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Ein Öltanker unter russischer Flagge sorgt im Nordatlantik für Aufregung. Der Frachter floh vor der US-Küstenwache – und hat Verbindungen zum Iran.
Update vom 8. Januar, 12:06 Uhr: Der von den USA beschlagnahmte Tanker „Bella 1“ hat Verbindungen zum Iran. Das Schiff gehört wohl zur russischen Schattenflotte und wurde bereits 2024 unter der Administration Joe Bidens sanktioniert. Der Eigentümer des Schiffs, die „Louis Marine Shipholding“ soll auch für die Terrormiliz Hisbollah Güter transportiert haben. Außerdem hat die Firma Verbindungen zur Islamischen Revolutionsgarde im Iran, wie es in einem Vermerk der US-Behörde OFAC (Office of Foreign Assets Control) heißt.
Update, 17:44 Uhr: Russland reagiert mit scharfer Kritik auf die Beschlagnahmung des Tankers. „Kein Staat hat das Recht, Gewalt gegen Schiffe anzuwenden, die ordnungsgemäß unter der Gerichtsbarkeit anderer Staaten registriert sind“, erklärte das russische Verkehrsministerium. Das vormals „Bella-1“ genannte Schiff habe am 24. Dezember eine einstweilige Genehmigung erhalten, unter dem Namen „Marinera“ unter russischer Flagge zu fahren.
Auch mehrere russische Staatsbürger seien Teil der Schiffsbesatzung, meldete die russische Nachrichtenagentur Tass basierend auf Angaben aus dem Außenministerium in Moskau: „Wir fordern die USA auf, eine menschenwürdige Behandlung zu gewährleisten, ihre Rechte und Interessen strikt zu respektieren und ihre rasche Rückkehr in ihre Heimat nicht zu behindern.“
Dieses Bild vom U.S. European Command soll das Schiff Bella-1 zeigen. Der Tanker wurde von US-Spezialkräften beschlagnahmt. © U.S. European Command via XÖltanker-Streit mit Putin: USA übernehmen zweites Schiff in Karibik
Update, 15:49 Uhr: Die USA haben in der Karibik einen weiteren Öltanker „beschlagnahmt“. Dies teilte das Southern Command des US-Militärs auf X mit. Zuvor hatten Reuters und die New York Times berichtet. Das Schiff trägt demnach den Namen M/T Sophia und sei ein „staatenloser, sanktionierter Öltanker“ einer Schattenflotte. Das Schiff soll nun weiter in einen US-Hafen eskortiert werden.
Update, 15:24 Uhr: Die USA haben Armeeangaben zufolge den unter russischer Flagge fahrenden Öltanker im Nordatlantik „beschlagnahmt“. Der Tanker „Bella 1“, der zuvor wochenlang von der US-Armee verfolgt worden war, sei im Auftrag des Justizministeriums und des Innenministeriums „wegen des Verstoßes gegen US-Sanktionen“ unter US-Kontrolle gebracht worden. Dies erklärte das US-Militärkommando für Europa auf X. Der Tanker sei zuvor einer Teilblockade rund um Venezuela entkommen, berichteten die US-Sender Fox News und CNN.
Update, 14:41 Uhr: Der Öltanker „The Marinera“ wurde nach Informationen von NBC News beschlagnahmt und befindet sich in US-Gewahrsam. Das teilte ein amerikanischer Beamter dem Sender mit. Die US-amerikanischen Strafverfolgungsbehörden seien bereits mit an Bord, hieß es weiter.
Erstmeldung: Washington/Moskau – Die Situation auf dem Atlantik spitzt sich offenbar weiter zu. Die „Marinera“, wohl Teil von Russlands Schattenflotte, soll sich der Kontrolle durch die USA entzogen haben. Nun versuchen US-Spezialkräfte offenbar, das Schiff zu entern und zu beschlagnahmen. Das geht aus Informationen der Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf US-Beamte hervor.
Das Frachtschiff „The Marinera“ soll sich zuletzt unter russischer Flagge fahrend zwischen Island und Schottland befunden haben. Zuvor soll es – noch mit anderem Namen auf dem Weg nach Venezuela – plötzlich den Kurs geändert haben, um der Durchsuchung durch die US-Küstenwache zu entgehen, wie das Wall Street Journal und der Sender CBS berichteten. Der Tanker wechselte laut BBC am 24. Dezember mitten auf der Reise die Flagge, unter der er registriert war, von Guyana zu Russland.
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Russland soll den Berichten zufolge ein U-Boot und weitere Schiffe zum Schutz des Tankers entsendet haben. Die Nachrichtenagentur PA berichtete, ein britisches Aufklärungsflugzeug soll entlang der Route des Schiffes unterwegs gewesen sein. Wie der Focus schreibt, hatten sich auch mehrere Flugzeuge aus den USA in Richtung des Tankers auf den Weg gemacht. Die russische Staatsagentur RT veröffentlichte Bilder, die mehrere US-Hubschrauber im Einsatz zeigen sollen.
US-Präsident Donald Trump hatte bereits vor der militärischen Operation in Venezuela mit der Gefangennahme von Präsident Nicolás Maduro eine Seeblockade für sanktionierte Öltanker angeordnet, die Richtung Venezuela steuern oder einen Hafen des rohstoffreichen Landes verlassen. „The Marinera“ soll den Berichten zufolge zuvor als „Bella 1“ Öl aus Venezuela und dem Iran transportiert haben. Russland wird von den westlichen Alliierten beschuldigt, alte Tanker zu nutzen, um Sanktionen zu umgehen.
Tanker aus Russland im Atlantik im Visier: Außenministerium reagiert mit Sorge
Das Außenministerium in Moskau teilte der russischen staatlichen Nachrichtenagentur TASS zufolge mit, Russland betrachte die außergewöhnliche Situation mit Besorgnis. Das Schiff befahre derzeit unter der Flagge der Russischen Föderation in Übereinstimmung mit den Normen des internationalen Seerechts die Gewässer des Nordatlantiks. Aus unverständlichen Gründen schenkten das US-Militär und die NATO seinem zivilen Status nicht angemessene erhöhte Aufmerksamkeit, hieß es. (Quellen: dpa, Focus, Wall Street Journal, BBC) (fbu)