Steinhagen. „Hat alles geklappt?“, immer wieder muss Andy Bock das Gespräch in seiner Werkstatt unterbrechen und sich um Kunden kümmern. Seit dem 1. Januar ist er Chef des Betriebes neben dem Netto an der Queller Straße, der in Steinhagen lange als „Kfz Rüdiger“ bekannt war. Was die Auftragslage angeht, kann sich der 40-Jährige nicht beklagen. Wie in einem Bienenstock geht es zu. Gerade der aktuelle Wintereinbruch sorgt für ungeplante Aufträge. Zweistellige Minustemperaturen sind in den kommenden Nächten möglich.

Und ja, bei dem Kunden hat alles geklappt. Zwei Schrauben, zwei Unterlegscheiben, das Blech sitzt wieder fest und die Fahrt kann weitergehen. Was das macht? In diesem Fall nur einen Beitrag für die Kaffeekasse. Das Geld wird mit den echten Reparaturen und Wartungsarbeiten verdient. „Wir haben allein in den letzten Tagen sechs Autobatterien ausgetauscht“, beantwortet der Kfz-Techniker-Meister die Frage, wie sehr sein Geschäft denn wetterabhängig sei.

Wir haben den Profi gebeten, uns die wichtigsten Fehler aufzuzählen, die Autofahrer derzeit vermeiden sollen, um sicher und ohne Zwangsstopp durch die kalten Wochen zu kommen. Die schwache Batterie ist schon der erste.

1. Wie man eine schwache Batterie erkennt

„Mit der Batterie ist das so eine Sache“, sagt Andy Bock. Eigentlich gingen die heutigen Blei-Säure-Batterien bei Hitze kaputt, nicht bei Kälte. Allerdings verlieren sei bei niedrigen Temperaturen deutlich an Leistung. „Mann merkt es daran, dass das Auto langsamer und schlechter anspringt“, so der Fachmann. Spätestens dann sei ein Besuch in der Werkstatt sinnvoll, bevor der Wagen nicht mehr losfährt.

Ein Batteriecheck dauere nur fünf Minuten. Dann sei sofort klar, ob eine Neue her muss. „Eine Autobatterie sollte heute eigentlich fünf bis sieben Jahre halten, aber erst gestern hatte ich einen Kunden da, da war die Batterie nur drei Jahre alt und musste ausgetauscht werden“, erläutert Bock. Vor allem Zusatzausstattungen wie eine Start-Stopp-Automatik oder eine Standheizung verkürzten die Lebenszeit.

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Bei Nutzung einer Standheizung gelte außerdem die Faustregel: „Heizzeit gleich Fahrzeit.“ Wer sein Auto eine halbe Stunde im Stand auftauen lässt, sollte auch mindestens eine halbe Stunde damit fahren, damit sich die Batterie regenerieren kann. Autos, die im Winter lange stehen, sollten sowieso an ein Erhaltungsladegerät angeschlossen werden.


Fuß vom Gas: Ein Auto liegt an einer schneebedeckten Landstraße im Graben. - © dpa

Fuß vom Gas: Ein Auto liegt an einer schneebedeckten Landstraße im Graben.
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2. Der Unterschied zwischen Winterreifen und Winterreifen

„Winterreifen sind wirklich wichtig“, betont Andy Bock. Tatsächlich sind solche Spezialreifen in den kalten Monaten laut StVO nicht per se Pflicht (in Österreich ist das anders). Wer allerdings bei Schnee ohne „den Witterungsbedingungen angepasste“ Reifen unterwegs ist, riskiert bei einer Überprüfung einen Punkt in der Verkehrssünderkartei in Flensburg. Außerdem müssen solche Reifen seit 2024 nicht nur die Kennzeichnung M+S tragen, sondern das Schneeflocken-Symbol.

Ein Mindestprofil von 1,6 Millimetern ist laut Straßenverkehrsordnung Minimum, mehr ist sinnvoll. „Die Hersteller fordern vier Millimeter“, sagt der Techniker. Aus seiner Sicht ein guter Wert, um ausreichend Traktion auf Schnee und Eis zu haben.

3. Kälte kann den Kühler zerstören

„Auch die Flüssigkeiten müssen passen“, so Bock. Ohne ausreichend Frostschutz-Zusatz könne das Kühlwasser einfrieren und dabei im schlimmsten Fall sogar den Kühler platzen lassen. Wer indes sein Auto in einer Werkstatt warten lasse, sollte damit keine Probleme haben. „Das wird bei jeder Inspektion geprüft.“

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Beim Frostschutz der Scheibenwischerflüssigkeit muss sich indes der Fahrer selbst kümmern. „Sommerreiniger kann einfrieren“, weiß der 40-Jährige. Vor allem, wenn er bei deutlichen Minusgraden auf die kalte Scheibe treffe. Dann könne die Sicht während der Fahrt auf einmal komplett weg sein. Es gebe aber Scheibenreiniger für die Wintermonate, der nicht gefriere. Und auch bei der Scheibenwischanlage könne gefrierende Flüssigkeit Schäden verursachen, zum Beispiel an der Pumpe oder den Schläuchen.

„Wenn die Scheibenwischer Schlieren ziehen, stört mich das total“, sagt Andy Bock außerdem. Die Wischerblätter gehörten ebenfalls regelmäßig erneuert. Genauso sollte jeder Autofahrer selbst darauf achten, dass Scheinwerfer und Schlussleuchten nicht verschmutzt oder von Schnee verdeckt sind. Selbiges gelte für das Kennzeichen.

Und noch eine Sache gibt es, auf die auch die beste Werkstatt keinen Einfluss hat: den Fahrer und die Fahrerin. Auf verschneiten Straßen verlängert sich der Bremsweg auf das drei- bis vierfache – auch wenn das Auto gut vorbereitet ist. Und selbst der beste Bauhof kann nicht alle Straßen stets freihalten.

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