
Die BVG-Baureihe JK auf ihrem ersten Fahrgasteinsatz auf der Linie U2 zwischen den U-Bahnhöfen Mendelssohn-Bartholdy-Park und Gleisdreieck.
Foto: Lennart3003/CC-BY-4.0
Mit Prognosen liegen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) allzu oft nicht richtig, nicht nur, was die Abfahrt des nächsten Zuges betrifft. Das ist nun auch bei der Auslieferung der neuen Fahrzeuge für die sogenannten Kleinprofillinien U1 bis U4 der Fall.
140 Wagen des Typs JK aus dem Pankower Werk des Herstellers Stadler Rail hätten bis Jahresende 2025 auf dem Berliner Netz eingetroffen sein sollen. So ist es im vergangenen Jahr immer wieder von BVG-Chef Henrik Falk angekündigt worden. Doch tatsächlich sind laut aktuellem Stand bisher erst rund 110 Wagen da. »Die noch ausstehenden Wagen, rund 30, erwarten wir in den nächsten Wochen«, erklärt die BVG-Pressestelle auf Anfrage von »nd«. Das ist immerhin mehr als ein Fünftel der Flotte.
Ursache wird nicht verraten
Über die Gründe für die Verzögerung schweigt sich das Landesunternehmen, wie traditionell üblich, auf Nachfrage aus. »Die Anzahl der Züge ist für die aktuellen betrieblichen Anforderungen nicht relevant und hat keine Auswirkungen auf den Fahrbetrieb«, heißt es stattdessen von der BVG.
Es könnte durchaus sein, dass es tatsächlich nie vorgesehen war, alle 140 neuen Wagen bis Ende 2025 in Betrieb zu haben, was aber für die Kommunikation als nicht sexy genug angesehen worden ist. Denn der von der BVG verbreitete Auslieferungsfahrplan für die Fahrzeuge passte nie so ganz.
»Die Anzahl der Züge ist für die aktuellen betrieblichen Anforderungen nicht relevant.«
BVG
Woche für Woche acht Wagen hätten demnach seit der ersten öffentlichen Fahrgastfahrt in Betrieb gehen sollen. Damit wären bis Jahresende 2025 maximal 136 Wagen betriebsbereit gewesen. Allerdings ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass Auslieferungen in der Weihnachts- und Neujahrswoche geplant waren.
Tatsächlich hat sich die Zuverlässigkeit der U-Bahn seit Aufnahme des Fahrgastbetriebs der neuen Züge von Stadler Rail im September laut von der BVG verbreiteten Zahlen deutlich verbessert. »In der letzten Kalenderwoche 2025 fuhren im Durchschnitt 99,2 Prozent aller U-Bahnen, die im Fahrplan angegeben waren«, teilten die Verkehrsbetriebe am Mittwoch mit. Damit seien in der Weihnachtswoche »die höchsten Zuverlässigkeitswerte des gesamten Jahres« erreicht worden.
Bei diesem BVG-eigenen Zuverlässigkeitsindikator gilt allerdings jede stattgefundene Fahrt als voll erbracht, unabhängig von Verspätungen oder ob sie nur mit einem Vier- oder Sechs-Wagen-Zug statt mit einer eigentlich vorgesehenen Acht-Wagen-Einheit durchgeführt worden ist. Bereits mehrfach berichteten Fahrgäste auf der U2, dass vereinzelt auch die neuen JK-Züge nur mit sechs statt acht Wagen im Einsatz waren.
Lange Züge auf der U3
Eingehalten hat die BVG ihr Versprechen, dass auf der U3 seit Mitte Dezember nahezu ausschließlich Acht-Wagen-Züge statt dem bis dahin vorherrschenden wilden Mix aus Vier- bis Acht-Wagen-Einheiten verkehren sollen. Dafür sind auf der U1 nun nahezu ausschließlich Züge mit vier Wagen im Einsatz.
Ab Montag soll die U2 tagsüber zum Vier-Minuten-Takt zurückkehren. Seit Längerem fährt die Linie mit täglich über 330 000 Fahrgästen wegen Fahrzeug- und Personalmangel nur im 4,5-Minuten-Takt.
Großsperrung in der City West
Hintergrund ist die am Montag beginnende Sperrung des kompletten Tiefbahnhofs Nollendorfplatz für vier Monate bis zum 10. Mai. Die U1 wird dann nur noch im Viertelstundentakt zwischen Uhlandstraße und Wittenbergplatz pendeln. Die U3 wird zwischen Spichernstraße und Gleisdreieck unterbrochen sein. Die U4 wird überhaupt nicht fahren. Ersatzbusse werden zwischen Spichernstraße und Wittenbergplatz und von dort weiter bis Innsbrucker Platz im Einsatz sein.
Einzig die U2 wird die Netzlücke zwischen Gleisdreieck und Wittenbergplatz überbrücken. Die U3 soll tagsüber alle vier Minuten zwischen Gleisdreieck und Warschauer Straße fahren – damit sinkt das Angebot auf der Kreuzberger Hochbahn von 18 auf 15 Züge pro Stunde. Im Westabschnitt zwischen Spichernstraße und Krumme Lanke ist ein unveränderter Fünf-Minuten-Takt geplant.
Grund sind unaufschiebbare Sanierungsarbeiten an Decken im U-Bahnhof Nollendorfplatz. Über Jahrzehnte einsickerndes Wasser inklusive aggressiver Streusalze hat die Tragfähigkeit bis auf kritische Werte reduziert.