Liebe
Leserin, lieber Leser,
wegen der für heute erwarteten Schneefälle und
Schneeverwehungen hat der Deutsche Wetterdienst für Hamburg eine
Unwetterwarnung herausgegeben: Es bestehe Gefahr für Leib und Leben, heißt es
darin. Der Senat ruft die Hamburgerinnen und Hamburger auf, heute möglichst zu
Hause zu bleiben – bei prognostizierten bis zu 15 Zentimeter Neuschnee und
Schneeverwehungen sollten sie „auf nicht unbedingt nötige Fahrten verzichten
und bei Aufenthalten im Freien, insbesondere bei der Teilnahme am
Straßenverkehr, besondere Vorsicht“ walten lassen, hieß es. Der
Winterdienst der Stadtreinigung sei seit Tagen im Dauereinsatz. Die Feuerwehr
Hamburg stelle sich ebenfalls auf vermehrte Einsätze ein. Zudem hätten die
Krankenhäuser bereits ihr Personal in der Unfallchirurgie und den Notaufnahmen
aufgestockt.
Wir haben in diesem Newsletter alle relevanten
Einschränkungen des öffentlichen Lebens zusammengestellt.
Aber natürlich bleibt
die Frage: Wer ist schuld an dieser Situation? Dazu möchte ich folgende Angaben
machen: Meine Tochter, vier Jahre alt, ist seit etwa einem Jahr komplett
verschossen in Elsa, die Eiskönigin aus dem gleichnamigen Disney-Film. Elsa
kann Schlösser aus Eis zaubern, Schneestürme herbeihexen und so weiter. Wenn
sie groß sei, wolle sie auch Eiskönigin werden, sagte meine Tochter neulich.
Vor ein paar Tagen standen wir demzufolge auf dem Balkon, eine von uns war
kostümiert und hat mit ihrem Elsa-Zauberstab einen Elsa-Kältezauber performt. Bis
Redaktionsschluss war noch nicht absehbar, wie sich die Lage heute tatsächlich
entwickelt – aber wenn es auch nur ein bisschen stürmt, wird eine von uns
sehr stolz sein. Und Sie wissen dann, wer die Verantwortung für den Sturm
trägt: ich.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende, kommen
Sie gut durch!
Ihr Florian Zinnecker
PS: Diese Ausgabe der
Elbvertiefung ist die letzte für diese Woche, von jetzt an erscheint dieser
Newsletter wieder montags bis freitags, wie gewohnt um 6 Uhr morgens. Unser Podcast
erscheint natürlich weiterhin am Samstag – in dieser Woche spreche ich mit
meiner Kollegin Kristina Läsker über Hamburg als Rüstungsstandort, die Folge können Sie heute ab 17 Uhr hier hören.
© ZON
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WAS HEUTE WICHTIG IST
© Marcus Brandt/dpa
Wegen der erwarteten starken Schneefälle hat
sich Bürgermeister Peter Tschentscher an die Bevölkerung gewandt und um
Mithilfe gebeten. „Vermeiden Sie unnötige Wege und aufschiebbare Termine.
Stellen Sie sich auf die Witterungsbedingungen ein“, sagte Tschentscher.
„Achten Sie auf Ihre Nachbarn und Mitbürger, denn gemeinsam bewältigen wir die
Lage in den nächsten Tagen am besten.“
Wie
die Schulbehörde mitteilt, bleiben am heutigen Freitag alle Schulen in
Hamburg geschlossen. In einem Schreiben
bat Landesschulrat Thorsten Altenburg-Hack, alle Kinder und Jugendlichen bis
zur sechsten Klasse mit Unterrichtsmaterialien auszustatten oder einen
möglichen Onlineunterricht vorzubereiten. Außerdem müsse sichergestellt sein,
dass es eine Ganztagsnotbetreuung gebe. Für die Klassen 7 bis 13 solle ein
digitales Unterrichtsangebot gemacht werden. Geplante Prüfungen müssten
abgesagt werden.
Beim Bahnanbieter Metronom fallen heute
mehrere Züge der Linien Bremen–Hamburg und Hamburg–Uelzen aus. Laut Mitteilung
sind zunächst sieben Verbindungen am Morgen betroffen.
Eltern von Kita-Kindern
müssen sich heute auf eingeschränkte Betreuungszeiten einstellen. „Wir
rechnen damit, dass viele unserer Mitarbeitenden wegen Schnee und Eis morgen
ihre Arbeit nicht erreichen können“, erklärte die Elbkinder Vereinigung
Hamburger Kitas als größter Kita-Träger
der Hansestadt.
Der Park Planten un
Blomen bleibt bis zum 12. Januar gesperrt. Die Eisbahn ist nach Angaben der
zuständigen Behörde hingegen weiterhin geöffnet.
© Christian Charisius/dpa
Am Flughafen Hamburg kommt es zu
erheblichen Einschränkungen im Luftverkehr. Da auch andere Airports und
Drehkreuze von Extremwetter betroffen seien, sei einiges durcheinandergewirbelt
worden, sagte eine Sprecherin. Es komme zu teils deutlichen Verspätungen. Ab
einer Schneehöhe von zwei Millimetern müssten die Start- und Landebahnen
geräumt werden. Je nach Lage könne dies rund eine halbe Stunde in Anspruch
nehmen – bis zu zehnmal am Tag.
Die Rufbusse des Unternehmens Moia haben
den Verkehr vorübergehend eingestellt. Wann der Betrieb wiederaufgenommen
wird, wurde nicht mitgeteilt.
Angesichts erheblicher Betriebseinschränkungen
hat die S-Bahn Hamburg dazu aufgerufen, auf alle nicht unbedingt nötigen
Fahrten zu verzichten. Seit Donnerstagnachmittag kommt es auf allen Linien
zu Verspätungen und Ausfällen, heißt es auf der S-Bahn-Website. Derzeit sei man
bemüht, einen eingeschränkten regelmäßigen Betrieb zu gewährleisten. Der ADAC
rät, das Auto am Freitag möglichst stehenzulassen. Wer trotzdem mit dem Auto
fahren müsse, solle langsam fahren und Abstand halten.
Da viele Nebenstraßen aufgrund von Schnee und
Eisglätte nicht gefahrlos befahrbar sind, kommt es zu Einschränkungen bei
der Müllabfuhr. Dort, wo derzeit
kein Müll abgeholt werden kann, hat die Stadtreinigung angeboten, bei der
nächsten Leerung Beistellungen in angemessenem Maße mitzunehmen.
Die Universität rät für heute von
Präsenzveranstaltungen ab. „Wenn es möglich ist, werden Lehrende gebeten,
ihre Lehrveranstaltungen digital durchzuführen“, heißt es in einem Schreiben
der Hochschulleitung. Sollte das nicht möglich sein, solle sich eine
Abwesenheit von Studierenden nicht nachteilig auswirken.
Der Schwimmbadbetreiber
Bäderland schränkt seinen Betrieb aufgrund hoher Schneelasten auf den
Dächern der Bäder deutlich ein. Von Freitag bis Montag ist ein Notbetrieb
geplant – nur die Alsterschwimmhalle, das Billebad und die Schwimmbäder
Festland, Inselpark und Ohlsdorf sind an diesen Tagen geöffnet.
THEMA DES TAGES
© Bodo Marks/picture alliance/dpa
„Ich würde mich von Häuserschluchten fernhalten“
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bis 15 Zentimeter Schnee, starker Wind: Der Meteorologe Christian Paulmann
erklärt, wie heftig es im Norden wird – und was alle jetzt besser lassen
sollten. Die Fragen stellte ZEIT-Redakteur Yannick Ramsel.
DIE ZEIT: Herr Paulmann, worauf müssen sich die Menschen in
Norddeutschland in den kommenden Tagen gefasst machen?
Christian Paulmann: In der Nacht zum Freitag setzt von Süden her
Schneefall ein. Dieser breitet sich in Richtung Elbe aus und überschreitet den
Fluss am Freitagvormittag, kommt aber nur bis zur Mitte von Schleswig-Holstein,
weil starker Ostwind dagegenhält. Es werden zehn bis 15 Zentimeter Schnee
dazukommen, lokal kann es auch mehr sein. Man wird die Schneehöhe aber gar
nicht so messen können, weil es durch den Wind zu starken Verwehungen kommt. Im
Binnenland kann er Stärke 5 erreichen, teilweise sogar Stärke 6, an den Küsten
bis zu Stärke 9.
ZEIT: Inwiefern verschärft sich die Lage dadurch, dass
es nicht nur stark schneit, sondern auch stürmt?
Paulmann: Wenn der Schnee nur einfach von oben nach unten
fällt, würden 15 Zentimeter nicht wirklich viel ausmachen, die liegen ja
vielerorts jetzt schon. Aber durch den Wind dazu und die niedrigen Temperaturen
ist der Schnee in den nördlichen Landesteilen sehr trocken. Da wird jede Flocke
vom Wind mitgenommen, der Schnee sammelt sich an Hindernissen. Wenn sich etwa
ein Lkw auf der Autobahn querlegt und es zu einem Stau kommt, ist die große
Gefahr, dass die Lücken zwischen den Autos gefüllt werden. Dann gehts nicht
mehr nach vorne und hinten. Verdichteter Schnee ist ultraschwer und ultrafest.
ZEIT: Was ist das richtige Wort für das, was uns
erwartet? Eisregen, Schneesturm oder, die noch stärkere Form, ein Blizzard?
Paulmann: Wir haben ein Sturmtief, das vom Seegebiet
südwestlich von Irland über den englischen Kanal und Benelux in Richtung
Mitteldeutschland zieht. Und dann haben wir ein kräftiges Hochdruckgebiet über
Skandinavien. Der Wind entsteht zwischen diesen beiden Druckgebilden. Und da
liegen wir. Der Begriff Schneesturm passt daher am besten. An der Küste kann es
teils zu Blizzard-artigen Bedingungen kommen. Aber das Wort Blizzard beschreibt
eigentlich ein eigenständiges Tiefdruckgebiet.
ZEIT: Was ist das Gefährliche an der Situation?
Paulmann: Zum Beispiel Bäume, die vom schon gefallenen
Schnee belastet sind und umfallen können. Durch die Luft fliegende Gegenstände.
Und wenn man festsitzt, bei gleichzeitigem Frost, kann man natürlich durchaus
in Lebensgefahr schweben. Glätte spielt eine untergeordnete Rolle.
Wie der Experte die Wetterlage historisch einordnet und
was er den Menschen in Hamburg konkret rät,lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung auf zeit.de.
DER SATZ
© Joshua Koblin/unsplash.com
„Ein Beamter, der einige dieser Clips gesehen hat, die zeigen sollen, wie
sich Kinder auf Kommandos von Shahriar J. selbst verletzten, sagt: ›Man denkt
nur: Das ist der Teufel.‹“
In
Hamburg beginnt der Prozess gegen den mutmaßlichen Pädokriminellen „White Tiger“.
Kann das Gericht die grausamen Taten
aufklären? ZEIT-Redakteur Christoph Heinemann begeleitet den Prozess.
DAS KÖNNTE SIE INTERESSIEREN
In der Gesprächsreihe „Wir müssen reden“ im Thalia Theater hat
ZEITmagazin-Chefredakteur Sascha Chaimowicz das Ehepaar Saba-Nur Cheema und
Meron Mendel zu Gast. Er möchte von dem muslimisch-jüdischen Paar wissen, wie
beide auf die sich immer weiter polarisierende Welt blicken und ob sich nach
der Veröffentlichung ihres Buches Muslimisch-jüdisches
Abendbrot – Das Miteinander in Zeiten der Polarisierung 2024
gesellschaftliche Prozesse zum Positiven entwickelt haben. Cheema ist
Politologin und Beraterin der Bundesregierung zu Islamfeindlichkeit, Mendel ist
Professor und Leiter der Bildungsstätte Anne Frank.
Sonntag, 11. Januar,
11.30 Uhr; Thalia Theater, Alstertor; Tickets gibt es hier
MEINE STADT
Einmal Winter in Hamburg, und die Feuerwehr hängt in den Bäumen … (letztes Wochenende) © Stefanie Carbone
HAMBURGER SCHNACK
An einer Ampel in
Hamburg-Eppendorf. Ein Vater und zwei Kinder warten auf grünes Licht. Ein
Radfahrer wartet nicht; er fährt rüber. Sagt ein Kind: „Papa, der ist bei Rot
gefahren.“ Papa: „Ja, der darf das.“ Kind: „Warum?“ Papa: „Der hat keine
Pflicht, bei Rot zu halten. Kinder schon.“
Gehört von Margret
Silvester
Das war die Elbvertiefung, der tägliche
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