Vaihingen an der Enz – Sie banden Magazine, Broschüren und Teebeutel. Fast 165 Jahre lang verarbeitete die Wennberg Großbuchbinderei Papier. Sogar der Ikea-Katalog kam aus ihrer Produktion. Jetzt ist der Traditionsbetrieb am Ende.
Das Familienunternehmen musste bereits Ende Oktober Insolvenz anmelden. Das Verfahren wurde vom Amtsgericht Heilbronn am 1. Januar eröffnet. Jetzt das komplette Aus.
Unternehmen muss schließen
Insolvenzverwalter Jochen Sedlitz zu BILD: „Der Betrieb wird insgesamt eingestellt. Es geht für das Unternehmen leider nicht weiter. Es konnte kein Investor gefunden werden. Ohne diesen ist eine Fortführung der Produktion leider nicht möglich. Eine kostendeckende Betriebsfortführung wäre nur mit einer Preiserhöhung gegenüber den Kunden möglich gewesen. Hierzu waren die Kunden angesichts der äußerst kostensensiblen Druckbranche nicht bereit und wohl auch nicht in der Lage.“
Dabei hielt fast jeder schon mal ein Wennberg-Produkt in der Hand: den Katalog von Ikea. Doch der wurde 2020 eingestellt. In Spitzenzeiten lag die Auflage bei rund 200 Millionen Exemplaren weltweit. „Der Verlust von Ikea allein wäre nicht unternehmensgefährdend gewesen“, sagte Geschäftsführer Martin Wennberg der „Stuttgarter Zeitung“. Vieles sei zusammengekommen. In der Coronakrise brachen nahezu alle Reisekataloge weg, während die Kosten für Papier explodierten.

Auch die letzte Ausgabe des Ikea-Katalogs wurde 2020 bei Wennberg produziert
Foto: picture alliance / teutopress
Gründe für die Insolvenz
Viele Einzelhändler wie Galeria Kaufhof setzten nur noch auf digitale Angebote. Wennberg: „Wenn Druckerzeugnisse durch digitale Produkte ersetzt werden, geht das zwangsläufig auch zulasten der Druckverarbeiter.“ Und die verbliebene Produktion werde immer häufiger ins günstigere Ausland verlagert, etwa nach Polen oder Tschechien. Die 1861 gegründete Großbuchbinderei aus Baden-Württemberg ist damit ein weiteres Opfer des Strukturwandels in der Papierindustrie. Zum Jahresende stellte bereits die bekannte Papierfabrik Feldmuehle aus Uetersen (Schleswig-Holstein) den Betrieb nach 120 Jahren ein. Bereits im Frühsommer verloren durch die Pleite der traditionsreichen Papierfabrik Kabel Premium Pulp & Paper in Hagen (NRW) 426 Menschen ihren Arbeitsplatz.

Das Firmengelände ist groß. Bis zu 500 Tonnen Papier wurden dort täglich verarbeitet
Foto: Google Earth
Das sagt der Bürgermeister
Vaihingens Oberbürgermeister Uwe Skrzypek (55) zu BILD: „Wennberg war über Jahre ein erfolgreiches und für die Stadt wichtiges Unternehmen, solide aufgestellt und strategisch ausgerichtet. Doch gebundenes Printpapier ist ein Produkt, das aus der Zeit fällt. Dem strukturellen Wandel der Printbranche kann man sich nicht entziehen.“

Vaihingens Bürgermeister Uwe Skrzypek in seinem Büro im Rathaus
Foto: Michael Hahn
Der Bürgermeister weiter: „Wenn Großkunden ersatzlos wegbrechen, bleiben nur wenige Alternativen. Die Familie Wennberg kümmert sich sehr um die Mitarbeiter.“
Hoffnung auf neue Jobs in der Umgebung können die Angestellten sich aber kaum machen: Im Ländle mussten bereits im Frühjahr 2025 zwei große Druckereien schließen.