Schon wieder eine Evakuierung? Kölnerinnen und Kölner zucken da oft nur mit den Schultern. Man mag meinen, Bombenentschärfungen gehören hier zum Alltag. Aber es bedeutet auch: Straßensperrungen, sein Haus zu verlassen, die Arbeit niederzulegen und Stunden oder manchmal auch die ganze Nacht andernorts zu verbringen. Egal, ob man bettlägerig ist oder nicht. Im vergangenen Jahr fand die größte Evakuierungsaktion nach dem Zweiten Weltkrieg statt, die es je in der Stadt gab: Rund 20.500 Anwohnerinnen und Anwohner mussten im Juni ihr Zuhause für die Entschärfung von drei Bomben im Bereich der Deutzer Werft verlassen. Teile der Innenstadt waren wie ausgestorben. Bereits im Mai hatte die Uniklinik die größte Bombenentschärfung ihrer Geschichte erlebt: Rund 1000 Patientinnen und Patienten waren vorzeitig entlassen worden, rund 850 wurden vor Ort betreut, bis die amerikanische Weltkriegsbombe entschärft war.

Bombenentschärfungen in Köln: Ein Fall ohne Evakuierung

Insgesamt waren im vergangenen Jahr 69.562 Kölnerinnen und Kölner von Bombenevakuierungen betroffen, 19 waren es über das Jahr verteilt. Im Durchschnitt waren jedes Mal rund 3600 Menschen betroffen, insgesamt waren 644 Krankentransporte nötig. Nicht jeder Bombenfund führte zu einer großen Entschärfung: Insgesamt wurden im Stadtgebiet im letzten Jahr 50 Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Davon waren 24 sogenannte Sprengbomben, die auch für die 19 Evakuierungen verantwortlich waren. 21 hatten einen Aufschlagzünder, zwei hatten einen Langzeitzünder, eine hatte keinen funktionsfähigen Zünder mehr. Eine Bombe wurde im Januar im Weißen Bogen in Weiß gefunden – evakuiert wurde aus Mangel an Anwohnern niemand.

Außerdem wurden 2025 26 Brandbomben gefunden. Diese konnten allesamt durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst (KBD) gefahrlos abtransportiert werden. 27 Mal wurden Granaten und Munition gefunden. Von den 24 Sprengbomben wurden 21 bei geplanten Sondierungen gefunden, drei zufällig bei Bauarbeiten. Dass es kaum Zufallsfunde gibt, liegt an den Vorgaben der Kampfmittelverordnung des Landes NRW. Die Fachgruppe „Kampfmittelangelegenheiten“ im Ordnungsamt erreichte 2025 insgesamt 3209 Anträge auf Luftbildauswertung. Bei anschließenden Sondierungen wurden die meisten Blindgänger gefunden.

Diese Bomben hatten im Juni die größte Evakuierung seit dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst.

Diese Bomben hatten im Juni die größte Evakuierung seit dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst.

Personell sind vor allem Mitarbeitende des Ordnungsdienstes gebunden: Fast 18.650 Arbeitsstunden gehen auf das Konto der Evakuierungen, zu denen auch die Klingelrundgänge der Ordnungsbehörde gehören. Im Durchschnitt waren pro Evakuierung 63 Außendienstkräfte eingesetzt. Die Stadt hat in ihrer Statistik über die Bombenfunde auch festgestellt, an welchem Wochentag die meisten Bomben gefunden wurden – nämlich donnerstags. Am längsten dauerte die Evakuierung im Mai 2025 in der Nähe des Volksgartens. Von der Alarmierung bis zum Einsatzende vergingen etwa 16 Stunden. Der Einsatz über Nacht war nötig geworden, weil die amerikanische Sprengbombe durch ein Baustellenfahrzeug bewegt worden war und unverzüglich entschärft werden musste. Mit 50 Bombenfunden in einem Jahr steigt die Zahl nun wieder auf das Niveau vor Corona. 2024 gab es 31 Funde, 2023 sogar nur 21. Das liegt vor allem auch an großen Bauprojekten. Die Mehrzahl der Evakuierungen gab es in den Bezirken Rodenkirchen und Lindenthal.