
AUDIO: „White Tiger“: Prozess gestartet (1 Min)
Stand: 09.01.2026 14:41 Uhr
Er nannte sich „White Tiger“: Unter großem Medieninteresse ist am Freitagmittag vor dem Hamburger Landgericht der Prozess gegen einen 21-jährigen Angeklagten gestartet. Er soll Kinder und Jugendliche zu sexuellen und selbstverletzenden Handlungen getrieben haben – ihm wird nach dem Suizid eines 13-Jährigen sogar Mord vorgeworfen.
Die Öffentlichkeit wurde vom Prozess ausgeschlossen, weil der heute 21-Jährige bei den meisten der angeklagten Taten noch minderjährig war. Seine Rechtsanwältin sagte, sie gehe davon aus, dass sich insbesondere der Mordvorwurf nicht bestätigen werde. „Unser Mandant ist kein pädophiler Sadist.“
Opferanwalt empört
Die Anwältin kündigte an, im Prozess das gesellschaftliche Problem eines nahezu unkontrollierten Internets zu thematisieren. Darüber zeigte sich der Opferanwalt Steffen Hörning empört. Er vertritt eine junge Finnin, die Opfer des Angeklagten geworden sein soll und Nebenklägerin im Prozess ist. Hörning sagte, er werde dem Versuch entgegentreten, den Opfern eine Mitschuld zu geben. Es seien alles psychisch labile Kinder und Jugendliche gewesen, die im Netz Hilfe gesucht hätten und dort gequält wurden.
Angeklagter wurde vor Prozessbeginn verprügelt

Die Anwältin des Angeklagten spricht kurz vor Prozessbeginn mit Journalisten.
Wenige Stunden vor Beginn des Prozesses war der Angeklagte laut seiner Anwältin von anderen Häftlingen verprügelt worden. Das bestätigte die Justizbehörde. Der 21-Jährige war wegen der Wetterlage schon am Donnerstag vom Jugendgefängnis auf Hahnöfersand in die Untersuchungshaft an der Holstenglacis verlegt worden. Dort wurde er in einem Warteraum von zwei Mitgefangenen attackiert und laut seiner Anwältin im Gesicht verletzt. Eine Gesichtshälfte des Angeklagten sei stark geschwollen.
Mehr als 200 Taten werden ihm vorgeworfen
Der 21-Jährige aus Hamburg ist unter anderem wegen Mordes und mehrfachen versuchten Mordes angeklagt. Ihm werden der Tod des 13-Jährigen und die Suizidversuche von weiteren Jugendlichen zur Last gelegt. Außerdem geht es um sexuellen Missbrauch und Körperverletzungen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm 204 Taten an über 30 Kindern und Jugendlichen vor. Viele konnten noch nicht namentlich identifiziert werden. Er war im Sommer in der elterlichen Wohnung in Hamburg festgenommen worden.
Opfer aus mehreren Ländern
Die bekannten Opfer stammen unter anderem aus Deutschland, Finnland, Großbritannien, Kanada und den USA. Der Angeklagte soll Teil des internationalen pädokriminellen Netzwerks „764“ gewesen sein. Der Angeklagte soll die Taten im Internet begangen haben, indem er gezielt Kontakt zu Kindern und Jugendlichen aufgenommen hat, die psychisch labil waren. Er soll seine Opfer dann laut Anklage unter Druck gesetzt und bedroht haben.
82 Verhandlungstage und viele Videos
Das Gericht hat 82 Verhandlungstage bis Mitte Dezember angesetzt. Die Jugendstrafkammer werde vor allem viele Videos sichten und Chats zwischen dem Angeklagten und den mutmaßlichen Opfern verlesen müssen, sagte Sprecherin Marayke Frantzen. „Das Beweismaterial ist durchaus umfangreich und man hat sehr viel Videomaterial. Es soll Aufzeichnungen geben, wie miteinander gechattet worden ist und Kameraufzeichnungen, was diese Personen dann konkret getan haben. Was vielleicht vorher gesagt und geschrieben worden ist. Das wird man sich angucken und auswerten müssen.“

Dem inzwischen 21-jährigen Shahriar J. werden mehr als 200 Straftaten zur Last gelegt. Ab heute steht er in Hamburg vor Gericht.
Höchststrafe von zehn Jahren droht
Sollte der 21-Jährige tatsächlich am Ende wegen Mordes verurteilt werden, droht ihm eine Höchststrafe von zehn Jahren Haft – er war bei den meisten Taten noch minderjährig. Seine Verteidigerin hatte vor Prozessbeginn angekündigt, dass sich der Angeklagte schweigend verteidigen werde.
Hilfe bei Suizid-Gedanken
Sollten Sie selbst von Selbsttötungsgedanken betroffen sein, suchen Sie sich bitte umgehend Hilfe. Bei der anonymen Telefonseelsorge finden Sie rund um die Uhr Ansprechpartner.
Telefonnummern der Telefonseelsorge: 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222 www.telefonseelsorge.de
Telefonberatung für Kinder und Jugendliche: 116 111 – www.nummergegenkummer.de

Der „White-Tiger“-Prozess rückt die Medienkompetenz von Schülern in den Fokus. Wie aufgeklärt sind Jugendliche im Norden in der Online-Welt?

Dem jungen Mann werden mehr als 200 Straftaten zur Last gelegt – darunter Mord, versuchter Mord und sexuelle Nötigung. Die Taten sollen sich überwiegend im Internet abgespielt haben.

Sie sagte auf NDR Info, starke Verhaltensänderungen von Kinder seien mögliche Warnsignale. In Hamburg beginnt der Prozess gegen einen mutmaßlichen Pädokriminellen.

Der 20-Jährige soll Kinder im Internet dazu gebracht haben, sich selbst weh zu tun – bis hin zum Suizid. Jetzt kommt heraus, dass er schon 2021 zur Hamburger Polizei musste.

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