Inhalt / Kritik
Syrien im Jahr 2017: Die Stadt Raqqa ist fest in der Hand des Islamischen Staates, der ohne jede Zurückhaltung die Bevölkerung terrorisiert. Vor allem die Frauen haben unter dem Regime zu leiden, werden größtenteils wie Sklavinnen gehalten. Unabhängig voneinander machen sich der russische Geheimagent Haibala Ahmed Yadali (Álvaro Morte) sowie die im Auftrag von Europa agierende Malika (Mina El Hammani) auf die Suche nach einem Mann, den sie alle nur „den Jordanier“ nennen, um ihn zu töten. Dabei müssen sie gut aufpassen, damit ihre Tarnung nicht auffliegt. Vor allem für Malika ist der Aufenthalt gefährlich, da ihr die Zwangsverheiratung droht …
Terror als gemeinsames Feindbild
In einer Welt, in der die Grenzen zwischen gut und böse immer mehr verschwimmen und aus langjährigen Freunden über Nacht Feinde werden, wird es auch in Filmen immer schwieriger, noch überzeugende Gegenspieler aufzubauen. Auf eine Sache kann man sich aber zumindest im Westen noch gut einigen: Der Islamische Staat ist eine menschenverachtende Terrororganisation. Wenn dieser oder ähnlich gelagerte Organisationen thematisiert werden, weiß man bereits, was einen erwartet. Auch Operation: Raqqa – Im Schatten des IS lässt keinen Zweifel daran, dass ein Leben in einem von diesen Menschen reagierten Ort eine Strafe ist. Zumindest für diejenigen, die weiter unten auf der Hierarchie stehen.
Das trifft insbesondere natürlich auf Frauen zu. Bei der Darstellung derselben spart der die Adaption des Romans Vírgenes y verdugos von Tomás Bárbulo nicht an erschütternden Momenten. Einige davon sind erwartet, andere dürfen auch ein hartgesottenes Publikum schockieren. Gerade die Versteigerung der jungen Frauen, die wie Vieh vorgeführt werden, dürften bei den meisten Zuschauern und Zuschauerinnen Entsetzen hervorrufen. Operation: Raqqa – Im Schatten des IS ist zumindest ein Film, der sich viel Zeit dafür nimmt, die Lebenssituation aufzuzeigen. Das hat dann zwar nur bedingt etwas mit der eigentlichen Geschichte zu tun. Es trägt aber zu der Atmosphäre bei, zumal ja gerade Malika dadurch auch eine konkrete Gefahr droht. Sie darf als Krankenschwester zwar arbeiten, wird also gebraucht. Aber das muss ja nichts heißen.
Auch ohne viel Action spannend
Der Film will aber natürlich mehr sein als „nur“ ein Drama. Es handelt sich hierbei durchaus um einen Spionagefilm. Man sollte von diesem aber nicht erwarten, dass da ständig gekämpft und geballert wird. Die beiden Hauptfiguren sind nicht der Typ, wie man ihn aus solchen Genrebeiträgen zuweilen kennt. Operation: Raqqa – Im Schatten des IS erinnert da eher an Kein Weg zurück kürzlich über einen Mann, der seinen Sohn aus den Fängen syrischer Terroristen befreien will. Dessen Protagonist konnte zwar durchaus kämpfen. Aber es ging mehr darum, wie er in dieser fremden Unterwelt eintaucht und in dieser nicht weiter auffällt. Denn fliegt die Tarnung auf, bringen ihm auch seine Kampffertigkeiten nichts mehr. Dann ist es schnell vorbei.
Operation: Raqqa – Im Schatten des IS profitiert von dieser realistischeren Darstellung, erzeugt eine Menge Spannung mit der Situation, dass überall Gefahr droht, die sich auch wirklich wie eine anfühlt. Gleichzeitig ist man gebannt dabei, wenn es um die Frage geht, wer dieser Jordanier eigentlich ist und ob es die beiden schaffen werden ihn auszuschalten. Löblich ist zudem, dass im Film mit mehreren Sprachen gearbeitet wird, auch wenn manche ihre Probleme dabei haben könnten, dass dafür Untertitel gelesen werden müssen. Schauspielerisch überzeugt das ebenfalls. Sowohl Álvaro Morte (Zwei Gräber) wie auch Mina El Hammani (Las Cumbres: Das Internat) überzeugen in ihrer Darstellung von Spionierenden, deren Lage ganz unterschiedlich und zugleich sehr ähnlich ist.
Credits
OT: „Raqa“
Land: Spanien, Marokko
Jahr: 2024
Regie: Gerardo Herrero
Drehbuch: Irene Zoe Alameda
Vorlage: Tomás Bárbulo
Musik: Paula Olaz
Kamera: Juan Carlos Gómez
Besetzung: Álvaro Morte, Mina El Hammani, Abdelatif Hwidar, Fariba Sheikhan, Ben Temple, Sara Hwidar, Cristina Kovani, Déborah François, Ali El Aziz, Juan Carlos Vellido
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