In der Innenstadt fielen auf offener Straße am 30. Dezember zehn Schüsse auf ein Taxi. Ein Mann auf dem Beifahrersitz des Wagens wurde lebensgefährlich verletzt. Nach diesem mutmaßlichen Mordanschlag konnte nun ein Tatverdächtiger festgenommen werden.
Die umfangreichen Ermittlungen hätten zur Identifizierung eines Tatverdächtigen geführt, der am Donnerstag vorläufig festgenommen wurde, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft Düsseldorf am Freitagnachmittag mit. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft hat das zuständige Amtsgericht jetzt gegen den 37-jährigen türkischen Beschuldigten Untersuchungshaft angeordnet. Die weiteren Ermittlungen dauern an, heißt es.
Weitere Auskünfte würden aus ermittlungstaktischen Gründen derzeit nicht erteilt. So wurde etwa der Ort der Festnahme nicht genannt. Auch was den Verdächtigen belastet und wie der 37-Jährige ermittelt werden konnte, blieb bislang unklar.
Schon kurz nach dem Attentat war klar, dass die Spuren in das organisierte Verbrechen führen könnten. Bei dem 40-Jährigen, der als Fahrgast in dem Taxi saß, handelt es sich um den Neffen eines bekannten kurdisch-niederländischen Drogenbosses. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft. In einem Social-Media-Beitrag kündigte der inhaftierte Onkel Rache an. „Ich werde eure Familie auslöschen“, schrieb er auf der Plattform X. Die Drohung wurde mittlerweile wieder gelöscht.
Der Drogenboss Hüseyin Baybasin, der oftmals als „Europas Pablo Escobar“ bezeichnet wird, wurde 2002 in den Niederlanden zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, unter anderem wegen Drogenhandels und Beihilfe zum Mord. Er soll hauptsächlich mit Heroin gehandelt und auf den europäischen Markt gebracht haben. Nachdem er verhaftet und verurteilt wurde, soll sein Bruder, der Vater des Düsseldorfer Anschlagsopfers, die Familiengeschäfte übernommen haben, wie britische Medien berichteten.
Das Attentat in Düsseldorf fand am helllichten Tag auf der Kaiserstraße in Pempelfort statt. Der 40-jährige Neffe war am Nachmittag auf dem Rückweg von einer Kundgebung vor dem niederländischen Konsulat, Kostenpflichtiger Inhalt wo er für die Freilassung seines Onkels demonstriert hatte. Das hatte er offenbar in den sozialen Medien kundgetan und damit mutmaßlich auch die Täter auf sich aufmerksam gemacht, so die Staatsanwaltschaft.
Wie genau die Tat ablief, bleibt undurchsichtig. Die Ermittler hatten zunächst von zwei Tätern berichtet. Der Lage der Patronenhülsen zufolge dürften der oder die Schützen im Bereich von Straßenbahnschienen mitten auf der Fahrbahn gestanden haben, heißt es. Medienberichten zufolge könnten die Schüsse auch aus einem Uber heraus auf das Taxi abgefeuert worden sein.
Klar ist: Zehn Schüsse wurden auf den Wagen abgegeben, fünf davon trafen den türkischen Staatsangehörigen. Auf Fotos waren zahlreiche Einschusslöcher auf der Beifahrerseite der Windschutzscheibe zu sehen. Im Taxi sollen sich außer dem Fahrer und dem Opfer noch weitere Personen befunden haben, die aber unverletzt blieben. Das Opfer wurde unter erheblichen Sicherheitsvorkehrungen in einem Düsseldorfer Krankenhaus behandelt. Der 40-Jährige ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft mittlerweile außer Lebensgefahr.