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In einem Zyklus von 500 Millionen Jahren vereinen und trennen sich die Kontinente der Erde. Experten erklären, wann ein neuer Superkontinent entstehen könnte.

Frankfurt – Vor etwa 335 Millionen Jahren begannen sich die Landmassen unserer Erde zu einem einzigen gigantischen Kontinent zusammenzuschließen – Pangäa. Was damals geschah, war jedoch kein einmaliges Ereignis, sondern Teil eines fortlaufenden Zyklus, der die Geschichte unseres Planeten prägt. Wissenschaftler bezeichnen diesen Prozess als „Superkontinentzyklus“, ein fundamentales Konzept der modernen Geologie, das beschreibt, wie sich Kontinente über Hunderte von Millionen Jahren wiederholt vereinen und wieder auseinanderdriften.

Die Kontinente der Erde trennen und vereinen sich in regelmäßigen Zyklen.Die Kontinente der Erde trennen und vereinen sich in regelmäßigen Zyklen. © dpa/Nasa/Goddard Space Flight Center

Der Superkontinentzyklus wurde erstmals in den 1980er Jahren als umfassendes Konzept formuliert, obwohl einzelne Elemente dieser Theorie bereits früher diskutiert wurden. Laut der Studie „The supercontinent cycle: A retrospective essay“ aus dem Jahr 2013, welche auf sciencedirect.com veröffentlicht wurde, hat sich das Verständnis dieses Zyklus in den letzten Jahrzehnten erheblich weiterentwickelt. Und ist heute ein zentrales Element der Erdwissenschaften.

Entstehung unserer Erde: Pangäa-Aufspaltung führte zu heutiger Verteilung der Kontinente

Der letzte vollständige Superkontinent, Pangäa, begann sich vor etwa 335 Millionen Jahren zu bilden und erreichte seine vollständige Ausprägung vor etwa 300 Millionen Jahren. Dieser massive Landblock umfasste praktisch alle Kontinentalplatten der Erde und existierte für etwa 100 Millionen Jahre, bevor er begann, sich wieder aufzuspalten. Die Fragmentierung von Pangäa begann vor etwa 200 Millionen Jahren und führte schließlich zur heutigen Verteilung der Kontinente.

Oben genannte Studie der drei Forschenden Damian Nance, Brendan Murphy und M. Santosh betont, dass Pangäa nicht der erste Superkontinent in der Erdgeschichte war. Vor Pangäa existierte Rodinia vor etwa 1,1 Milliarden Jahren, und davor gab es möglicherweise weitere Superkontinente wie Columbia (auch Nuna genannt) vor etwa 1,8 Milliarden Jahren. Diese Erkenntnisse deuten auf einen wiederkehrenden Zyklus hin, der die Erdoberfläche etwa alle 500 Millionen Jahre neu gestaltet.

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Der Motor hinter diesem gewaltigen geologischen Prozess ist die Plattentektonik – jenes System, das durch Konvektionsströme im Erdmantel angetrieben wird. Diese Ströme bewegen die tektonischen Platten, auf denen die Kontinente ruhen, in einem scheinbar endlosen Tanz über die Erdoberfläche.

„Die Plattentektonik ist ein selbstorganisierendes System, das durch die Wärme aus dem Erdinneren angetrieben wird“, heißt es in der Studie „The supercontinent cycle: A retrospective essay“. Die Bewegung der Kontinente ist dabei nicht zufällig, sondern folgt bestimmten Mustern, die durch die Dynamik des Erdmantels bestimmt werden.

Neuer Superkontinent „Pangäa Ultima“ – wann wird er Realität?

In etwa 200 bis 250 Millionen Jahren könnte sich ein neuer Superkontinent bilden, den Wissenschaftler als „Pangäa Ultima“ oder auch „Pangäa Proxima“ bezeichnen. Laut einem Artikel in Scientific American wird dieser zukünftige Superkontinent dramatische Auswirkungen auf das Erdklima haben und könnte sogar eine existenzielle Bedrohung für Säugetiere darstellen.

Die Bildung von Pangäa Ultima würde zu extremen Klimabedingungen führen. Große Teile des Superkontinents wären weit vom Ozean entfernt, was zu extremer Trockenheit im Landesinneren führen würde. Gleichzeitig würde die erhöhte Sonnenaktivität – die Sonne wird in der fernen Zukunft etwa 2,5 Prozent heller sein als heute – die Temperaturen weiter in die Höhe treiben.

„Die Kombination aus einem Superkontinent und einer heißeren Sonne könnte zu einem Massenaussterben führen, das besonders Säugetiere betreffen würde“, berichtet Scientific American. Computersimulationen zeigen, dass die Temperaturen in weiten Teilen von Pangäa Ultima die physiologischen Grenzen von Säugetieren überschreiten könnten, was ihr Überleben gefährden würde.

Die wissenschaftliche Bedeutung des Superkontinentzyklus

Das Konzept des Superkontinentzyklus hat unser Verständnis der Erdgeschichte revolutioniert. Es erklärt nicht nur die Verteilung der Kontinente, sondern auch viele andere geologische Phänomene wie Gebirgsbildung, Vulkanismus und sogar Aspekte der biologischen Evolution.

Die Studie „The supercontinent cycle: A retrospective essay“ betont, dass der Superkontinentzyklus „einen konzeptionellen Rahmen bietet, der verschiedene geologische Prozesse verbindet und in einen kohärenten Zusammenhang stellt“. Dieses Verständnis hat es Wissenschaftlern ermöglicht, die komplexe Geschichte unseres Planeten besser zu rekonstruieren und sogar Vorhersagen über seine zukünftige Entwicklung zu treffen.

Was die Zukunft bringt

Während die Bildung des nächsten Superkontinents noch in ferner Zukunft liegt, setzen Wissenschaftler ihre Forschungen fort, um die Mechanismen des Superkontinentzyklus besser zu verstehen. Neue Technologien wie verbesserte seismische Bildgebungsverfahren und fortschrittliche Computermodelle ermöglichen immer genauere Einblicke in die Dynamik des Erdinneren.

Die Erforschung des Superkontinentzyklus hat auch Auswirkungen auf unser Verständnis anderer Planeten. Die Frage, ob ähnliche Zyklen auf anderen terrestrischen Planeten stattfinden oder stattgefunden haben, ist ein aktives Forschungsgebiet, das unser Verständnis der planetaren Evolution erweitern könnte.

Der Superkontinentzyklus erinnert uns daran, dass unsere Erde ein dynamisches System ist, das sich in ständigem Wandel befindet. Die Kontinente, die wir heute als fest und unveränderlich wahrnehmen, sind in Wirklichkeit nur Momentaufnahmen in einem jahrmilliardenalten Prozess der geologischen Transformation. (Quellen: „The supercontinent cycle: A retrospective essay“, sciencedirect.com, Scientific American) (kh)

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