Sturmtief „Elli“ hat Deutschland fest im Griff und macht auch vor Braunschweig nicht halt. Die Löwenstadt ist schneebedeckt, kräftige Windböen fegen durch die Straßen. Besonders hart trifft das Wetter die Stadttauben. „Draußen (ist es) leider eine Katastrophe für die Tauben“, beschreibt Beate Gries vom Stadttiere Braunschweig e. V. die aktuelle Lage.
Braunschweig: Schwache Tauben sind „absolut verloren“
„Ohnehin geschwächte Tiere sind bei dieser Witterung absolut verloren und sterben sehr wahrscheinlich, wenn die draußen bleiben“, stellt die Vorsitzende im Verein im Gespräch mit News38 klar. Im Winter gebe es kein Futter, nicht mal „Wohlstandsmüll“, wie Gries den Fastfoodabfall der Menschen beschreibt. Der anhaltende Schneefall decke zusätzlich jede mögliche Nahrungsquelle zu. „Ohne Futter können Vögel ihre Körpertemperatur nicht aufrechterhalten und werden durch Unterkühlung bewegungsunfähig und erfrieren.“
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Gries betont, dass Stadttauben keine Wildtiere seien. Sie stammen von gezüchteten Haus- und Brieftauben ab, deren Ursprünge in wärmeren Regionen liegen. Minusgrade setzen ihnen daher besonders zu. Zudem seien sie durch den Menschen darauf gezüchtet worden, sich ganzjährig zu vermehren. Das hat jetzt schlimme Folgen: „Die Küken im Nest erfrieren sehr schnell an den ungeschützten wilden Brutplätzen, zum Beispiel auf Stahlträgern oder Kabeltraversen in den Parkhäusern.“ Um die Tiere vor der Kälte zu schützen, verfüttert das Vereins-Team deshalb bei den Minusgraden 55 Gramm anstatt 40 Gramm Futter je Taube.
Der verschneite Taubenschlag auf dem Bahngelände Foto: Stadttiere Braunschweig e. V.Helfer schrecken nicht vor Sturm zurück
Trotz Sturm und Schnee sind die Ehrenamtlichen täglich im Einsatz. „Wir versorgen die Stadttauben jeden Tag 365 Tage im Jahr. Auch an Tagen wie heute mit für Braunschweig extremen Schneefall und Windböen“, berichtet Gries. Ob mit Bus, Auto oder zu Fuß – die Helfer lassen die Tiere nicht im Stich. „Unsere Mitarbeiter sind hoch engagiert und wollen die Tauben auch bei diesem Extremwetter nicht ohne Futter zurücklassen.“
Oberste Priorität habe aber trotzdem die Sicherheit der Mitarbeiter. In den insgesamt vier Taubenschlägen, die der Verein betreut, werde deshalb heute nur Futter und Wasser gewechselt, danach gehe es so schnell wie möglich wieder nach Hause. Die Reinigung und andere Aufgaben werden nächste Woche nachgeholt.
Winterwetter erschwert die Arbeit
Schwache oder verletzte Tauben, die es noch schaffen, in die Taubenschläge zu fliegen, kann das Team dort sichern. Doch das Winterwetter erschwert die Arbeit. „Die Tauben können schlecht fliegen bei Schneefall und können die Futterstellen schwer anfliegen.“ In den Schlägen gefriert das Wasser in den Kanistern im Schloss hat der Verein immerhin Strom und kann Tränkenwärmer anschließen, damit es in den Tränken nicht zufriert.
Ein weiteres Problem: Die Mitarbeiter müssen die vom Schnee bedeckten Futterstellen mit dem Kehrblech freischaufeln, um die Futterschalen überhaupt aufstellen zu können. Zudem weht der Wind Schnee in die Schläge. „Dagegen kann man nicht viel machen, außer Schnee weg zu fegen“, so Gries. Immerhin in der Nacht gibt es Ruhe, zumindest bei den Schlägen in den Schlossarkaden. Dann schließen automatische Klappen, sodass kein Schnee mehr eindringt.
Die Tauben bekommen im Winter mehr Futter Foto: Ira KrynytskaSo kannst du den Tauben helfen
Wer bei seinem Spaziergang durch die Stadt eine unterkühlte, apathische Taube sieht und helfen möchte, kann Folgendes tun: das Tier mit einer Jacke oder einem Schal sichern, „oder auch einfach beherzt mit den Händen zu fassen“, wie Gries erklärt. Dann ist es wichtig, bei dem Tier zu bleiben, es bestenfalls ins Warme zu bringen und den Tierschutz Braunschweig zu kontaktieren. Dieser hat zwei Tierrettungswagen, die außerhalb der Geschäftszeiten über die Tiernotrufnummer der Feuerwehr unter 0531 2345 8000 zu erreichen sind.
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Angst vor Krankheiten brauche man bei der Sicherstellung nicht haben. „Keine Angst: Die Tauben haben keine gefährlichen Krankheiten, mit denen sie uns anstecken könnten. Das sind Ammenmärchen der Schädlingsbekämpfer, die mit der Angst der Menschen viel Geld verdienen“, stellt Gries abschließend klar.