Sie waren, wie man sagt, assimilierte Deutsche – also Juden, aber nicht religiös – und sie fühlten sich als Deutsche. Da war es in Palästina dann sehr schwer. Sie blieben fünf Jahre – meine Mutter sagt aber, das war ihre glücklichste Zeit in ihrer Kindheit. Als dann 1940 deutsche Truppen auch nach Afrika kamen, nicht so weit von Palästina, sind sie nach Argentinien ausgewandert.

In den Gemälden, die Sie im Rahmen der Ausstellung „Transit – Bilder aus dem Exil“ in Dresden zeigen, haben Sie Dokumente verarbeitet, die Ihnen ihre Mutter in einer kleinen Schachtel ausgehändigt hat. In dieser Schachtel befand sich auch ein Tagebuch, das Ihre damals 14-jährige Mutter auf der Schiffsüberfahrt nach Argentinien geführt hat …

Ja, genau. Da hat sie mit Bleistift, mit Schwarzstift, ihre Impressionen, ihre Gefühle dieser Reise festgehalten. Ich habe Fotokopien dieser Blätter gemacht sowie Faksimiles. Und ich habe diese Texte auch auf einigen meiner Bilder benutzt. Auf mehreren Tafeln.

Sie verarbeiten die Geschichte ihrer Familie in Ihrer Kunst, aber es geht ja auch um Sie und die Erfahrung, im Exil zu sein. Wie kam das?

In Argentinien haben unsere Eltern nie über das Thema Exil gesprochen. Wir haben das Thema auch nie in der Schule behandelt. Das habe ich erst viel später gemerkt. Erst durch meine Bilder, als meine Mutter mir diese Papiere und Dokumente übergab, kam ich auf das Thema Exil – da war ich schon fast 47 Jahre alt.

Ihre Ausstellung wird im Zentralwerk gezeigt – historisch gesehen ein mit NS‑Zwangsarbeit verbundener Ort. Welche Bedeutung hat es für Sie, dass Ihre Kunst jetzt in Dresden ausgestellt wird?

Das ist wirklich wichtig, denn meine Mutter ist in Dresden geboren – 1926. Sie wird 100, im November diesen Jahres. Das macht mir Gänsehaut. Meine Mutter erinnert sich immer noch, obwohl sie sechs Jahre alt war, als sie weg ging und nur einmal für einen Besuch zurück kam. Dort auszustellen ist ein komisches Gefühl und schönes Gefühl.

Die Idee ist auch, dass die Bilder dann dort bleiben. Sie waren jetzt in vielen Ausstellungen. Nach all der langen Zeit, in der die Bilder keinen Ort hatten, kommt es hoffentlich dazu, dass sie sesshaft werden.