie klares, kühles Wasser, „Worte, die Sehnsucht stillen“. Weisheit beginne mit der Ehrfurcht vor dem Herrn. Klugheit bedeute, darauf zu hören, was Gott einem sage. Es gelte, aufmerksam zu sein auf das, was von oben komme, und auf das, was die Menschen bewege, die einem seien.
„Andreas Helmer wird ordiniert auf das, was Menschen vorher bekannt haben: die Barmer Erklärung.“ In der hätten sich die Unterzeichner verpflichtet, auf Jesus Christus zu hören und auf das, was die Menschen wirklich brauchen. „Wir trauen dir zu, ein kluger Mensch zu sein, und möchten dich beauftragen, das Wort Gottes in dieser Zeit zu verkünden“, wandte sich Krall direkt an Andreas Helmer. „Wir brauchen als Gemeinschaft kluge Menschen. Avuch solche, die einen Talar tragen. Am Ende muss die Gemeinschaft garantieren, dass du auf sie zählen kannst. Dass die Gemeinschaft sagt: So haben wir es gewollt.“ Krall hatte auch Empfehlungen für Helmer mitgebracht: „Suche die Rückmeldung, die deine Gemeinde dir gibt. Tritt vor Gott und allen Menschen ein für die, die deine Unterstützung brauchen.“
Predigt mit persönlicher Note
Nach der offiziellen Ordination predigte der neue Prädikant über Lukas 6,27–38 und sorgte mit seinem ersten Satz für einen Lacher in der Gemeinde: „Endlich komme ich auch mal zu Wort.“ Helmer erinnerte an seine Ausbildung mit seinem Mentor Jörg Wolke. Ausbildung sei der falsche Begriff, es heiße ja „Zurüstung“. „Irgendwann kam der Moment, in dem ich dachte, ich muss ja gar nicht alles wissen, ich kann ja auch mal was glauben.“
Feindesliebe und Vergebung als praktisches Glaubenszeugnis
Gemeinde und Wegbegleiter und Wegbegleiterinnen feiern die Ordination von Andreas Helmer.
Das zentrale Wort in Lukas 6,27–38 sei die Feindesliebe. Es gehe um bedingungslose Vergebung und großzügiges Geben. Lukas fordere dazu auf, die Feinde zu lieben, denen Gutes zu tun, die einen hassen, und für die zu beten, die einen verfluchen, die sie verfluchen, die andere Wange hinzuhalten und nicht zu richten, um selbst nicht gerichtet zu werden. Denn mit dem Maß, mit dem man gebe, werde einem gegeben.
Und wie verwirklicht Helmer das ganz praktisch? „Wenn mich jemand hasst, frage ich mich als Erstes: Habe ich ihm was getan? Kommt er mit meiner Art nicht klar? Könnte ein klärendes Gespräch helfen?“ Aber auch noch die andere Backe hinhalten? Ignoranz, Mobbing, Schläge – manche ließen sich das gefallen. Anderen mit Worten den Wind aus den Segeln zu nehmen, sei schwierig. Daher: „Erkenne früh, wenn sich ein Streit anbahnt. Bemühe dich um Deeskalation. Das ist nicht immer einfach, wenn auf beiden Seiten der Blutdruck steigt. Vielleicht löst man einen Streit besser am nächsten Tag. Oder man geht ihm aus dem Weg, wenn man ihn nicht lösen kann.“ Denn: „Wie oft ärgert sich Gott, dass wir Menschen nicht nach seinen Regeln spielen? Seid barmherzig. Vergebt, so wird auch euch vergeben.“
Drei Fragen an Andreas Helmer:
Wie lange sind Sie schon in der Gemeinde tätig?
Andreas Helmer: Ich bin seit der Taufe meiner Tochter im Jahre 1992 in meiner Gemeinde Vingst-Neubrück-Höhenberg ehrenamtlich tätig. Angefangen hat es mit der Mitarbeit im Kindergottesdienst. Ich wollte meine Tochter dort abgeben und die Leiterin fragte mich, ob ich auch Lust hätte, mitzuarbeiten. Also bin ich dabeigeblieben und habe letztlich gut acht Jahre im Kindergottesdienst mitgearbeitet. So fand ich einen Zugang zu meiner Gemeinde. Wir haben auch an den Gemeindefesten teilgenommen und für mich begann die Kirche, eine Glaubensheimat zu werden. Im Jahre 2000 wurde ich dann gefragt, ob ich mich zur Wahl für das Presbyterium stellen würde. Seitdem bin ich nun Mitglied im Presbyterium und habe mich mit der Gemeindearbeit befasst. Ich habe in vielen Gremien mitgearbeitet und auch schon bald das Amt des Finanzkirchmeisters übernommen, welches ich bis heute innehabe.
Was motiviert Sie für das Prädikantenamt?
Andreas Helmer: Ich habe mich oft gefragt, ob ich denn an Gott glaube. Und auch Bekannte haben mich dies gefragt. Ich war mir oft nicht sicher und habe erstmal ja gesagt. Im Laufe der Zeit habe ich mich mehr damit befasst. Ich begann, Lesungen im Gottesdienst zu halten und habe mich oft auch mit den Hintergründen befasst. Ich habe viele Predigten gehört und festgestellt, dass die Lehre Jesu für mich ein wichtiger Punkt im Leben ist. Ich möchte mehr davon erfahren und verstehen und meine Mitmenschen davon überzeugen. Der Zufall wollte es, dass ich bereits zweimal einen Gottesdienst halten durfte, weil kein Pfarrer oder Prädikant verfügbar war. Bei der Vorbereitung der Predigten befasste ich mich mit Predigttexten. Natürlich anders als ein Pfarrer oder eine Pfarrerin, denn mir fehlt dazu der theologische Hintergrund.
Worauf freuen Sie sich am meisten?
Andreas Helmer: Ich sehe meine Aufgabe als Prädikant darin, den Text in der Bibel mit meiner weltlichen Erfahrung anzureichern und ein positives Fazit daraus zu ziehen. Und dies möchte ich den Menschen, für die ich dann predige, weitergeben. Ich möchte ihnen die Lehre Jesu verständlich machen und Ihnen etwas mit auf den Weg geben. Ich mache auch gerne kölsche Gottesdienste. Ich möchte viel ausprobieren, um meine Gemeinde zu erfreuen.
Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann