Chinas elektrischer Präzisionsschlag gegen das europäische Selbstverständnis

Es passiert selten, dass man auf einer Automesse in Brüssel steht und ein Auto betrachtet, das einem ein Gefühl von Déjà-vu und Zeitenwende zugleich vermittelt. Der Xpeng P7+ wirkt, als sei er schon da gewesen – nur hat ihn bisher kein Europäer so gebaut. Fünf Meter Länge, eine Silhouette wie ein flaches Sportcoupé, eine Technik, die eher einer Ingenieursstudie als einer Serienlimousine gleicht. Doch in diesem Januar 2026 steht sie nun tatsächlich dort, greifbar, bereit für den Markt. Und sie hört auf den Namen P7+.

Fastback-Limousine: Neuer Xpeng P7+ feiert Europapremiere auf der Brüssel Motor Show – Bildnachweis: Xpeng

Der Moment überrascht, weil dieses Auto nicht aus Stuttgart, Ingolstadt oder Wolfsburg stammt, sondern aus Guangzhou – genauer gesagt: aus der Denkfabrik von Xpeng Motors, produziert in Europa, bei Magna Steyr in Graz. Damit ist die China‑Marke in Europa endgültig angekommen. Und sie tritt an, um das elektrische Spielbrett neu zu sortieren.

Design zwischen Understatement und Anspruch

Auf den ersten Blick erinnert der P7+ an eine Mischung aus Tesla Model S und Porsche Taycan, ohne dabei die Kopie zu suchen. Die Linienführung bleibt fließend, fast schon organisch. Ein scharf konturierter Abschluss der Motorhaube, schmale LED‑Tagfahrstreifen und die kraftvoll gespannte Dachlinie erzeugen das Bild eines fast schwebenden Fastbacks. Der Luftwiderstandsbeiwert liegt nach Xpeng‑Angaben unter 0,23 – ein beachtlicher Wert für ein 5,07 Meter langes Fahrzeug, das mit 1,95 Meter Breite und 3 Meter Radstand deutlich im Segment der Oberklasse spielt.

Fastback-Limousine: Neuer Xpeng P7+ feiert Europapremiere auf der Brüssel Motor Show – Bildnachweis: Xpeng

Aber trotz dieser Größe fühlt sich das Auto eher sportlich als wuchtig an. Die Proportionen sind ausgeglichen, die Fensterrahmen rahmenlos, die Türen massiv gedämmt. Beim Schließen fällt die satte Akustik auf, die an Premiummodelle aus Deutschland erinnert. Einmal im Innenraum, verfliegt jeder Gedanke an eine kostensparende Fertigung. Verbaut ist eine punktgenaue Materialauswahl wie Leder und Mikrofaser. Aber dies geschickt gepaart mit einer konsequenten Reduktion auf Funktion. Die Zeiten, in denen chinesische Fahrzeuge billig wirkten, sind vorbei.

Innenraum: Ein Wohnzimmer voller Code

Das zentrale Thema des P7+ ist Intelligenz – und zwar nicht im Sinne von Sprache oder Gestensteuerung allein. Xpeng nennt sein System „Turing AI“, eine Eigenentwicklung, die auf einem proprietären Hochleistungs‑Chip basiert. Dieser Chip soll, so der Hersteller, neuronale Netzwerke in Echtzeit anpassen und Daten aus Sensorfusion, Verkehrsfluss und Fahrerinteraktion laufend verrechnen. Hinter den nüchternen Worten steckt eine ambitionierte Idee: ein Fahrzeug, das in gewisser Weise mitlernt.

Fastback-Limousine: Neuer Xpeng P7+ feiert Europapremiere auf der Brüssel Motor Show – Bildnachweis: Xpeng

Deshalb interagiert der P7+ kaum noch über Menüs, sondern über „situatives Verhalten“. Erkennt das System anhand von Routenprofil und Wetterdaten, dass der Fahrer häufig über bestimmte Landstraßen pendelt, passt es Parameter für Rekuperation, Dämpferhärte und sogar Sitzposition schrittweise an. Die Reaktion auf Verkehrszeichen oder unerwartete Hindernisse geschieht über eine Kombination aus Radar, Lidar und acht hochauflösenden Kameras, die nicht bloß statisch erfassen, sondern Dynamiken modellieren. Im Innenraum bleibt davon nur eine ruhige Selbstverständlichkeit spürbar – kein technisches Chaos, keine Daueranimation.

Das Cockpit selbst setzt auf bekannte Strukturen: ein feststehendes 15‑Zoll‑Zentraldisplay, flach eingelassen, flankiert von einem schmalen Fahrer‑Display und einem Head‑up‑Display mit adaptiver Projektion. Die Softwarearchitektur basiert auf dem System Xpeng VLA 2.0, das für „Vision‑Language‑Action“ steht. Gemeint ist damit eine verschmolzene Verarbeitung aus Bild, Sprache und Handlung – ein Konzept, das sich nicht an westliche Standards wie Android Automotive hält, sondern stärker proprietär wirkt. Das kann Vorteile haben, aber auch die Gefahr von Inkompatibilitäten bergen. Immerhin funktionieren Apple CarPlay und Android Auto kabellos – das hat Xpeng gelernt.

Fastback-Limousine: Neuer Xpeng P7+ feiert Europapremiere auf der Brüssel Motor Show – Bildnachweis: Xpeng
Raum und Komfort mit viel Platz und wenig Spielerei

Wer sich in der zweiten Reihe niederlässt, erlebt, was ein Radstand von drei Metern bedeutet: Beinfreiheit in der Größenordnung eines Audi A8, dazu eine elektrisch verstellbare Rückenlehne und, ab der Long‑Range‑Version, Sitzbelüftung und Massagefunktion. Ein separates Touch‑Display in der Mittelarmlehne erlaubt den Zugriff auf Musik, Temperatur und Entertainment. YouTube oder Spotify laufen auf Wunsch direkt, sofern eine Mobilfunkverbindung besteht.

Trotz der digitalen Möglichkeiten wirkt der Innenraum nicht verspielt. Die Designer haben offensichtlich versucht, Ruhe zu schaffen. Velour‑Himmel in dunklem Anthrazit, hochwertige Sitze in perforiertem Lederimitat und eine strukturierte Mittelkonsole mit zwei induktiven Ladeflächen – belüftet, versteht sich – verleihen der Limousine jene Stimmigkeit, die man von einem Premiumsegment erwartet. Der Geräuschkomfort ist hoch. Bei der Fahrt dürfte sich das positiv niederschlagen, denn Xpeng hat die Karosserie gezielt auf Resonanzarmut optimieren lassen. Das Eigenlob der Presseabteilung, man habe „Benchmark‑Niveau“ erreicht, ist vorerst unbewiesen, aber nicht völlig abwegig.

Fastback-Limousine: Neuer XPENG P7+ feiert Europapremiere auf der Brüssel Motor Show – Bildnachweis: Xpeng
Drei Varianten – aber kein Spielraum beim Konzept

Zur Markteinführung im April 2026 bietet Xpeng den P7+ in drei Stufen an. Der Einstieg beginnt bei 46.600 Euro für den Standard Range mit 61,7 kWh großem LFP‑Akku, Hinterradantrieb, 245 PS (180 kW) Leistung und einer Beschleunigung von null auf hundert in 6,9 Sekunden. Die 800‑Volt‑Technik erlaubt das Laden von zehn auf achtzig Prozent in rund zwölf Minuten – ein Wert, der selbst in Europa derzeit kaum zu schlagen ist.

Wer 49.600 Euro investiert, bekommt den Long Range mit 74,9 kWh Akkupack. Die Reichweite steigt damit auf knapp 530 Kilometer nach WLTP. Für 53.600 Euro gibt es das Performance‑Modell mit Allradantrieb, zwei Motoren und einer Systemleistung von 370 kW (503 PS). Hier sinkt die Reichweite, doch liegt die Fahrdynamik deutlich über der des Tesla Model 3 Long Range. In allen Varianten sind Wärmepumpe, Matrix‑LED‑Scheinwerfer, Head‑up‑Display und ein komplettes Assistenzpaket serienmäßig integriert. Das ist bemerkenswert, weil deutsche Wettbewerber teils noch für Sitzheizung und Lichtautomatik Aufpreise verlangen.

Fastback-Limousine: Neuer Xpeng P7+ feiert Europapremiere auf der Brüssel Motor Show – Bildnachweis: Xpeng
Ladeleistung als Argument – und als Risiko

Die Schnellladeleistung von bis zu 446 kW beschränkt sich auf sogenannte 5C‑Batterien, die Xpeng intern entwickelt hat. Real messbar werden diese Werte nur an 800‑Volt‑Säulen der neuesten Generation, wie sie beispielsweise bei Ionity oder Aral Pulse aufgestellt sind. In der Praxis dürfte die Ladeleistung aufgrund thermischer Limitierung gelegentlich niedriger ausfallen, doch selbst Werte um die 350 kW bedeuten, dass die Pausen kaum länger dauern als ein Kaffeestopp. Damit setzt Xpeng ein klares technisches Zeichen – und übt indirekt Druck auf den europäischen Ausbauplan aus.

Aber diese „Schnelllade‑Euphorie“ bleibt nicht ohne Schattenseite. Hohe Ladeleistungen belasten den Akku stärker, zumal LFP‑Zellen bekanntlich robuster, aber weniger energiedicht sind als Nickel‑Mangan‑Cobalt‑Pendants. Xpeng betont, die Zellen seien auf mindestens 2.000 Vollzyklen ausgelegt, was rund 1 Million Kilometern entsprechen soll. Ob das im Alltag zutrifft, wird sich zeigen. Doch gerade, dass der Hersteller seine Batterien selbst entwickelt und in Kooperation mit CATL fertigt, zeigt den Anspruch, langfristig unabhängig zu agieren – eine seltene Strategie im schnell wachsenden E‑Automarkt.

Fastback-Limousine: Neuer Xpeng P7+ feiert Europapremiere auf der Brüssel Motor Show – Bildnachweis: Xpeng
Produktion in Europa – mehr als Symbolik

„Aus Europa für Europa“ klingt zunächst wie ein PR‑Slogan, ist im Fall des P7+ jedoch industriell relevant. Die Fertigung in Graz bei Magna Steyr reduziert Lieferkettenrisiken, ermöglicht höhere Qualitätsstandards und erleichtert die Anpassung an europäische Normen. Außerdem entstehen damit Arbeitsplätze in einer Region, in der traditionell eher europäische Hersteller dominieren. Es ist also kein Zufall, dass Xpeng den P7+ bei der Brüsseler Motor Show enthüllt hat. Brüssel, als Hauptstadt Europas, ist symbolisch der ideale Ort für ein Auto, das die Grenzen zwischen Herkunft und Markt auflöst.

Deshalb beobachten Konkurrenten wie Volkswagen, BMW und Mercedes‑Benz die Markteinführung mit Skepsis. Noch im Vorjahr hatte VW angekündigt, die Ladezeiten seiner SSP‑Plattform bis 2030 auf unter 15 Minuten zu senken. Xpeng ist schon jetzt darunter. Das wirft Fragen auf, warum chinesische Hersteller in Fragen der Lade‑ und Zelltechnologie aktuell so weit voraus sind – und was Europa dem entgegensetzen kann.

Auf der Straße: Erwartung und Realität

Auf ersten Testfahrten, die chinesische und norwegische Journalisten bereits durchgeführt haben, zeigt der P7+ eine klare Richtung: komfortabel, präzise, aber nicht übertrieben sportlich. Die Lenkung arbeitet linear, das Fahrwerk gleicht Bodenwellen sauber aus und vermittelt bei hohen Geschwindigkeiten Stabilität. Xpeng nutzt adaptive Stoßdämpfer, die auf Millisekundenbasis agieren und den Dämpfungsdruck an Geschwindigkeit und Nickbewegung anpassen. Das Ergebnis ist ein Charakter, der mehr auf Langstrecke als auf Rennstrecke ausgelegt ist.

Deshalb positioniert Xpeng die Limousine weniger als Sportwagen, sondern als luxuriösen „Grand Tourer“ mit digitalem Gewissen. Die Fahrleistungen sind ohnehin überzeugend: Der Allrad‑P7+ sprintet laut Hersteller in 4,1 Sekunden auf hundert, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 210 km/h, mehr braucht in diesem Segment kaum jemand. Bemerkenswert bleibt die Reichweiteeffizienz. Trotz 5,07 Meter Länge und rund 2,1 Tonnen Leergewicht konsumiert das Auto laut WLTP nur 15,2-17,4 kWh auf 100 Kilometer. Das ist Taycan‑Niveau – jedoch zum halben Preis.

Zwischen Anspruch und Akzeptanz

Doch trotz der eindrucksvollen Technik steht Xpeng vor einem altbekannten europäischen Dilemma: Vertrauen. Die Marke ist in Deutschland noch jung, das Händler‑ und Servicenetz im Aufbau. Zwar existieren bereits Showrooms in München, Hamburg und Düsseldorf, doch eine flächendeckende Präsenz fehlt – ebenso mobile Servicestützpunkte, um die in China erprobte „Nested Service Cloud“ überhaupt operational zu nutzen. Viele Kunden werden abwarten, bis die praktische Betreuung gesichert ist. Deshalb dürfte die Marktdurchdringung zunächst in Nordeuropa beginnen, wo Xpeng bereits Erfolge mit den Modellen G6 und G9 erzielt hat.

Andererseits hat sich die Wahrnehmung chinesischer Autos rapide gewandelt. Während BYD oder NIO inzwischen etablierte Größen sind, wirkt Xpeng noch frischer, beinahe experimenteller. Das kann ein Vorteil sein, denn der P7+ spricht jene Kunden an, denen Tesla zu reduziert und den deutschen Marken noch zu konventionell erscheinen. Besonders die Mischung aus Software‑Tiefe und haptischer Qualität könnte diese Nische treffen.

Vergleiche: Wo steht der P7+ im Wettbewerb?

Rein rechnerisch reiht sich der Xpeng P7+ zwischen Tesla Model 3 Long Range und Porsche Taycan in puncto Leistung, Platz und Preis ein. Gegenüber dem Volkswagen ID.7 wirkt der P7+ deutlich moderner, mit mehr Ladeleistung und einem Preispunkt, der trotz höherer Ausstattung günstiger bleibt. Selbst die Innenraumanmutung erinnert eher an Fahrzeuge jenseits der 70.000‑Euro‑Marke. In der Long‑Range‑Variante für unter 50.000 Euro bietet der Chinese damit ein Preis‑Leistungs‑Verhältnis, das schwer zu ignorieren ist.

Aber es fehlt bislang der Langstreckennachweis. Offizielle Tests deutscher Fachredaktionen werden zeigen müssen, ob der Energieverbrauch auch bei Autobahntempo konstant niedrig bleibt und ob die Software die hohe Zahl an Updates stabil verkraftet. Xpeng verspricht Over‑the‑Air‑Updates in wöchentlichen Zyklen, was ehrgeizig ist. Doch ständige Systemaktualisierungen bergen ebenso das Risiko von Fehlern. So ist es an der Zeit, dass sich Xpeng im Alltag beweist, nicht in der Cloud.

Produktion, Strategie, Symbolik

Der Schritt zur europäischen Fertigung in Graz ist mehr als eine Produktionsentscheidung. Er symbolisiert die Reife des chinesischen Automobilsektors. Während man dort lange Kopien westlicher Technik exportierte, exportiert man inzwischen Know‑how, Software‑Konzepte und Ladeinfrastruktur‑Vorstellungen. Dass Magna Steyr sich als Partner engagiert, zeugt von Professionalisierung auf beiden Seiten. Xpeng erhält europäische Qualitäts‑ und Crashstandards, Magna wiederum sichert Beschäftigung im Luxus‑Segment. Für den europäischen Markt bedeutet das: E‑Autos aus China sind längst keine Exoten mehr, sondern Wettbewerber mit realer industrieller Basis.

Kofferraum, Alltag, Praktikabilität

Trotz des sportlichen Zuschnitts zeigt sich der P7+ familientauglich. Der 573 Liter große Kofferraum wächst bei umgelegter Rückbank auf über 930 Liter. Das Gepäckabteil öffnet elektrisch, es gibt einen doppelten Ladeboden, 12‑Volt‑Anschluss und solide Befestigungspunkte. Einen Frunk – also vorderen Stauraum – bietet die Limousine dagegen nicht, was angesichts der Aerodynamikoptimierung und der tief platzierten Kühlaggregate nachvollziehbar ist. Die Sicht nach hinten wird durch die abfallende Linie eingeschränkt, aber die serienmäßige 360‑Grad‑Kamera kompensiert das weitgehend. Der Wendekreis von 11,6 Metern liegt trotz der Fahrzeuglänge im akzeptablen Bereich. Dennoch bleibt: In enger Innenstadt‑Umgebung fühlt sich der P7+ überdimensioniert an.

Softwareintelligenz 

Einer der spannendsten Aspekte ist die Integration der KI‑Plattform. Xpengs System VLA 2.0 analysiert nicht nur Verkehrs‑ und Umgebungsdaten, sondern reagiert auf semantische Spracheingaben. Statt klassischer Befehle beschreiben Fahrer Situationen, etwa „mir ist etwas kalt, aber bitte nicht volle Heizung“ – worauf das System Luftstrom und Temperatur fein anpasst. Das funktioniert oft überzeugend, manchmal mit leichten Verzögerungen. Interessant ist, dass Xpeng diese semantische Ebene nicht als Spielerei versteht, sondern sie mit Navigation, Energiemanagement und autonome Fahrfunktionen koppelt.

Die Kombination aus Radar, Lidar, Ultraschall und Kamera ergibt eine redundante Sicherheitsarchitektur. Schon das Vorgängersystem „XPilot 4.0“ hatte hohe Präzision beim Spurwechsel im Autobahnverkehr gezeigt; die neue Generation soll in der Lage sein, auf Landstraßen eigenständig zu überholen. Doch in Deutschland dürfte das System nur eingeschränkt aktiv sein, solange gesetzliche Regelungen zum autonomen Fahren auf Level 3 + ausstehen. Trotzdem gilt: Xpeng bringt hier Technologien, die in Europa erst angekündigt werden.

Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit

Xpeng gibt an, über 90 Prozent der verwendeten Materialien seien recycelbar, die Batterien vor Ort komplett rückführbar. Fertigung in Graz bedeutet zugleich kürzere Transportwege und CO₂‑Reduzierung. Die LFP‑Chemie bringt Vorteile in Sicherheit und Preis, erfordert aber größere Zellvolumina. Das Gewicht liegt dennoch unter dem eines BMW i5 oder Mercedes EQE, was auf eine effiziente Plattformauslegung hindeutet. Wartungskosten dürften niedrig ausfallen, da Xpeng auf modulare Komponenten setzt, die sich bei Defekt partiell tauschen lassen.

Die Preisstruktur bleibt dennoch ambitioniert: Während europäische Hersteller ihre Oberklassen‑Stromer jenseits der 60.000 Euro positionieren, zielt Xpeng unter diese Schwelle – wohlwissend, dass langfristig die Marge aus Softwarediensten und vernetzten Services kommen wird. Upgrades über App‑Store‑ähnliche Oberflächen gelten als künftige Umsatzquelle, ein Konzept, das Tesla mit Erfolgen, aber auch Kritik vorgemacht hat.

Kritikpunkte und offene Fragen

So ausgereift der P7+ wirkt, bleiben Schwachstellen. Die Länge von über fünf Metern ist für viele europäische Garagen schlicht zu groß. Zudem fehlt bislang ein Kombi oder Hatchback‑Pendant, das den praktischen Nutzen erhöht. Auch die Batteriekapazität von maximal 75 kWh erscheint angesichts des Formats zunächst knapp – sie wird allerdings durch Effizienz und Ladegeschwindigkeit relativiert. Die Verarbeitung in Vorserienfahrzeugen überzeugt, doch das Infotainment reagiert gelegentlich träger als erwartet. Zudem bleibt ungeklärt, welche Werkstätten tatsächlich berechtigt sind, Software‑Eingriffe vorzunehmen.

Deshalb entsteht der Eindruck eines ambitionierten Systems, das noch auf Bewährung steht. Aber dieser Eindruck begleitet alle neuen Marken, selbst Tesla in den Anfangsjahren. Wenn Xpeng es schafft, seine Service‑Infrastruktur in Deutschland stabil aufzubauen, könnte der P7+ sein Potenzial vollständig entfalten.

Ein kurzer Blick auf China und die europäische Zukunft

Chinas Elektrostrategie zielt seit Jahren auf technologische Unabhängigkeit. Unternehmen wie BYD, NIO und Xpeng bilden die Speerspitze dieser Entwicklung. Während BYD vertikal integriert und NIO auf Premium‑Community setzt, orientiert sich Xpeng radikal an Software und KI. Dass ein Teil der Produktion nach Europa verlagert wird, dient der politischen Entschärfung – „lokal gefertigt“ klingt für europäische Käufer vertrauenswürdiger. Langfristig wollen die Chinesen damit nicht nur Autos verkaufen, sondern Standards setzen: bei Cloud‑Anbindung, Schnellladen und Fahrzeugintelligenz.

Für Europa könnte der P7+ zum Prüfstein werden. Gelingt es einem chinesischen Hersteller, in Deutschland ein emotionales wie technisches Premiumprodukt zu etablieren, wird sich das Kräfteverhältnis dauerhaft verschieben. Der P7+ demonstriert, dass Software, Batteriechemie und Design längst global sind – und dass Herkunft zunehmend sekundär wird, wenn Qualität und Konzept stimmen.

Ein neues Kapitel beginnt

Der Xpeng P7+ ist kein Experiment, sondern eine Ansage. Technisch spielt er auf dem Niveau europäischer Oberklasse‑Stromer, preislich darunter, in Ladegeschwindigkeit darüber. Sein Design überzeugt durch Eigenständigkeit, sein Innenraum durch Ruhe, und sein Bedienkonzept durch Logik. Aber die Marke muss Vertrauen erst aufbauen, und die Serviceinfrastruktur bleibt die Achillesferse.

Trotzdem markiert diese Limousine einen Wendepunkt. Sie steht sinnbildlich für die zweite Generation chinesischer Elektromobilität – selbstbewusst, durchdacht, lokal produziert. Ob sie eine neue Benchmark setzt, wird der Alltag zeigen. Doch eines ist klar: Der Abstand zwischen „Made in China“ und „Made for Europe“ war nie kleiner als jetzt. Und vielleicht ist der P7+ das erste Auto, das diese Grenze endgültig überfährt.

Post navigation