München – Hoffnung für Münchens berühmteste Welle: Nach monatelangem Hickhack könnte die Eisbachwelle im Englischen Garten noch im Frühjahr wieder laufen. Ein Treffen im Münchner Rathaus bringt Bewegung in den festgefahrenen Streit – und mündet in einem Projektversuch.
Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) saß am Freitag mit Vertretern der Surfer-Community eineinhalb Stunden zusammen, um die zuletzt verhärteten Fronten aufzulösen. Ziel war es, eine Lösung zu finden, damit die abgesoffene Welle wieder surfbar wird. Das Ergebnis: ein Projektversuch, auf den viele Surfer lange gewartet haben.

Seit der Bachauskehr im Oktober baut sich keine Welle mehr auf, nur noch weißes Wasser
Foto: IMAGO/Wolfgang Maria Weber
Surfer übernehmen Verantwortung
Die Interessengemeinschaft Surfen in München (IGSM) und der Münchner Surfclub übernehmen dafür die Verantwortung – und auch die Haftung. Genau diese Haftungsfrage hatte die Gespräche bisher blockiert. Die Stadt wiederum kümmert sich um die technische und statische Untersuchung der Bauwerke für den Versuch. Außerdem sichern die städtischen Leitstellen Notfälle ab. Wann der Projektversuch beginnt, ist noch unklar.
Ziel: Eisbachwelle dauerhaft surfbar machen
In diesem Zusammenhang wurde – wenn auch nicht abschließend – darüber gesprochen, ob die Welle nach einem erfolgreichen Versuch künftig in städtischer Verantwortung betrieben werden könnte. An dem Gespräch nahmen auch Vertreter des Wasserwirtschaftsamts und der zuständigen städtischen Fachreferate teil. Ebenfalls dabei: der Strömungsexperte Robert Meier-Staude.

Auch ein Bagger war bei der Bachauskehr im Einsatz. Vermutlich wurden dabei auch Kies und Sedimente abgetragen, an denen sich die Welle aufbauen konnte
Foto: Fotostand
Vom Wahrzeichen zur Konfliktzone
Die Eisbachwelle war im Oktober verschwunden, nachdem das städtische Baureferat das Bachbett von Unrat und Sedimenten befreit hatte. Seitdem baute sich die Welle nicht mehr wie gewohnt auf. Daraufhin versuchten Eisbach-Surfer, die Welle selbst zu retten. Eine heimlich eingesetzte Rampe machte das Surfen über Weihnachten kurzzeitig wieder möglich, wurde von der Feuerwehr jedoch entfernt.

Über Weihnachten hatten unbekannte Surfer die Welle mit einer Rampe wieder surfbar gemacht
Foto: Peter Kneffel/dpa
Tödlicher Unfall im vergangenen April
Im vergangenen April war eine Surferin an der Eisbachwelle verunglückt und später im Krankenhaus gestorben. Die am Knöchel befestigte Fangleine ihres Surfbretts hatte sich unter Wasser verfangen. Die Frau konnte sich nicht befreien und wurde unter Wasser gedrückt. Nach dem Unfall sperrte die Stadt die Welle zunächst. Später wurde sie unter Auflagen wieder freigegeben. Nach der regulären Bachauskehr verschwand die Welle dann endgültig.
Die Eisbachwelle gilt als anspruchsvoll und ist nur für gute Surfer geeignet. Sie ist zugleich eine Touristenattraktion, zog zahlreiche Schaulustige und Touristen an. Sie ist bei Surfern weltweit bekannt.