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Kiew führt mit Drohnen Schläge gegen Russlands Wirtschaft. Selenskyj kalkuliert Vorteile im Ukraine-Krieg ein. Aktuell brennt ein weiteres Öl-Depot.

Kiew – Erneut ist es Kiew im Ukraine-Krieg gelungen, Russlands Wirtschaft den nächsten Schlag zu versetzen. In der Nacht zum 7. Januar brach im Öl-Depot Stary Oskol in der russischen Oblast Belgorod ein Feuer aus, nachdem die Anlage von ukrainischen Drohnen angegriffen worden war. „Durch die Detonation gerieten mehrere Tanks auf dem Gelände in Brand“, sagte der Gouverneur der Region, Wjatscheslow Gladkow. Zuvor hatte Astra eine Meldung über den Angriff verbreitet und Augenzeugen Fotos sowie Videos des Brandes in den sozialen Medien verbreitet.

Ukraine-Krieg - ukrainische DrohnenMit Drohnen nimmt Kiew im Ukraine-Krieg Russlands Wirtschaft ins Visier. (Archivbild) © Evgeniy Maloletka/AP/dpa

Es ist nicht der erste Angriff auf das Öl-Depot. Wie die Kyiv Independent schreibt, kam es bereits in der Vergangenheit zu Attacken auf das Ziel. Die Regierung von Wolodymyr Selenskyj verfolgt inmitten des Ukraine-Kriegs schon seit geraumer Zeit eine Kampagne gegen Russlands Wirtschaft. Regelmäßig werden Angriffe mit Drohnen auf Öl-Raffinerien oder Depots gemeldet. Auch andere Zweige der russischen Infrastruktur geraten immer wieder ins Visier. Übergeordnetes Ziel der Drohnenschläge: die Nachschubwege von Wladimir Putin schwächen und die Kriegskasse belasten.

Angriffe auf Russlands Wirtschaft: Systematische Attacken sollen Putin schwächen

Die regelmäßigen Attacken auf Russlands Wirtschaft gehen laut einem Bericht der New York Times auch auf die koordinative Hilfe der CIA zurück. Anfang Januar hieß es in dem Beitrag, dass die Behörde einen Plan entwickelt habe, um mit Kamikaze-Drohnen Angriffe auf die wichtigsten Öl- und Verteidigungsindustriebetriebe durchzuführen. Die Unterstützung durch die Amerikaner war allerdings durch den US-Präsidenten Donald Trump zwischenzeitlich zum Erliegen gekommen.

Inzwischen kommt es im Ukraine-Krieg fast täglich zu ukrainischen Drohnenangriffen auf Ziele in Russland. Wie Reuters berichtet, steht auch immer wieder die Region Moskau im Visier der Attacken. Das russische Verteidigungsministerium teilte zu Jahresbeginn mit, dass es durch die Attacken immer wieder zu vorübergehenden Schließungen an Flughäfen kommt. Eine Stellungnahme aus Kiew liegt zunächst nicht vor, die Ukraine erklärt jedoch, mit Drohnenangriffen russische Militär- und Energieinfrastruktur zu schwächen.

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Inwieweit die Angriffe auf Russlands Wirtschaft langfristige Folgen für die russische Ökonomie haben, ist unter Experten umstritten. Doch zugleich gibt es für den Kreml gegenwärtig ein anderes Problem: Zuletzt sind die Rohölexporte stark zurückgegangen. Laut Bloomberg exportierte Russland in den vier Wochen bis zum 4. Januar 3,43 Millionen Barrel pro Tag, was etwa 440.000 weniger sind als im Vergleichszeitraum bis zum 21. Dezember 2025. Dieser Rückgang ist allerdings weniger auf die Angriffe zurückzuführen, sondern liegt an dem starken Preisrückgang, nachdem die USA im Oktober Sanktionen gegen die beiden größten russischen Exporteure verhängt hatten.

Russland wegen Angriffen auf Wirtschaft geschwächt – Putin kämpft mit Problemen

Die Auswirkungen der Attacken auf die russische Wirtschaft sollen auch die Versorgung der Streitkräfte erschweren. Während um ein Ende des Ukraine-Kriegs gerungen wird, gelten die Angriffe als wichtiges Mittel der ukrainischen Kriegsführung: Einerseits sollen sie die Verhandlungsposition gegenüber Russland verbessern. Andererseits gelten sie auch als wichtiges Zeichen an die westlichen Verbündeten: Selbst angesichts der russischen Übermacht bleibt die ukrainische Armee wehrhaft. Wie effektiv die Strategie am Ende tatsächlich ist, ist unklar.

Erst im Dezember hatte die taz von großen Problemen berichtet, mit denen die russische Wirtschaft zu kämpfen hat. Demnach fehlt es Putin an Millionen Arbeitskräften. Aufgrund von rassistisch motivierter Gewalt und den Auswirkungen des Ukraine-Kriegs ist zudem der Zustrom an ausländischen Arbeitskräften stark zurückgegangen. Kiew weiß dieses Problem für sich zu nutzen und greift in der Folge systematisch Ziele in Russland an, um Reparaturen zu erschweren. (Quellen: dpa, Ukrainska Pravda, Astra, Kyiv Independent, taz, New York Times, Reuters, Bloomberg) (fbu)