Lübeck. Der Einbruch bei der Sparkasse in Gelsenkirchen (NRW) schlägt Wellen bis nach Lübeck: Kriminelle haben am 29. Dezember in der Filiale im Ruhrgebiet Tausende Schließfächer geknackt und sind mit der Beute verschwunden. Die Ermittler schätzen sie derzeit auf rund 30 Millionen Euro. Die Schließfachinhaber standen einen Tag später wütend vor der Sparkassen-Filiale und wollten wissen, ob sie ihre Wertsachen je wiederbekommen.
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In Lübeck gibt es einige Menschen, die genau wissen, wie es sich anfühlt, wenn auf einmal alles weg ist. Auch hier haben Einbrecher in der Weihnachtszeit zugeschlagen und im Dezember 2024 aus den 371 geknackten Schließfächern der Deutschen Bank am Kohlmarkt eine Beute im Wert von rund 19 Millionen Euro gestohlen.
Von den Tätern fehlt bislang jede Spur. „Und wieder frohe Weihnachten an die Einbrecher“, schreibt ein Mitglied einer WhatsApp-Gruppe, in der sich Geschädigte aus Lübeck austauschen.
Experte fordert mehr Sicherheit bei Banken an Feiertagen
Jürgen Hennemann, Fachanwalt für Versicherungsrecht und Haftpflichtspezialist aus Buchholz (Niedersachsen), ist in diesen Tagen in Eile. „Das Telefon steht kaum still“, sagt Hennemann, der sich seit mehr als zehn Jahren auf Fragen des Schadensersatzes nach Bankeinbrüchen spezialisiert hat. Er vertritt auch beim Einbruch am Lübecker Kohlmarkt zahlreiche der bestohlenen Kunden. Die Taten in Lübeck und in Gelsenkirchen sind in den Augen des Experten jedoch nur bedingt miteinander zu vergleichen.
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„In Lübeck haben sich die Täter im Tresor der Bank einsperren lassen. In Gelsenkirchen haben sie mit einem 300-Kilo-Kernbohrer ein Loch in den Tresorraum gefräst. Das ist ein völlig anderes Tatmuster.“ Hennemann vermutet zwar, dass sowohl in Lübeck als auch in Gelsenkirchen die organisierte Kriminalität hinter den Einbrüchen stehe. Doch daran, dass es sich um dieselbe Tätergruppe handeln könnte, glaubt er nicht.

Eine Parallele zwischen den Fällen sieht Hennemann in der Tatzeit. In Lübeck 2024 und in Gelsenkirchen 2025 brachen die Täter jeweils an einem Wochenende im Dezember im Umkreis von Feiertagen ein. „Wir wissen aus vorausgegangenen Fällen, dass zum Beispiel auch über die Oster- oder Pfingsttage eine konkrete Gefährdung besteht“, sagt Hennemann. „Ich verstehe nicht, warum sich bei den Kreditinstituten diesbezüglich offenbar Wahrnehmungsdefizite einstellen. Es wäre ein Leichtes, rund um Feiertage zusätzliche Sicherheitsleute zu platzieren, um Einbrüchen vorzubeugen.“
„Einbruch in Gelsenkirchen trägt selbe Handschrift wie in Lübeck“
Genau das sagt auch Josef Resch, Privatermittler aus Bad Schwartau. Resch setzt sich für die Geschädigten des Einbruchs bei der Deutschen Bank in Lübeck ein und bietet eine Belohnung von mittlerweile knapp 300.000 Euro für denjenigen, der Hinweise zu den Schließfach-Knackern liefern kann.
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Für Resch trägt der Einbruch in Gelsenkirchen von der kriminellen Logistik her dieselbe Handschrift wie in Lübeck. „Es ist dieselbe Abgebrühtheit der Täter. Sie haben sich lange auf den Einbruch vorbereitet und Schwachstellen der Banken ausgenutzt“, sagt Resch. Dazu seien in beiden Fällen keine Waffen eingesetzt worden, was eine mögliche Haftstrafe deutlich verkürzt. Ob es in Lübeck und Gelsenkirchen allerdings genau dieselben Täter waren, könne niemand sagen.

Außerdem müssen die Täter laut Resch in beiden Fällen Insider-Informationen gehabt haben. Offiziell wird das nicht bestätigt. Im Lübecker Fall ist die Ermittlungsakte der Staatsanwaltschaft immer noch geschlossen. Weiß Resch mehr? Hatte der ehemalige V-Mann der Lübecker Polizei Einblicke in die Ermittlungsakte? „Kein Kommentar“, sagt Resch, und: „Ich vermute, dass es sich bei den Tätern in Lübeck um eine kriminelle Bande aus dem Frankfurter Raum handeln könnte.“
„Kann nicht sein, dass der Schließfachinhaber immer der Dumme ist“
Klar ist, dass die Sparkasse in Gelsenkirchen nicht die erste betroffene Filiale ist. Kriminelle haben unter anderem schon bei der Sparkasse in Harburg-Buxtehude (2019), Norderstedt (2021) und Anfang 2026 in Halle (NRW) zugeschlagen. Nach Angaben des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands gibt es kein einheitliches Sicherheitskonzept für alle 338 Sparkassen in Deutschland, Entscheidungen zur Sicherheit werden selbstständig vor Ort getroffen. Ein Sprecher sagt: „Die Sicherheitsmaßnahmen entsprechen dabei grundsätzlich modernen kriminaltechnischen Anforderungen.“
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Aber offenbar reichen die nicht aus. Josef Resch ärgert es, dass sich die Schließfach-Einbrüche bei Banken immer weiter fortsetzen. „Es kann nicht sein, dass der Schließfachinhaber immer der Dumme ist, der am Ende den größten Schaden hat, der sich durch eine vernünftige Aufklärung der Banken hätte vermeiden lassen“, sagt Resch. „Ich werde mich weiter für die Geschädigten der Deutschen Bank einsetzen und habe auch schon einige Ideen, bei denen weder die Schließfach-Opfer noch die Deutsche Bank zu Schaden kommen.“
LN