„Künstliche Dringlichkeit“

Anwohner laufen gegen brisanten Stadtplan Sturm

  • Philip Buchen

09.01.2026 – 15:19 UhrLesedauer: 3 Min.

Offenbar drogenabhängiger Mann an einer Straße (Symbolfoto): In Köln streitet am über den Umgang mit der Drogenszene am Neumarkt.Vergrößern des Bildes

Offenbar drogenabhängiger Mann an einer Straße (Symbolfoto): In Köln streitet am über den Umgang mit der Drogenszene am Neumarkt. (Quelle: IMAGO/imago)

Wird in der Nähe einer der traditionsreichsten Kölner Straßen ein Suchthilfezentrum gebaut? Im Veedel formiert sich der Widerstand.

Während die Stadt Köln mit einem neuen Suchthilfezentrum (SHZ) in der Wilhelm-Hoßdorf-Straße die Probleme mit der Drogenszene am Neumarkt mindern will, formiert sich im Pantaleonsviertel massiver Widerstand.

An diesem Montag (12. Januar, um 19.30 Uhr) lädt die IG Pantaleonsviertel zu einer öffentlichen Anwohnerversammlung in die Aula des Berufskollegs am Perlengraben 101 ein.

„Die Stadt erklärt öffentlich, andere Standorte seien geprüft worden und der Standort in unserem Viertel sei alternativlos“, kritisiert Andreas Zittlau, Vorstandsvorsitzender der IG Pantaleonsviertel. „Genau diese angebliche Alternativlosigkeit ist für uns weder nachvollziehbar noch überzeugend. Weder wurden die geprüften Standorte transparent benannt, noch ist ersichtlich, nach welchen Kriterien diese Bewertung erfolgt sein soll.“

Die Sorge einiger Anwohner im Pantaleonsviertel: Im Umkreis von rund 100 Metern des geplanten SHZ-Standorts befinden sich ein öffentlicher Spielplatz und mindestens fünf Kindertagespflegestellen. Die nicht weit entfernte KVB-Haltestelle Severinstraße dient zudem als zentraler Knotenpunkt für Schulwege von zwei Gymnasien und einer Förderschule.

„Niemand stellt die Notwendigkeit von Hilfsangeboten infrage“, betonte Zittlau am Donnerstag. „Aber es ist nicht akzeptabel, ein solches Zentrum ausgerechnet in ein dicht besiedeltes Wohngebiet mit Schulen und Kindertagesstätten setzen zu wollen und dies als alternativlos darzustellen – ohne die Betroffenen frühzeitig einzubeziehen und ohne eine offene Diskussion ernsthafter Alternativen.“

Besonders das Tempo des Verfahrens stößt auf Kritik. „Hier wird eine künstliche Dringlichkeit erzeugt“, erklärt der IG-Vorsitzende. „Während andere städtische Projekte über Jahre hinweg geprüft, diskutiert und abgewogen werden, soll diese Entscheidung offenbar möglichst schnell und geräuschlos getroffen werden – auf Kosten der Menschen, die hier leben.“