München – Es sind diese Momente, in denen Glanz und Realität leise aneinanderstoßen. Kristalllüster funkeln, die Münchner Residenz atmet Geschichte, Champagnergläser klirren. Und doch beginnt dieser Neujahrsempfang mit einer kleinen Tragödie hinter den Kulissen: Vicky Leandros („Ich liebe das Leben“) singt, aber ohne ihre Band.

Denn während der große griechische Weltstar bereits einen Tag früher in München angekommen war, saßen sieben Musiker am Freitag in Hamburg fest. Zweimal enteist, zweimal gehofft, dann das Aus. Der Start ihres Flugzeugs wurde wetterbedingt gestrichen. Was für andere ein Grund zur Absage gewesen wäre, wurde für Vicky Leandros zur Bühne für wahre Größe.

Gastgeber auf Krücken: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (59, CSU). Der Landesvater hatte sich vor kurzem einer Hüft-OP unterzogen.

Tapferer Gastgeber auf Krücken: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (59, CSU). Der Landesvater hatte sich vor kurzem einer Hüft-OP unterzogen

Foto: Felix Hörhager/dpa

Zu BILD sagte die Künstlerin: „Ich bin schon am Vorabend geflogen, ich hatte Zeit. Meine Band hatte noch einen Auftritt. Die musste noch spielen, sie wollten heute fliegen. Das hat leider nicht geklappt.“ Zu ihrem grandiosen Auftritt: „Es war nicht ganz einfach, aber ich habe manche Titel eben nur mit Klavier begleitet gesungen.“

Ein Kaisersaal, 2000 Gäste und große Erwartungen

Im Kaisersaal der Münchner Residenz wurden am Freitagabend rund 2000 Gäste erwartet. Gastgeber: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Ehrengast: Weltstar Vicky Leandros. Erst kürzlich ausgezeichnet mit dem Bayerischer Verdienstorden. Ein Orden für ein Lebenswerk. Und ein Abend, der zeigte, warum.

Vicky Leandros (73) erhielt im November 2025 von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (59) im Münchner Prinz-Carl-Palais den Bayerischen Verdienstorden

Vicky Leandros (73) erhielt im November 2025 von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (59) im Münchner Prinz-Carl-Palais den Bayerischen Verdienstorden

Foto: Getty Images

Markus Söder auf Krücken: Improvisation auch beim Gastgeber

Auch Söder selbst musste improvisieren. Nach seiner Hüft-OP auf Krücken fiel das traditionelle Defilee aus. Kein stundenlanges Händeschütteln, kein Spalier. Doch der Charme des Abends litt nicht, im Gegenteil.

Vielleicht war es gerade diese leise Verletzlichkeit, die dem Empfang eine besondere Note gab. Und dann Vicky. Alleine, ohne Band, ohne großes Orchester. Nur ihre Stimme, ihr Ausdruck, ihre Erfahrung. Der Saal wurde still. Jeder Ton saß, jede Zeile traf. Große Kunst braucht nicht immer Begleitmusik.

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Was als Wermutstropfen begann, wurde zum Triumph. Standing Ovations, gerührte Gesichter, ein Kaisersaal voller Respekt. Kein Flug, keine Band, kein Defilee und doch ein Abend voller Würde, Eleganz und Emotion. Ein Neujahrsempfang, der bleibt. Und eine Künstlerin, die einmal mehr bewies: Stil kennt keine Umstände.