Kaum ist der offenbar von Linksextremisten verursachte Stromausfall in Berlin überstanden, steht Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner (CDU) schon das nächste Problem ins Haus – und dieses ist hausgemacht.

Am Sonntag erklärte Wegner bei einem Termin in einer Notunterkunft in Steglitz-Zehlendorf, am ersten Tag des Terroranschlags „den ganzen Tag am Telefon gewesen zu sein“. Was er verschwiegen hatte: Zwischen 13 und 14 Uhr spielte er mit seiner Partnerin, Berlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch, Tennis, wie die Senatskanzlei dem rbb mitteilte.

Auch Günther-Wünsch gerät ins Visier der Kritik. Als Schulsenatorin hätte sie angesichts der Lage dringendere Aufgaben gehabt, zumal in zahlreichen Sporthallen kurzfristig Notunterkünfte für Betroffene eingerichtet wurden.

Wegner, ein erfahrener Berufspolitiker, hätte wissen müssen, dass Krisen politische Karrieren gefährden können. Dennoch trat er mit beiden Füßen ins Fettnäpfchen. Ein Fehlverhalten wollte er in seiner Sportpause nicht erkennen: „Es gibt ja keinen Grund zur Entschuldigung, wenn man eine Krise anderthalb Tage vorher beendet“ rechtfertigte er sich am Donnerstag. „Wir haben das gut hinbekommen.“

Wachsende Kritik von allen Seiten

Die Staatskanzlei betont, Wegner sei jederzeit erreichbar gewesen und habe seine Arbeit unmittelbar nach dem Spiel wieder aufgenommen. Doch während er auf dem Tennisplatz Punkte sammelte, waren mehr als 40.000 Berliner Haushalte bei eisigen Temperaturen ohne Strom.

Für Wegner, der es mit seinen Forderungen nach Recht und Ordnung an die Spitze der Berliner Landespolitik gebracht hat, könnte das sogenannte „Tennis-Gate“ nun das Ende der Karriereleiter bedeuten. Ein Aufstieg vom Berliner Bürgermeister zum Bundeskanzler, wie es einst Willy Brandt meisterte, scheint undenkbar. Wegners Image als konsequenter Macher bröckelt.

Opposition und Parteifreunde fordern Konsequenzen: Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki schrieb auf X: „Kai Wegner muss zurücktreten.“ Auch Berliner FDP, BSW und AfD verlangen seinen Rücktritt. Kritik kommt sogar von Amtsvorgängern: Walter Momper (SPD) nannte Wegners Tennisspiel „abwegig“ und forderte eine umfassende Aufklärung, so die dpa.

Am Montag soll Wegner vor dem Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses Rede und Antwort stehen. Die Grünen haben den Antrag bereits eingereicht, so die Berliner Morgenpost. Innenpolitischer Sprecher Vasili Franco betonte: „Als Grüne-Fraktion halten wir es für unerlässlich, dass der Regierende Bürgermeister sich gegenüber dem Parlament erklärt.“ Am 15. Januar will Wegner zudem in einer Regierungserklärung Stellung beziehen.

Koalition unter Druck

Trotz Rückendeckung von Kanzler Merz, der erklärte, „in den Abläufen sei nichts zu kritisieren“, schmilzt die Unterstützung in den eigenen Reihen dahin. CDU-Politiker Philipp Amthor sagte bei „Markus Lanz“: „Das ist etwas, was die Glaubwürdigkeit erschüttert hat. Es ist immer wichtig, zu politischen Fehlern zu stehen.“

Für die schwarz-rote Berliner Koalition könnte der Tennistermin zur Zerreißprobe werden. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) erklärte: „Ich kann nur sagen, ich bin mit der Situation anders umgegangen.“ SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach kritisierte im Tagesspiegel: „Ich weiß nicht, was schlimmer ist: Dass er die Berlinerinnen und Berliner belogen hat, oder dass ihm eine Tennis-Partie wichtiger war als die Menschen vor Ort.“

Den Vertrauensvorschuss, den der konservativ-liberale Wegner bei seiner Wahl zum Bürgermeister 2023 noch genoss, scheint er verspielt zu haben. Damals betonte er, er wolle „eine Regierung hinbekommen, die gemeinsam verlässlich an den Problemen dieser Stadt arbeitet“. Mit seiner eigentlich sicheren Wiederwahl kann der CDU-Politiker aktuell kaum noch rechnen.

Eine Anfrage von Euronews sagte Wegner aus terminlichen Gründen ab.