• Mustafa Fahham und Abdulwahab Taroun, syrische Ärzte aus Bremen, engagieren sich für den Wiederaufbau der Gesundheitsversorgung in Syrien nach Assad.
  • Fahham gründete die „Syrisch-Deutsche Medizinische Assoziation“, reiste 2025 als Teil einer Delegation nach Syrien und berichtet von kostenlosen Herzkatheteruntersuchungen und verbesserten Bedingungen.
  • Taroun organisiert Spenden für medizinische Instrumente und schlägt vor, syrische Ärzte in Deutschland weiterzubilden, damit beide Länder profitieren. Beide sind emotional stark mit Syrien verbunden.

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Für Mustafa Fahham und Abdulwahab Taroun war es ein Jahr, mit dem beide so nicht gerechnet haben. Nicht vor dem 8. Dezember 2024. Der Tag, an dem der syrische Diktator Baschar al-Assad gestürzt wird. Der Tag, der von Syrern in aller Welt gefeiert wird – von dem auch die beiden syrischen Ärzte aus Bremerhaven und Bremen lange geträumt haben. Beide hatten ihre Heimat wegen des Bürgerkriegs, der 2011 begann, verlassen. Im Juli hat der WESER-KURIER über sie berichtet.

Fahham, 35 Jahre, stammt aus Aleppo im Norden Syriens, hat dort Medizin studiert und an der Uniklinik gearbeitet. Er habe an Protesten gegen das Assad-Regime teilgenommen und erlebt, wie bei einer Demonstration direkt neben ihm ein Freund erschossen worden sei. 2014 hat er Syrien verlassen, kommt über die Türkei nach Deutschland. Er beginnt ein neues Leben. Fahham ist leitender Oberarzt für Nierenheilkunde am Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide, er hat eine Familie, besitzt neben der syrischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft.

Der Arzt hat nach dem Sturz des Assad-Regimes die „Syrisch-Deutsche Medizinische Assoziation“ mitgegründet. Dem Verein gehören Mediziner, Apotheker, Pflegepersonal und andere Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen an. Im April 2025 reist Fahham mit einer Delegation für zwölf Tage nach Syrien – als Vertreter des Vereins und Arzt, der zum Wiederaufbau der Gesundheitsversorgung beitragen will. Als Mustafa Fahham, der erstmals nach fast elf Jahren sein Heimatland wiedersieht.

Es gibt viele Fortschritte, die sich bemerkbar gemacht haben.

Mustafa Fahham, Arzt

Was hat sich seitdem getan? Der 35-Jährige erzählt von einem neuen Hilfsprojekt. „500 Herzkatheter-Untersuchungen, kostenlos für die Patienten“, sagt er. „Es gibt viele Fortschritte, die sich bemerkbar gemacht haben.“ Sanktionen und die Korruption des Assad-Regimes hätten zu einem Zusammenbruch der Gesundheitsversorgung geführt. „Die Lage hat sich schon verbessert, die Aufhebung der Sanktionen war ganz wichtig“, sagt der Nierenspezialist.

Hinzu komme: Auch andere Vereine finanzierten aus Spenden medizinische Geräte und Materialien. Ärzte reisten nach Syrien, um Patienten zu behandeln und zu operieren. „In Aleppo wurden erstmals elektrophysiologische Behandlungen bei Herzkranken durchgeführt, vorher gab es das gar nicht. Das ist ein Meilenstein“, sagt Fahham. In Dialysezentren seien 350 neue Geräte in Betrieb, 400 weitere auf dem Weg. Im Süden des Landes soll in einem weiteren Projekt eine Dialyse-Abteilung aufgebaut werden.

Vater wieder in die Heimat gezogen

Fortschritte gebe es auch im alltäglichen Leben, zum Beispiel bei der Stromversorgung. In Damaskus habe es vorher etwa drei Stunden am Tag Strom gegeben, zuletzt seien es 16 Stunden gewesen. Das Ende des Assad-Regimes hat auch Veränderungen in der Familie des Arztes mit sich gebracht: „Mein Vater ist aus Saudi-Arabien nach Syrien zurückgekehrt“, sagt Fahham. „Er fühlt sich sicher, will bleiben, eine Wohnung kaufen.“ Sicherheit und Stabilität seien für die Zukunft des Landes die wesentlichen Voraussetzungen: „Das berührt mich sehr emotional“, sagt er. „Die Menschen wollen endlich in Ruhe leben können.“ Fahham plant demnächst wieder eine gemischte Reise nach Syrien, wie er sagt. „Privat mit der Familie und geschäftlich mit dem Verein.“

Abdulwahab Taroun hat Syrien vor fast 13 Jahren wegen des Bürgerkriegs verlassen. Auch er engagiert sich für den Wiederaufbau der Gesundheitsversorgung in seinem Heimatland. 18 Jahre hatte der Gynäkologe in Syrien gearbeitet, war danach ein Jahr als Chefarzt im Jemen tätig, musste aber aus dem Land ebenfalls wegen eines Bürgerkriegs fliehen. Der 57-Jährige ist Oberarzt am Bremer Diako-Krankenhaus. Um in Deutschland als Arzt arbeiten zu können, musste er erneut seinen Facharzt machen.

„Zurzeit versuche ich, mithilfe von Spenden medizinische Instrumente zu organisieren, es geht um Komplettsets für laparoskopische Operationen“, berichtet der Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe. Wie Fahham sieht auch er einen weiteren Ansatz, von dem sowohl Syrien als auch Deutschland profitieren könnten: „Syrische Ärzte könnten ihre Weiterbildung hier absolvieren, was die Versorgung entlasten würde. Das möchte ich hier anregen“, sagt der 57-Jährige, der ebenfalls beide Staatsbürgerschaften besitzt.

Abdulwahab Taroun ist Oberarzt in der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Diako.

Abdulwahab Taroun ist Oberarzt in der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Diako.

Foto:
Frank Thomas Koch

In den Osterferien will er mit seinen Söhnen nach Syrien fliegen, um ihnen besondere Orte zu zeigen – und um zu operieren und Ärzte in die Technik einzuweisen. Im Diako ist der 57-Jährige Spezialist für minimalinvasive Eingriffe. Taroun stammt aus einer syrischen Medizinerfamilie: Fünf Geschwister sind ebenfalls Ärzte, alle in verschiedenen Ländern. Drei Söhne studieren Medizin, auch der vierte Sohn will später die Familientradition fortsetzen. „Als Arzt kann ich helfen, ich kann einen Unterschied machen – das ist es, was ich meinen Kindern vermittele“, sagt der 57-Jährige.

Helfen und einen Unterschied machen – das ist auch der Antrieb für seinen Einsatz beim Wiederaufbau. „Und es ist meine Heimat“, sagt er. Der Arzt stammt aus der Stadt Homs. Seine Frau sei mit zwei Söhnen in den Herbstferien bei ihrer Familie zu Besuch gewesen. Die Lage in dem vom Bürgerkrieg gebeutelten Land verbessere sich, auch wenn es noch an fast allem fehle. „Vor allem aber: Das ist wieder unser Land“, sagt Taroun über die Zeit nach Assad.

Wie bewerten syrische Ärzte aus Deutschland die Entwicklung der Gesundheitsversorgung in Syrien nach der Aufhebung der Sanktionen?

Syrische Ärzte in Deutschland sehen die Entwicklung der Gesundheitsversorgung in Syrien nach der Aufhebung der Sanktionen grundsätzlich positiv und ziehen eine Rückkehr in Betracht, insbesondere, um beim Wiederaufbau des Gesundheitssystems im Heimatland mitzuwirken. Viele betonen jedoch, dass die Entscheidung zur Rückkehr maßgeblich von der politischen Stabilität und den Perspektiven in Syrien abhängt, die aktuell noch nicht abschließend absehbar sind. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass ihr möglicher Weggang spürbare Versorgungslücken und eine Verschärfung des Fachkräftemangels im deutschen Gesundheitswesen zur Folge hätte, vor allem in Kliniken und Pflegeeinrichtungen.

Quellen

Wie könnten Kooperationen zwischen syrischen und deutschen Gesundheitseinrichtungen die medizinische Versorgung beider Länder beeinflussen?

Kooperationen zwischen syrischen und deutschen Gesundheitseinrichtungen könnten die medizinische Versorgung positiv beeinflussen, indem sie syrischen Patienten Zugang zu fortschrittlichen Behandlungen ermöglichen und zugleich den fachlichen Austausch fördern. Gleichzeitig helfen syrische Ärzte in Deutschland, Versorgungslücken zu schließen und sind insbesondere in ländlichen Regionen und Engpassberufen für das deutsche Gesundheitssystem unverzichtbar. Ein strukturierter Austausch und gemeinsame Programme könnten die Expertise stärken, nachhaltige Fachkräftebindung unterstützen und die medizinische Qualität in beiden Ländern verbessern.

Quellen

Diese Fragen und Antworten wurden mit KI basierend auf unseren Artikeln erstellt.

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