Öffnungszeiten, Randzeiten, Flexibilität: Eine Befragung von rund 20.000 Kita-Eltern zeigt deutliche Defizite in der Kinderbetreuung in Hessen. Die Landeselternvertretung fordert Konsequenzen.

Mutter mit Kind vor der Kita

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00:22 Min. |09.01.26|Jan-Christoph Scholz

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Die Kita-Landeselternvertretung sieht nach Auswertung einer Elternbefragung der Universität Gießen Reformbedarf bei der Betreuung von Kleinkindern. „In Hessen bestehen weiterhin erhebliche Probleme bei der Bedarfsdeckung“, teilte die Landeselternvertretung mit.

Dabei gehe es nicht allein um fehlende Plätze. Auch Öffnungszeiten seien unzureichend, Randzeiten würden nicht abgedeckt und Buchungsmodelle seien wenig flexibel. „Diese Situation wirkt sich unmittelbar auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus.“

Elternvertretung: Familie und Beruf sollen vereinbar sein

Viele Eltern seien auf flexible Arbeitszeiten, Homeoffice oder private Unterstützungsnetzwerke angewiesen, um Betreuungslücken zu überbrücken. Die Konsequenzen seien Einschränkungen im Beruf und finanzielle Belastungen.

Die Kita-Landeselternvertretung forderte die Politik auf, „geeignete Maßnahmen zu ergreifen, damit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf tatsächlich und gut gelingen kann“.

„Subjektive Einschätzungen der Eltern“

An der Online-Befragung der Justus-Liebig-Universität Gießen hatten zwischen Juni und Juli 2024 rund 20.000 Eltern teilgenommen. Laut den Wissenschaftlern richtete sich die Befragung an Familien in Hessen mit Kindern in einer Kindertagesstätte oder in der Kindertagespflege.

Bei den Ergebnissen handele es sich um „subjektive Einschätzungen der Eltern und nicht um objektive Messungen der Qualität von Einrichtungen“. Die Daten zeigten, wo Eltern Stärken in der Betreuungssituation sehen und wo Handlungsbedarf.

Angebot und Bedarf decken sich oft nicht

Als ein zentrales Ergebnis der Befragung nennt die Studie, dass Betreuungsangebote und Betreuungsbedarf von Familien „in erheblichem Maße“ nicht übereinstimmten.

„Ein großer Teil der Familien, die bereits über einen Kita-Platz für ihr(e) Kind(er) verfügen, würde einen höheren Betreuungsumfang in Anspruch nehmen, kann diesen jedoch nicht realisieren.“ Gründe seien eingeschränkte Flexibilität bei der Stundenbuchung oder nicht passgenaue Randzeiten.

Es werde insgesamt deutlich, dass viele Kita-Eltern nur deshalb ihrer Arbeit nachgehen könnten, weil deren Arbeitgeber flexibel seien oder die Eltern von Familie oder Freunden unterstützt würden.

Zu wenig Zeit für Gespräche mit Kita-Personal

Ein weiterer Aspekt der Studienergebnisse sei die Kommunikation zwischen Eltern und Kita-Personal. Viele Eltern hätten unter anderem berichtet, dass beim Bringen und Abholen nicht ausreichend Zeit für Gespräche zur Verfügung stehe.

„Zugleich äußert die große Mehrheit der Familien den Wunsch nach mehr Information und Transparenz darüber, wie ihr Kind den Kita-Alltag verbringt.“

Teilnehmerzahl in Regionen sehr unterschiedlich

Die Zahl der Teilnehmenden in den hessischen Städten und Landkreisen an der Online-Befragung variierte stark:

Während es beispielsweise in Gießen, Frankfurt und den Landkreisen Main-Kinzig, Wetterau und Darmstadt-Dieburg mehr als 1.000 waren, beteiligten sich in den Städten Kassel und Offenbach sowie in den Landkreisen Werra-Meißner, Vogelsberg und Odenwald weniger als 300 Kita-Eltern.

Weitere Informationen Ergebnisse der Elternbefragung

Die vollständigen Ergebnisse der Elternbefragung hat die Universität Gießen hier veröffentlicht.

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Kaum jemand wählt Landeselternvertretung

Das Interesse von Eltern an der Kita-Landeselternvertretung ist verschwindend gering. An der Wahl der Delegierten im Herbst hatten von rund 250.000 Kita-Eltern in Hessen 644 teilgenommen. Das entspricht einer Wahlbeteiligung von 0,25 Prozent.

Bereits bei der ersten Wahl des Gremiums 2023 war die Beteiligung mit rund zwei Prozent gering. Die nächste Wahl ist für 2027 geplant.

Auf der Landeselternversammlung am Samstag kommender Woche in Wiesbaden wollen die gewählten Delegierten die neue Kita-Landeselternvertretung wählen.

Eine Frau hält ein Baby im Arm und lächelt eine andere Frau an, die sich zu einem kleinen Mädchen mit rotem Mütze herunterbeugt und es anlächelt. Im Hintergrund ist ein Regal mit bunten Gummistiefeln zu sehen. Durch eine Glastür ist ein Gartenbereich erkennbar.

Redaktion:
Christian Albrecht

Sendung:
hr INFO,

09.01.26, 12:00 Uhr

Quelle: hessenschau.de