Rom, 09. Jan (Reuters) – Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hält einen Militäreinsatz der USA zur Einnahme Grönlands für unwahrscheinlich und fordert zugleich eine stärkere Nato-Präsenz in der Arktis.
„Ich glaube weiterhin nicht an die Hypothese, dass die Vereinigten Staaten eine Militäraktion starten würden, um die Kontrolle über Grönland zu übernehmen“, sagte Meloni am Freitag auf ihrer traditionellen Neujahrs-Pressekonferenz. Dies sei eine Option, die sie eindeutig nicht unterstützen würde. „Ich denke, das wäre nicht einmal im Interesse der Vereinigten Staaten von Amerika, um es klar zu sagen.“ Die US-Regierung hat erklärt, sie ziehe eine Reihe von Optionen mit Blick auf Grönland in Betracht, einschließlich des Einsatzes von Gewalt.
Meloni forderte zugleich eine „ernsthafte und bedeutende“ Nato-Präsenz in der Arktis, um eine „übermäßige Einmischung durch andere, möglicherweise sogar feindliche Akteure“ zu verhindern. Zudem sprach sie sich für eine Wiederaufnahme des Dialogs zwischen Europa und Russland aus. Sie stimme dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron zu, der kürzlich ein Engagement Europas mit Moskau gefordert hatte. „Ich glaube, Macron hat in diesem Punkt recht. Es ist an der Zeit, dass auch Europa mit Russland spricht“, sagte sie. Eine Wiederaufnahme Russlands in die Gruppe der führenden Industrienationen (G7) sei jedoch „absolut verfrüht“. Ein entsprechender Vorschlag war im November von den USA unterbreitet worden.
Meloni schlägt vor, dass die Europäische Union einen Gesandten ernennen soll, der direkt mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin verhandelt. „Wenn wir den Fehler machen, einerseits den Dialog mit Russland wieder aufzunehmen und andererseits unorganisiert vorzugehen, würden wir Putin einen Gefallen tun“, warnte sie. Meloni bekräftigte zudem, dass Italien nicht die Absicht habe, Truppen in die Ukraine zu entsenden, um ein mögliches Friedensabkommen abzusichern. Frankreich und Großbritannien hatten im vergangenen Monat eine Absichtserklärung über den künftigen Einsatz multinationaler Streitkräfte in der Ukraine nach einem Waffenstillstand unterzeichnet.
(Bericht von Gisedla Vagnoni, Giulia Segreti und Alvise Armellini, geschrieben von Philipp Krach, redigiert von Christian Rüttger. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)