Ich wünsche Ihnen friedliche Weihnachten. Wie, denken Sie jetzt vielleicht: Weihnachten? Weihnachten ist vorbei. Sie haben natürlich recht: Das Fest ist vorbei. Aber in den zugesandten Grüßen zur Weihnacht, die auf meinem Schreibtisch liegen, bleibt es mir nahe.

Mich hat es besonders gefreut, dass auch Menschen anderer Glaubensüberzeugung mir ein frohes Fest gewünscht haben. Das ist eine schöne Erfahrung in Zeiten, in denen so viel getan wird, Menschen wegen ihres Glaubens auseinanderdividieren zu wollen. Weihnachten berührt über Glaubensgrenzen hinweg. Gott ist ein solidarischer Gott.

Der Theologe Jan Loffeld schreibt, dass es nicht Aufgabe einer Glaubensgemeinschaft sei (und er meint als Christ vorrangig die christlichen Kirchen), eine religiöse Identität gegen eine andere auszuspielen. Die großen Glaubensfeste (nicht nur die christlichen) sind in besonderer Weise mit Traditionen und Riten verbunden; sie wollen berühren und Erinnerungen wecken. Dabei aber sollten die ursächlichen Botschaften nicht aus dem Blick verloren werden; die sprechen im christlichen Glauben von der Menschwerdung Gottes, von seiner Zuwendung zur Welt.

Sie haben es vielleicht mitbekommen: Am Heiligen Abend wurde eine Christmette im Fernsehen übertragen. Die in der Kirche aufgebaute Krippe zeigte ein „ekliges“ Christuskind; die Zeitung mit den vier großen roten Buchstaben zitierte so einen örtlichen Politiker. Mit dem Zeigen dieser Krippeninstallation von Milena Lorek wäre eine Grenze überschritten worden. Anstatt das „Schöne in den Vordergrund zu stellen, zeige man einen „Schleim-Jesus“, einen nackten Menschen, der in nassem Reispapier eingehüllt sei. Ich finde es entlarvend und gefährlich, wenn ein Glaube in einer Weise ästhetisiert wird, dass Form und Ritus Inhalt und Botschaft des Glaubens hintanstellen. Wer schon einmal einer Geburt beiwohnen durfte, der wird sich erinnern, dass sie selten „schön“ ist im Sinne eines ästhetischen Blicks. „Schön“ ist sie aber sehr wohl im Wissen um dieses große Geschenk eines neuen Lebens, welches nie Selbstzweck ist, sondern verbunden mit einer Verantwortung für das Ganze: Für die Welt, die unvollkommen, verletzlich, geschunden und schmutzig ist.

An diese Verantwortung erinnert Gott in seiner Menschwerdung, indem er sie als Mensch mit uns gemeinsam übernimmt. Ein Vorsatz für das neue Jahr möchte ich mir mit den Worten von Hilde Domin zu eigen machen: „Ich bin nicht auf die Welt gekommen, um sie zu verspotten, sondern alles Lebende mit Leidenschaft zu lieben“. In diesem Sinn: Friedliche Weihnacht im neuen Jahr – auch schon vor dem 25.12.2026.

Pfarrer Christoph Simonsen ist Seelsorger in der Citykirche in Mönchengladbach