
AUDIO: Sicher im Netz unterwegs? Ein Schulbesuch in Hamburg (3 Min)
Stand: 09.01.2026 15:20 Uhr
Der Fall „White Tiger“ erschüttert den Norden. Wie sind Schulen aufgestellt, wenn es um die Prävention der Schülerinnen und Schüler in Bezug auf die Internetnutzung geht? NDR Info hat an einer Schule in Hamburg nachgefragt.
Vor dem Hamburger Landgericht hat der Prozess gegen einen 21-Jährigen Pädokriminellen begonnen. Er soll im Internet unter dem Pseudonym „White Tiger“ Kinder und Jugendliche zu schweren Selbstverletzungen und in einem Fall auch in den Suizid getrieben haben.

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Ähnliche Beispiele zeigen, dass „White Tiger“ kein Einzelfall ist. Doch wie können sich Jugendliche davor schützen, Opfer gezielter Manipulation zu werden? Die Prävention im Umgang mit Sozialen Medien und Messengerplattformen komme in Schulen häufig noch immer zu kurz, heißt es von Schulsprechenden aus ganz Deutschland.

Sie sagte auf NDR Info, starke Verhaltensänderungen von Kinder seien mögliche Warnsignale. In Hamburg beginnt der Prozess gegen einen mutmaßlichen Pädokriminellen.
Wissen, worauf es online ankommt
Zu Besuch in einer Hamburger Stadtteilschule: Frederik hat sein Smartphone aus der Hosentasche gezogen und zeigt sein Lieblingsspiel Brainrots auf der Plattform Roblox. Dabei geht es – einfach gesagt – darum, digitale Figuren zu stehlen und so reich zu werden. Schrille Farben, viele Geräusche – Frederiks Lieblingsspiel begeistert weltweit Millionen in seinem Alter.
Der Schüler besucht die sechste Klasse am Campus Schnelsen. An der Schule haben die Kinder von der 5. Klasse an zwei Stunden pro Woche Informatikunterricht. Hamburgweit ist das eine Ausnahme. Die scheint sich allerdings zu lohnen, denn: Die Elf- und Zwölfjährigen haben sich bereits jetzt zu kritischen Internetnutzern entwickelt. Sie wissen, worauf sie im Netz beim Umgang mit Unbekannten achten sollten.
Avatar statt eigenes Bild
„Wenn mich ein Unbekannter zum Beispiel in einem Spiel kontaktiert, gehe ich sofort aus dem Spiel raus und melde ihn“, sagt Frederiks Klassenkameradin Lotta. Außerdem solle man nicht alles glauben, was verbreitet wird. „Zum Beispiel, wenn man die Quelle nicht kennt! Dann sollte man ein bisschen darüber nachforschen, ob andere auch die Quelle benutzen“, fügt Mitschülerin Lea hinzu.

Den Schülerinnen und Schülern muss in Mecklenburg-Vorpommern ein gesunder Umgang mit Medien vermittelt werden. Doch das gelingt nicht überall problemlos.
Zurückhaltend sind die Schülerinnen auch, wenn es darum geht, eigene Bilder im Netz zu veröffentlichen. „Man sollte nicht Fotos von sich reinstellen, weil Fotos oder Videos für andere Zwecke benutzt werden können. Das will man vielleicht nicht, weil das innerlich verletzen kann“, sagt Lea. Freundin Jill nutzt deshalb als Profilbild in den Sozialen Medien lieber einen Avatar.
Nutzung mit elterlicher Kontrolle
Eine halbe Stunde pro Tag darf Frederik zu Hause am Handy machen, was er will. Wenn er mehr Zeit vor dem Bildschirm verbringen will, müsse er fragen, erzählt er. Leas Eltern geben ihrer Tochter zwar doppelt so viel Zeit, schränken aber den Inhalt ein: „Meine Mutter packt mir Spiele drauf. Und weil ich das Passwort nicht kenne, muss ich vor der Benutzung fragen. Sie weiß dann auch, was ich auf dem Smartphone habe und was ich in der Zeit machen darf und kann.“

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Uneins sind sich die Stadtteilschüler, ob sie ohne die Regeln der Eltern mehr oder weniger Zeit am Handy verbringen würden. In der Schule jedenfalls müssen sie ihre Geräte bald während des Unterrichts abgeben.
Schulleitung: Restriktive Maßnahmen und klare Regelsetzungen

Schulleiter Stephan Eggert freut sich über ein medienkompetentes Kollegium.
Schulleiter Stephan Eggert sieht darin kein Problem, schließlich werde ja sowieso durchweg mit dem I-Pad gearbeitet: „Es braucht auf der einen Seite restriktive Maßnahmen, klare Regelsetzungen, auf der anderen Seite aber auch Aufklärung, Sensibilisierung und einfach Wissensvermittlung.“
Der Schulleiter ist sich jedoch auch bewusst, dass seine Schule diesbezüglich privilegiert und gut aufgestellt ist. Auch durch viele junge Lehrer, die das Wissen um Social Media glaubhaft und aus Nutzerperspektive vermitteln können.
Verbesserungspotenzial in Sachen Medienkompetenz
Das aber fehlt an anderen Schulen noch zu häufig, sagt Pia Langer von der Schülerkammer in Hamburg. Medienkompetenz müsse fachübergreifend in Lehrpläne integriert werden. Auch dass die Fortbildungen für Lehrkräfte in dem Bereich freiwillig sind, kritisiert die 16-Jährige: „Die müssten verpflichtender sein, regelmäßiger sein, so dass sich wirklich jede Lehrkraft mit Medien auskennt und nicht wir Schüler noch den Beamer anschalten müssen.“

Der 21-Jährige aus Hamburg soll Kinder zu Suizid und Selbstverletzungen gebracht haben. Vor dem Prozessbeginn wurde er verprügelt.

Einfach.Medien bietet Unterrichtsmaterial, Workshops und andere Angebote für Jugendliche und Lehrkräfte zum Thema Medienkompetenz.

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Die Vorkommnisse erinnern an den Fall des „White Tiger“, der demnächst in Hamburg vor Gericht steht.

Ein 21-Jähriger soll Kinder und Jugendliche im Internet dazu gebracht haben, sich selbst zu verletzen – bis hin zum Suizid. Der Fall hat Auswirkungen auf die künftige Polizeiarbeit.